Artikel: Bibliotheken als Orte der Begegnung und des Lernens

Für das Magazin der Gewerblich-industriellen Berufsschule Bern GIBB intern (Ausgabe Juni 2016) mit dem Schwerpunkt „Zukünfte“ habe ich einen kleinen Beitrag zur Zukunft von Bibliotheken verfasst. Weiterlesen „Artikel: Bibliotheken als Orte der Begegnung und des Lernens“

Das Veränderungspotential von SLSP

Im Blog des Projekts SLSP (Swiss Library Service Platform) habe ich einige Gedanken zum Veränderungspotential von SLSP formuliert. Mir scheint es wichtig, dass jetzt, bevor wegweisende Entscheidungen gefällt werden, einige Grundsatzfragen diskutiert und geklärt werden. Es geht dabei um die Fragen, wer in SLSP in welcher Form und in welcher Rolle mitmachen und mitentscheiden wird und welche Aufgaben der zentrale Dienstleister mittelfristig übernehmen soll. Ich plädiere ja schon länger für neue Formen der Zusammenarbeit, und SLSP scheint mir für die Schweizer Bibliothekslandschaft eine einmalige Gelegenheit einen grossen Schritt in diese Richtung zu gehen. Aber man sollte sich der Konsequenzen bewusst sein und offene Fragen jetzt klären. Nur so kann das Projekt erfolgreich sein.

Blogbeiträge mit Bezug zum Thema Zusammenarbeit und SLSP:

#keepZBMED: aktuelle Entwicklungen

Kurz vor der Sitzung des Ausschusses der GWK (Gemeinsame Wissenschaftskonferenz) am 24.5. hier ein Update zu den aktuellen Entwicklungen.

Die Petition #keepZBMED wurde mit 9608 Unterschriften abgeschlossen und zusammen mit ausgewählten Kommentaren an alle Mitglieder der GWK verschickt. Dieses Schreiben kann man hier (Brief_GWK-Petition) herunterladen. Die Petition mit allen Kommentaren ist weiterhin zugänglich (www.change.org/p/keepzbmed). Herzlichen Dank an alle, die uns dabei unterstützt haben!

Der Wissenschaftliche Beirat von ZB MED hat gestern getagt und eine Stellungnahme verabschiedet. Inhaltlich baut diese Stellungnahme auf einer gemeinsamen Stellungnahme von MIFW und BMG auf – beide (noch) nicht veröffentlicht.

Die Vertreter des Ministerium für Innovation, Forschung und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen (MIFW) und des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) haben intensiv an einer Lösung gearbeitet. Ich denke, der Druck aus der Community hat da durchaus Wirkung gezeigt… Diese Lösung sieht vor, dass man den Entscheid der Leibniz Gemeinschaft nicht in Frage stellt, dass aber die Finanzierung zum Fortbestand der ZB MED als Informationsversorger in den Lebenswissenschaften sichergestellt wird.

Für die 3 Jahre nach 2016 soll es eine Übergangsfinanzierung geben (vermutlich unter dem Titel „Abwicklungsfinanzierung“). Diese Zeit will man nutzen, um die ZB MED unter neuer Leitung wirklich neu aufzustellen und den begonnenen Transformationsprozess umzusetzen. Längerfristiges Ziel ist die Wiederaufnahme in die ordentliche Bund-Länder-Finanzierung.

Zentral ist in diesem Prozess, dass die geplanten Professuren in Bonn (W2) und vor allem in Köln (W3, gleichzeitig neue Direktion der ZB MED) zusammen mit den Unis besetzt werden können. Die neue Leitung in Form einer W3-Professur ist entscheidend dafür, dass der Transformationsprozess umgesetzt werden kann. (Korrektur vom 23.5.: das Berufungsverfahren wurde nicht gestoppt)

Ich kann sagen, dass sich MIFW und BMG wirklich vorbildlich für den Erhalt der ZB MED einsetzen und einen viel versprechenden Weg gehen. Der Wissenschaftliche Beirat von ZB MED hat sich denn auch klar hinter dieses Vorgehen gestellt.

Nach dem Ausschuss der GWK wird sich einen Monat später auch die GWK als Gesamtkonferenz mit dem Thema befassen. Drücken wir die Daumen, dass sie dem Vorschlag von MIFW und BMG folgen!

