Abwicklung der ZBMED beschlossen (update)

Update 3 vom 21.3.: Es gibt nun eine Online-Petition, die alle unterschreiben können! Setzt ein Zeichen!

Update vom 21.3.: Nach den ersten zustimmenden Äusserungen werde ich gemeinsam mit zmindest einigen Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats von ZB MED eine Eingabe an die GWK formulieren und einreichen. Parallel scheint es mir auch sinnvoll, eine offene Petition von NutzerInnen und Freunden von ZB MED vorzubereiten. Eventuell gibt es auch Support aus der Medizinischen Forschung, was natürlich am wichtigsten wäre. Ich habe ein Pad eröffnet, in dem ich den Entwurf für eine Petition zur Bearbeitung frei gegeben habe. Anschliessend würde ich dann eine Open Petition anlegen, die ihr alle unterzeichnen könnt. Wer macht mit?

https://pad.okfn.org/p/keepzbmed 

Ergänzung vom 19.3.: auf der Website der Leibniz-Gemeinschaft heisst es: „Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen“. Meine vielleicht etwas naive Frage: kann man diese GWK noch umstimmen? Formal scheint das möglich. Dann schlage ich vor, dass wir gemeinsam die Stimme erheben und gegen den unsinnigen Entscheid protestieren. Ich bin schon mal sicher, dass der Vertreter von NRW auch gegen die Empfehlung ist. Immerhin hat man eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Stiftungsgründung von ZB MED zu ermöglichen. Wie schätzt ihr das ein? 

Am 17.3. hat mich die Mitteilung erreicht, dass der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Empfehlung an Bund und Länder ausgesprochen habe, die Förderung von ZB MED zu beenden. Laut Aussage des Direktors Ulrich Korwitz beduetet dies, dass ZB MED bis spätestens in 31/2  Jahren „abgewickelt“ wird. Die offizielle Stellungnahme seitens ZB MED wurde am 18.3. auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Ich war in verschiedenen Funktionen in die Arbeiten nach der Evaluierung 2012 involviert. Als Mitglied eines Expertengremiums begleitete ich den umfassenden Neuorganisations- und Strategieentwicklungsprozess. Und wie die Evaluatoren von 2015 war und bin ich beeindruckt von den erreichten Veränderungen. Eine Vorgabe des Senats konnte aber klar nicht erfüllt werden: die Ausrichtung auf Forschung, die Entwicklung einer Forschungsstrategie, die enge Zusammenarbeit mit Forschenden sowie die Mitwirkung bei studentischen wissenschaftlichen Arbeiten. ZB MED hat sich weiterhin als Bibliothek verstanden, die sich als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung zu positionieren begann.

Ein Kollege aus der Schweiz meinte, dass ZB MED die Entwicklung verschlafen habe und er den Entscheid des Senats nachvollziehen könne. (Anmerkung, update: Der Kollege hat in diesem Sinn das Ergebnis der Evaluierung verstanden und wiedergegeben)

Ich sehe das etwas anders: die Vorgaben waren in der kurzen Zeit nicht zu erfüllen, und die Ausrichtung auf Forschung ist eigentlich Unsinn. Die fehlende Forschungsstrategie war denn auch das Hauptargument. Die Experten haben dringenden Nachholbedarf gesehen, haben aber die Weiterführung unterstützt. Mit diesen Argumenten könnte man wohl fast alle überregional ausgerichteten Bibliotheken abwickeln.

Es war unbestritten, dass Änderungen nötig sind, und sie wurden angegangen. Aber aus einem Traktor (mir fällt gerade kein passenderes Bild ein) macht man nicht so schnell ein Rennauto. Das hätte man dem neuen Direktor ins Pflichtenheft schreiben können, wie es die Evaluatoren gefordert haben. Was man seit der letzten Evaluation an Ressourcen aus heuiger Sicht sinnlos verbraten hat (nicht nur intern sondern auch in NRW bei der Stiftungsgründung inkl. neuem Gesetz und an der Uni bei der Ausschreibung und Beinahe-Besetzung der Professur) geht auf keine Kuhhaut. Und ich unterstelle, das die Meinungen schon lange gemacht waren. Das hätte man auch vor vier Jahren schon sagen können.

Ich sehe auch die Rolle der Expertengruppe sehr kritisch, welche die Evaluierung vorgenommen hat. Ihre Empfehlung wurde sehr einseitig zu Lasten von ZB MED ausgelegt. Ihre Aussagen dienen nun praktisch als Rechtfertigung für den Entscheid des Senats, was ich an ihrer Stelle höchst peinlich finden würde. Diesen Schuh würde ich mir als Mitglied einer Fachcommunity also nicht anziehen wollen.

Als Beirat von ZBMED bin ich empört! Und als Mitwirkender in Projekten von ZB MED versichere ich allen Mitarbeitenden mein Mitgefühl. Wenn ich etwas für euch tun kann, lasst es mich wissen!

Am 17.03.2016 um 23:13 schrieb Korwitz, Ulrich:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es fällt mir sehr schwer, Ihnen das Folgende mitzuteilen, aber es muss sein:

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat soeben beschlossen, Bund und Ländern zu empfehlen, ZB MED ab 2017 nicht mehr gemeinsam zu fördern. ZB MED als von Bund und Ländern geförderte Einrichtung wird damit in spätestens 3 ½ Jahren abgewickelt werden.

Morgen ist die Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft verfügbar, in der Details stehen.

Die Entscheidung trifft alle 119 Kolleginnen und Kollegen in ZB MED schwer. Wir werden die Situation zusammen mit dem Ministerium in Ruhe analysieren und mögliche Konsequenzen betrachten. Der Abwicklungsprozess streckt sich bis mindestens Ende 2018, wahrscheinlich sogar bis Ende 2019 hin. Es wird Alternativen zum jetzigen Status geben.

Mit bestem Gruß

Korwitz

Autor: mrudolf

Professor for Library Science at HTW Chur (university of applied sciences), co-editor of Informationspraxis, co-principal investigator of the Horizon Report Library Edition, blogging on library topics - and also on mindful living (in German as Männerherz)

4 Kommentare zu „Abwicklung der ZBMED beschlossen (update)“

  1. Die ZBMED retten? Ich finde es seltsam, dass die ZBMED-Direktion der eigenen Abwicklung postwendend zustimmt – sogar mit Deadline. Die Mitarbeiter/innen werden so vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Message: Widerstand lohnt sich nicht – alle Eure Bemühungen waren umsonst – alles ist längst beschlossene Sache! Aber, weder Senat noch Direktion sind legitimiert diese Entscheidung zu treffen. Wie kann die Schließung also jetzt schon beschlossen sein? Wer hat das entschieden?

  2. Der Versuch die GWK umzustimmen dürfte wenig erfolgversprechend sein bzw. der falsche Ansatz, da die Weichenstellung der negativen Entscheidung schon an anderer Stelle erfolgt ist. Schade, dass Sie den Namen des Schweizer Kollegen (aus Ihnen womöglich guten Gründen) nicht nennen, der ZBMED selbst die Schuld dafür gibt. Dann wüsste die Öffentlichkeit aber zumindest, wo sich die Unterstützer und wo sich die Nicht-Unterstützer befinden.

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