Neuerscheinung: Innovationsmanagement in Bibliotheken

Was lange währt… Diese Woche ist die Publikation „Innovationsmanagement in Bibliotheken“ von Birgit Inken Fingerle und mir in der Reihe Praxiswissen bei De Gruyter erschienen. Ich danke meiner Kollegin herzlich für ihren grossen Beitrag ans Gelingen dieses Unterfangens. Es war sehr bereichernd sich über unsere Vorstellungen auszutauschen und gemeinsam umzusetzen. Ich kann von mir sagen, dass ich viel gelernt habe und mein Verständnis für das Thema sich vertieft hat. Im Laufe der Arbeit auch beim parallel laufenden Projekt Innovationsmonitor (siehe dazu den Beitrag in b.i.t.online) hat sich bei mir die Erkenntnis gefestigt, dass der Schlüssel zu Innovation bei der Unternehmenskultur und somit bei den Menschen in einer Institution liegt.

Unser Dankeschön geht auch an die Kolleginnen und Kollegen aus anderen Bibliotheken, die ihre Fallbeispiele beigesteuert haben. Sie machen das Werk so zu einem „lebendigen“ Praxisratgeber. Ihre Fallbeispiele zeigen auch, wie unterschiedlich Innovationsmanagement in der Praxis gestaltet werden kann, beziehungsweise aufgrund unterschiedlicher Voraussetzungen unterschiedlich gestaltet werden muss.

Nun liegt die Publikation also vor. Wer über eine so gut ausgestattete Bibliothek wie wir an der HTW Chur verfügt, kann sie ab sofort lesen. Eine Open Access-Publikation haben wir diskutiert, doch scheiterte dies an den zu hohen Kosten, die wir Autoren zusätzlich zur investierten Arbeit (d.h. Freizeit) hätten tragen müssen. So wird nächstens immerhin ein substantielles Kapitel frei zugänglich geschaltet. Zudem gibt es Arbeitsblätter zum kostenlosen Download auf der Produktseite zum Buch. Wir hoffen also, dass unser Werk auch als kommerzielles Produkt auf Ihr Interesse stösst!

Wer daran interessiert ist, das Buch für eine Fachzeitschrift zu rezensieren, kann sich gerne an uns Autoren wenden. Auch sonst freuen wir uns über ein Feedback!


Titelseite des E-Books im Format EPUB

#keepZBMED: Unterstützung aus aller Welt (update)

Update: Ich habe nun die Unterschriften (Stand: 21.4.) nach Postleitzahlen aufgeschlüsselt und den Bundesländern zugeordnet (so weit möglich). Dies ergibt nun ein differenzierteres Bild innerhalb Deutschlands. Es erstaunt nicht, dass mehr als die Hälfte aller UnterzeichnerInnen aus Nordrhein-Westfalen stammt.

Map_Unterzeichner.jpg

Die interaktive Karte kann auf Google Fusion Tables betrachtet (und vergrössert) werden. WordPress lässt das Einbetten der interaktiven Karte nicht zu.

Und weil es gerade so Spass gemacht hat, hier noch eine Heatmap der Herkunft der Unterschriften aus Deutschland:

heatmap.jpg

ursprünglicher Beitrag:

Hier eine Visualisierung der Herkunft der aktuellen 8000 Unterschriften (mittlerweile, Stand 21.4. um 19:30 sind es 8130 Unterzeichner) für die Petition #keepZBMED. Ich habe es mit Datawrapper versucht, aber die Publikation einer interaktiven Karte ist da kostenpflichtig. Für den zweiten Versuch habe ich Google Fusion Tables benutzt, und das hat dann eine erste Visualisierung ergeben:

Da die Einbettung in WordPress gerade nicht funktioniert, hier ein statisches Bild der Karte:
map

Wir können also festhalten, dass (natürlich) der grosse Schwerpunkt in Deutschland liegt (7300 von 8000), dass die Schweiz mit 158 Unterzeichnern folgt und dass Unterstützung aus allen Erdteilen kommt. Auch die Kommentare zeigen, dass man sich in vielen Ländern auf die Dienstleistungen von ZB MED für die medizinische Wissenschaft verlässt.

Und herzlichen Dank an die Unterstützung durch @herr_tu und @glaserti! An die Postleitzahlen habe ich mich noch nicht gewagt…

 

#keepZBMED: es geht weiter

Die offene Petition ist auf gutem Weg: Der aktuelle Stand (4.4. um 09 Uhr) beträgt 3722 Unterschriften. Unser Ziel besteht darin, anfangs Mai zuhanden der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz (für die Sitzung am 24.5.) mindestens 5000 Unterschriften einreichen zu können. Wer noch nicht unterschrieben hat, kann dies also noch bis zum 30.4. tun – und man kann auch Kolleginnen ermuntern, sich an der Petition zu beteiligen. Wichtig ist zum einen die Zahl der Unterschriften (je mehr desto besser). Besonders wertvoll sind zum andern Kommentare von Nutzerinnen und Nutzern von ZB MED, vor allem von Studierenden, Forschenden, Praktikerinnen und Praktikern aus den Bereichen Medizin und Life Sciences, die belegen, wie wichtig ZB MED für ihre Arbeit ist. Hier einige Beispiele für solche Kommentare:

ich als Arzt sowohl klinisch als auch wissenschaftlich tätig bin und direkt von dieser Institution profitiere. Ralf Felix Trauzeddel, Deutschland

Mehr Kommentare kann man direkt auf der Seite der Petition lesen – es lohnt sich!
Die Petition ist also eine Schiene. Wir hoffen, dass wir durch die Mobilisierung der Szene die immense Bedeutung von ZB MED für eine freie, offene Informationsversorgung in den Bereichen Medizin und Lebenswissenschaften belegen können. Gerade nach dem Entscheid von DIMDI, die Literaturversorgung einzustellen und diese an ZB MED zu übertragen, ist dies besonders wichtig. Mittlerweile hat auch die Presse das Thema aufgegriffen, so der Spiegel Online (Link zur Vorschau).
Und dann ist es besonders wichtig, dass sich Fachgesellschaften, Studierendenorganisationen, Verbände usw. mit offiziellen Stellungnahmen gegen die Einstellung der Förderung von ZB MED einsetzen. Sehr zuversichtlich stimmt mich hier, dass die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) eine Stellungnahme (auch via Medizin Aspekte) abgegeben hat und auch direkt intervenieren wird. Die AWMF als Dachorganisation lädt auch ihre Mitgliedsgesellschaften ein, aktiv zu werden. Aus der Veröffentlichung auf der Homepage der AWMF:
Die AWMF wird sich noch in einer ausführlicheren Stellungnahme direkt an die zuständigen Ministerien im Bund und in den Ländern wenden und ihnen empfehlen, der Empfehlung des Senats der Leibniz-Gemeinschaft zur Einstellung der Finanzierung von ZB MED nicht zu folgen. Wir wollen auch unsere Mitgliedsgesellschaften informieren mit der Bitte, selbst aktiv zu werden und damit deutlich zu machen, dass der Erhalt von ZB MED für alle wissenschaftlich und praktisch Tätigen im Bereich der Medizin essenziell wichtig ist.
Weiter unterstützt auch Infobroker aktiv die Rettung von ZB MED, unter anderem mit einer Kurzanleitung per Video, was man tun kann:

Und Doerte führt auf Bibliothekarisch die annotierte Linkliste zu #keepZBMED laufend weiter. Herzlichen Dank!

Also: nicht nachlassen! Helft mit, das Unterschriftenziel von 5000 bis Ende April zu erreichen!

Kann ZB MED gerettet werden? #keepzbmed

Update: Michael Klems von Infobroker hat ein Interview zu #keepZBMED mit mir geführt und als Podcast veröffentlicht.

Nach dem ersten Schock über den Beschluss des Senats der Leibniz-Gemeinschaft, der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zu empfehlen, ZB MED nicht mehr zu unterstützen, regt sich beträchtlicher Widerstand. Offizielle Gremien haben sich bereits mit Stellungnahmen geäussert, andere bereiten solche vor. Noch ist unklar, wie die Rettung gelingen kann und wer schliesslich für eine weitere finanzielle Förderung zuständig sein wird. Die von mir lancierte offene Petition erfährt regen Zuspruch – innerhalb der ersten drei Tage haben sie bereits über 1400 Personen mit unterschiedlichstem Hintergrund und aus zahlreichen Ländern unterzeichnet. Es sind BerufspraktikerInnen, Ärztinnen und Ärzte, Forschende, Studierende, BibliothekarInnen und Privatpersonen, die die Dienstleistungen von ZB MED für ihre Arbeit oder ihr Studium dringend benötigen. Es lohnt sich, die zahllosen Kommentare in der Petition zu lesen! Als Beispiel hier der Kommentar von Gerhard Hacker:

Der Senat der WGL hat hinsichtlich der ZB MED die positive Entwicklung dieser für die überregionale Informationsversorgung so wichtigen Infrastruktureinrichtung seit der letzten Evaluierung 2012 offenkundig nicht hinreichend zur Kenntnis genommen. Dies ist um so fataler, als die aktuelle Abwicklungsentscheidung nicht nur die Einschätzung der Fachgutachter zu großen Teilen konterkariert, sondern zugleich die künftige Versorgung der relevanten Disziplinen in Medizin und Lebenswissenschaften mit relevanter Fachinformation eklatant gefährdet, zumindest aber nachhaltig verschlechtern wird, wenn eine nationale Finanzierung nicht mehr existiert. Die künftigen Aufgaben werden mit einer Abwicklung von ZB MED nicht verschwinden. Wie sie bewältigt werden sollen, scheint dem Senat der WGL zweitrangig. Die Bund-Länder-finanzierte WGL ist angesichts der föderalen Struktur der Bundesrepublik die angemessene Umgebung für zentrale Informationsdienstleistungen für Wissenschaft und Forschung. Die Abgabe dieser Verantwortung kann nicht durch tatsächliche oder vermeintliche Defizite in der bisherigen Entwicklung von ZB MED gerechtfertigt werden. Die Senatsentscheidung bedarf daher dringend einer grundlegenden Revision und Korrektur durch die für die WGL politisch Verantwortlichen.

Zum zeitlichen Ablauf ist zu sagen, dass die GWK am 24. Mai tagen wird. Mit unserer Petition und den Stellungnahmen von Organisationen wird das Land NRW bei seinen Bemühungen um eine Weiterführung von ZB MED unterstützt. Der Fokus liegt momentan darin, die Stiftung ZB MED zu erhalten. Diese wurde ja erst Ende 2013 vom Land NRW mit einem Stiftungsgesetz gegründet – auf ausdrückliche Aufforderung der Leibniz-Gemeinschaft notabene. Interessant hierbei der im Gesetz formulierte Stiftungszweck:

§ 2
Stiftungszweck

(1) Zweck der Stiftung ist die überregionale Informations- und Literaturversorgung in den Fachgebieten Medizin, Gesundheitswesen, Ernährungs-, Umwelt- und Agrarwissenschaften sowie deren Grundlagenwissenschaften und Randgebieten zur Abdeckung des Bedarfs in Forschung, Lehre und Praxis. Die Stiftung hat hierbei insbesondere die Aufgabe der zielgruppenspezifischen Beschaffung, Erschließung, Archivierung und Bereitstellung von in- und ausländischer Literatur sowie von sonstigen analogen und digitalen Informationsmedien. Die Stiftung hat ferner die Aufgabe, Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Bereich der Informationswissenschaften gerade auch zur Weiterentwicklung der Informations- und Literaturversorgung durch die Stiftung durchzuführen.

(2) Zur Erfüllung ihres Stiftungszwecks kooperiert die Stiftung mit der Universität Köln sowie der Universität Bonn. Sie arbeitet auch mit anderen Institutionen der wissenschaftlichen Forschung und Informationsvermittlung in ihren Fachgebieten zusammen.

Exakt auf diesen Stiftungszweck hin hat sich ZB MED in den letzten Jahren konsequent ausgerichtet: Umstrukturierung (inkl. Stiftungsgründung und Positionierung als Informationszentrum für Life Sciences), neue Gesamtstrategie, neue Dienstleistungen, neue Schwerpunkte. Sie hat Livivo als Suchinstrument entwickelt, Publisso als viel beachtete Publikationsplattform lanciert, sich weiter für Open Access eingesetzt, plant die Weiterentwicklung der Zeitschriftenplattform GMS in Richtung einer offenen Alternative (wofür sich schon andere LIS-Zeitschriften interessieren) und und und.

Die Besetzung des neu geschaffenen Lehrstuhls an der Universität Köln wäre übrigens auf der Zielgeraden: man hätte dieser Tage mit der Nr. 1 auf der Liste der KandidatInnen die Verhandlungen aufgenommen. Dies wurde jetzt aufgrund des negativen Entscheids der Leibniz-Gemeinschaft gestoppt.

Ich bin als Optimist überzeugt, dass die Rettung von ZB MED gelingt, wenn sich möglichst viele Menschen und Organisationen gegen die geplante Schliessung von ZB MED als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung wehren. Garantien gibt es allerdings keine. Danke auch im Namen der Mitarbeitenden von ZB MED für eure Unterstützung!

 

Abwicklung der ZBMED beschlossen (update)

Update 3 vom 21.3.: Es gibt nun eine Online-Petition, die alle unterschreiben können! Setzt ein Zeichen!

Update vom 21.3.: Nach den ersten zustimmenden Äusserungen werde ich gemeinsam mit zmindest einigen Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats von ZB MED eine Eingabe an die GWK formulieren und einreichen. Parallel scheint es mir auch sinnvoll, eine offene Petition von NutzerInnen und Freunden von ZB MED vorzubereiten. Eventuell gibt es auch Support aus der Medizinischen Forschung, was natürlich am wichtigsten wäre. Ich habe ein Pad eröffnet, in dem ich den Entwurf für eine Petition zur Bearbeitung frei gegeben habe. Anschliessend würde ich dann eine Open Petition anlegen, die ihr alle unterzeichnen könnt. Wer macht mit?

https://pad.okfn.org/p/keepzbmed 

Ergänzung vom 19.3.: auf der Website der Leibniz-Gemeinschaft heisst es: „Diese Senatsstellungnahme dient der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz von Bund und Ländern (GWK) zur Überprüfung der Fördervoraussetzungen“. Meine vielleicht etwas naive Frage: kann man diese GWK noch umstimmen? Formal scheint das möglich. Dann schlage ich vor, dass wir gemeinsam die Stimme erheben und gegen den unsinnigen Entscheid protestieren. Ich bin schon mal sicher, dass der Vertreter von NRW auch gegen die Empfehlung ist. Immerhin hat man eigens ein Gesetz verabschiedet, um die Stiftungsgründung von ZB MED zu ermöglichen. Wie schätzt ihr das ein? 

Am 17.3. hat mich die Mitteilung erreicht, dass der Senat der Leibniz-Gemeinschaft die Empfehlung an Bund und Länder ausgesprochen habe, die Förderung von ZB MED zu beenden. Laut Aussage des Direktors Ulrich Korwitz beduetet dies, dass ZB MED bis spätestens in 31/2  Jahren „abgewickelt“ wird. Die offizielle Stellungnahme seitens ZB MED wurde am 18.3. auf ihrer Webseite veröffentlicht.

Ich war in verschiedenen Funktionen in die Arbeiten nach der Evaluierung 2012 involviert. Als Mitglied eines Expertengremiums begleitete ich den umfassenden Neuorganisations- und Strategieentwicklungsprozess. Und wie die Evaluatoren von 2015 war und bin ich beeindruckt von den erreichten Veränderungen. Eine Vorgabe des Senats konnte aber klar nicht erfüllt werden: die Ausrichtung auf Forschung, die Entwicklung einer Forschungsstrategie, die enge Zusammenarbeit mit Forschenden sowie die Mitwirkung bei studentischen wissenschaftlichen Arbeiten. ZB MED hat sich weiterhin als Bibliothek verstanden, die sich als überregionale Forschungsinfrastruktureinrichtung zu positionieren begann.

Ein Kollege aus der Schweiz meinte, dass ZB MED die Entwicklung verschlafen habe und er den Entscheid des Senats nachvollziehen könne. (Anmerkung, update: Der Kollege hat in diesem Sinn das Ergebnis der Evaluierung verstanden und wiedergegeben)

Ich sehe das etwas anders: die Vorgaben waren in der kurzen Zeit nicht zu erfüllen, und die Ausrichtung auf Forschung ist eigentlich Unsinn. Die fehlende Forschungsstrategie war denn auch das Hauptargument. Die Experten haben dringenden Nachholbedarf gesehen, haben aber die Weiterführung unterstützt. Mit diesen Argumenten könnte man wohl fast alle überregional ausgerichteten Bibliotheken abwickeln.

Es war unbestritten, dass Änderungen nötig sind, und sie wurden angegangen. Aber aus einem Traktor (mir fällt gerade kein passenderes Bild ein) macht man nicht so schnell ein Rennauto. Das hätte man dem neuen Direktor ins Pflichtenheft schreiben können, wie es die Evaluatoren gefordert haben. Was man seit der letzten Evaluation an Ressourcen aus heuiger Sicht sinnlos verbraten hat (nicht nur intern sondern auch in NRW bei der Stiftungsgründung inkl. neuem Gesetz und an der Uni bei der Ausschreibung und Beinahe-Besetzung der Professur) geht auf keine Kuhhaut. Und ich unterstelle, das die Meinungen schon lange gemacht waren. Das hätte man auch vor vier Jahren schon sagen können.

Ich sehe auch die Rolle der Expertengruppe sehr kritisch, welche die Evaluierung vorgenommen hat. Ihre Empfehlung wurde sehr einseitig zu Lasten von ZB MED ausgelegt. Ihre Aussagen dienen nun praktisch als Rechtfertigung für den Entscheid des Senats, was ich an ihrer Stelle höchst peinlich finden würde. Diesen Schuh würde ich mir als Mitglied einer Fachcommunity also nicht anziehen wollen.

Als Beirat von ZBMED bin ich empört! Und als Mitwirkender in Projekten von ZB MED versichere ich allen Mitarbeitenden mein Mitgefühl. Wenn ich etwas für euch tun kann, lasst es mich wissen!

Am 17.03.2016 um 23:13 schrieb Korwitz, Ulrich:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

es fällt mir sehr schwer, Ihnen das Folgende mitzuteilen, aber es muss sein:

Der Senat der Leibniz-Gemeinschaft hat soeben beschlossen, Bund und Ländern zu empfehlen, ZB MED ab 2017 nicht mehr gemeinsam zu fördern. ZB MED als von Bund und Ländern geförderte Einrichtung wird damit in spätestens 3 ½ Jahren abgewickelt werden.

Morgen ist die Pressemitteilung der Leibniz-Gemeinschaft verfügbar, in der Details stehen.

Die Entscheidung trifft alle 119 Kolleginnen und Kollegen in ZB MED schwer. Wir werden die Situation zusammen mit dem Ministerium in Ruhe analysieren und mögliche Konsequenzen betrachten. Der Abwicklungsprozess streckt sich bis mindestens Ende 2018, wahrscheinlich sogar bis Ende 2019 hin. Es wird Alternativen zum jetzigen Status geben.

Mit bestem Gruß

Korwitz

Forschungsvorhaben Bibliotheken und digitaler Wandel (Fortsetzung)

Vor ein paar Wochen habe ich die Idee zu einem Forschungsvorhaben zum Thema Bibliotheken und digitaler Wandel hier im Blog publiziert. Was ist seither passiert, und wo stehen wir bei diesem Projektvorhaben?

Im Pad haben sich einige an der Formulierung von Fragen und Themen beteiligt, herzlichen Dank dafür! Es lohnt sich bestimmt, sich die Einträge im Pad zu lesen! Ich entnehme dieser Diskussion folgendes:

  • besonders gross ist das Interesse im Kontext der Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken.
  • einige Fragen beziehen sich eher auf die Zukunft – das möchte ich aber bewusst nicht in die Fragestellung aufnehmen. Es soll um eine Analyse des IST-Zustands gehen, damit wir von gesichertem Wissen ausgehen können. Das ist das eigentliche Ziel des Vorhabens.
  • die Fokussierung auf digitalen Wandel greift zu kurz:  es geht um den Wandel insgesamt und darum zu zeigen, ob und wenn ja, wie sich die Bibliothekswelt in den letzten Jahren verändert hat. Es wird wichtig sein, diesen offenen und kritischen Blick zu wahren. Man kann natürlich Thesen und Hypothesen im Vorfeld formulieren, aber wir müssen offen sein für neue Erkenntnisse, auch wenn sie eventuell nicht unserem Interesse entsprechen. Wir haben gerade bei unserer Analyse der St. Galler Schulbibliotheken gesehen, wie wichtig dieses offene und unvoreingenommene Herangehen ist.
  • es lassen sich verschiedene Methoden kombinieren.
  • es gibt bestimmt Vorarbeiten, einzelne Studien und Berichte, die ausgewertet werden können, bzw. müssen.

Verschiedene Personen und Organisationen haben ihr Interesse an einer solchen Studie angemeldet: die Verbände DBV und BIS als mögliche Auftraggeber und Forschende aus Fachhochschulen als mögliche Forschungspartner.

Nächste Schritte:

Sammlung von Berichten und Analysen zum Thema

Ich habe dafür eine Zotero-Gruppe eingerichtet, in der Beiträge zum Thema Wandel in Bibliotheken gesammelt werden sollen. Es sind alle eingeladen, sich daran zu beteiligen. Just do it!

Publikation von Erfahrungsberichten

Ich möchte PraktikerInnen einladen, über die Erfahrungen in ihren Bibliotheken zu berichten und diese in der Informationspraxis zu veröffentlichen. Gefragt sind Beiträge zu neuen Strategien, zu Aktivitäten, neuen Dienstleistungen usw. Wir haben in der Informationspraxis verschiedene Rubriken, die sich gerade auch für Berichte aus der Praxis eignen. Natürlich sind auch Fachartikel willkommen.

Skizze des Forschungsvorhabens

Die im Pad erfassten Forschungsfragen sind noch nicht wirklich operationalisierbar. Ich werde mit interessierten Forschungspartnern diese Fragen konkretisieren und ein mögliches Vorgehen skizzieren. Mit dieser Projektskizze werden wir an die Verbände gelangen, um Möglichkeiten der Finanzierung zu klären. Auch hier ist Kreativität gefragt…

Das Thema bietet sich geradezu an, um die engagierte Community miteinzubeziehen. Mir schwebt ein Crowdsourcing-Ansatz vor, mit dem wir viele freiwillige ForscherInnen einbeziehen, die sich an der Forschungsarbeit beteiligen. Denkbar wäre, dass wir einen Leitfaden für Case Studies entwicklen, die dann vor Ort durch Freiwillige ausgeführt werden.

Mitmachen!

Wer sich in irgendeiner Form am Projekt beteiligen möchte, kann sich bei mir melden. Denkbar ist die aktive Mitarbeit bei der Literaturanalyse, bei der Formulierung der Projektskizze, bei der Publikation von Erfahrungsberichten und dann natürlich bei der Datenerhebung.

Ich sichere zu, dass jeder Beitrag entsprechend gewürdigt und in allfälligen Publikationen erwähnt werden wird.

 

Wie funktioniert Innovation in Bibliotheken?

Das Projekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken ist noch nicht ganz fertig, aber erste Ergebnisse liegen vor. Diese werde ich auf dem Deutschen Bibliothekskongress in Leipzig in einem Vortrag am frühen Montagmorgen präsentieren. Und zusätzlich haben wir für das b.i.t.online einen Bericht verfasst, der dann allerdings in der aktuellen Ausgabe nicht berücksichtigt wurde und erst im Heft 2 gedruckt erscheinen wird. Dafür wurde der Beitrag freundlicherweise bereits online veröffentlicht: http://www.b-i-t-online.de/heft/2016-02-nachrichtenbeitrag-mumenthaler.pdf 

Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan und Marco Balocco: Wie funktioniert Innovation in Bibliotheken? Bericht über das Schweizer Forschungsprojekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken. In: b.i.t.online 19 (2016) No.2.

Im Projekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken der Schweiz wird untersucht, wie Innovation in Bibliotheken funktioniert, wie sie organisiert ist, und wie hoch der Innovationsgrad von Bibliotheken ist. Dazu wird eine Methode für die Analyse entwickelt, die später in der Praxis eingesetzt werden soll. Das Projekt läuft noch bis Mitte April 2016. Vorläufige Ergebnisse können hier aber bereits präsentiert werden und sind auch auf dem 6. Bibliothekskongress in Leipzig im Sitzungsblock Innovation – Strategie – Wandel Thema eines Vortrags.

Ein Ergebnis des Projekts ist ein Modell zu den Faktoren für Innovation in Bibliotheken, das wir auf der Grundlage der Untersuchung und vertiefenden Workshops gebildet haben. Es zeigt, dass es um weit mehr geht, also bloss um eine geeignete Organisationsstruktur.Innovationsspider.001.jpeg

Modell der Faktoren der Innovation in Bibliotheken (eigene Darstellung)

Und ein weiteres zentrales Ergebnis ist der sogenannte Innovationsspider. Wir haben die oben genannten Faktoren auf Kriterien heruntergebrochen, die möglichst messbar oder objektivierbar sein sollen. Die Analyse der Schweizer Hochschulbibliotheken ergab einen Durchschnitt für die einzelnen Faktoren, mit dem nun die einzelne Bibliothek verglichen werden kann. Auf diese Weise soll zum einen das eigene Profil sichtbar werden, zum anderen möglicher Handlungsbedarf erkannt werden.

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Beispiel für Innovationsspider (eigene Darstellung)

Mehr dazu gibt es im Vortrag oder im Beitrag im b.i.t.online.