Forschungsvorhaben Bibliotheken und digitaler Wandel (Fortsetzung)

Vor ein paar Wochen habe ich die Idee zu einem Forschungsvorhaben zum Thema Bibliotheken und digitaler Wandel hier im Blog publiziert. Was ist seither passiert, und wo stehen wir bei diesem Projektvorhaben?

Im Pad haben sich einige an der Formulierung von Fragen und Themen beteiligt, herzlichen Dank dafür! Es lohnt sich bestimmt, sich die Einträge im Pad zu lesen! Ich entnehme dieser Diskussion folgendes:

  • besonders gross ist das Interesse im Kontext der Entwicklung Öffentlicher Bibliotheken.
  • einige Fragen beziehen sich eher auf die Zukunft – das möchte ich aber bewusst nicht in die Fragestellung aufnehmen. Es soll um eine Analyse des IST-Zustands gehen, damit wir von gesichertem Wissen ausgehen können. Das ist das eigentliche Ziel des Vorhabens.
  • die Fokussierung auf digitalen Wandel greift zu kurz:  es geht um den Wandel insgesamt und darum zu zeigen, ob und wenn ja, wie sich die Bibliothekswelt in den letzten Jahren verändert hat. Es wird wichtig sein, diesen offenen und kritischen Blick zu wahren. Man kann natürlich Thesen und Hypothesen im Vorfeld formulieren, aber wir müssen offen sein für neue Erkenntnisse, auch wenn sie eventuell nicht unserem Interesse entsprechen. Wir haben gerade bei unserer Analyse der St. Galler Schulbibliotheken gesehen, wie wichtig dieses offene und unvoreingenommene Herangehen ist.
  • es lassen sich verschiedene Methoden kombinieren.
  • es gibt bestimmt Vorarbeiten, einzelne Studien und Berichte, die ausgewertet werden können, bzw. müssen.

Verschiedene Personen und Organisationen haben ihr Interesse an einer solchen Studie angemeldet: die Verbände DBV und BIS als mögliche Auftraggeber und Forschende aus Fachhochschulen als mögliche Forschungspartner.

Nächste Schritte:

Sammlung von Berichten und Analysen zum Thema

Ich habe dafür eine Zotero-Gruppe eingerichtet, in der Beiträge zum Thema Wandel in Bibliotheken gesammelt werden sollen. Es sind alle eingeladen, sich daran zu beteiligen. Just do it!

Publikation von Erfahrungsberichten

Ich möchte PraktikerInnen einladen, über die Erfahrungen in ihren Bibliotheken zu berichten und diese in der Informationspraxis zu veröffentlichen. Gefragt sind Beiträge zu neuen Strategien, zu Aktivitäten, neuen Dienstleistungen usw. Wir haben in der Informationspraxis verschiedene Rubriken, die sich gerade auch für Berichte aus der Praxis eignen. Natürlich sind auch Fachartikel willkommen.

Skizze des Forschungsvorhabens

Die im Pad erfassten Forschungsfragen sind noch nicht wirklich operationalisierbar. Ich werde mit interessierten Forschungspartnern diese Fragen konkretisieren und ein mögliches Vorgehen skizzieren. Mit dieser Projektskizze werden wir an die Verbände gelangen, um Möglichkeiten der Finanzierung zu klären. Auch hier ist Kreativität gefragt…

Das Thema bietet sich geradezu an, um die engagierte Community miteinzubeziehen. Mir schwebt ein Crowdsourcing-Ansatz vor, mit dem wir viele freiwillige ForscherInnen einbeziehen, die sich an der Forschungsarbeit beteiligen. Denkbar wäre, dass wir einen Leitfaden für Case Studies entwicklen, die dann vor Ort durch Freiwillige ausgeführt werden.

Mitmachen!

Wer sich in irgendeiner Form am Projekt beteiligen möchte, kann sich bei mir melden. Denkbar ist die aktive Mitarbeit bei der Literaturanalyse, bei der Formulierung der Projektskizze, bei der Publikation von Erfahrungsberichten und dann natürlich bei der Datenerhebung.

Ich sichere zu, dass jeder Beitrag entsprechend gewürdigt und in allfälligen Publikationen erwähnt werden wird.

 

Wie funktioniert Innovation in Bibliotheken?

Das Projekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken ist noch nicht ganz fertig, aber erste Ergebnisse liegen vor. Diese werde ich auf dem Deutschen Bibliothekskongress in Leipzig in einem Vortrag am frühen Montagmorgen präsentieren. Und zusätzlich haben wir für das b.i.t.online einen Bericht verfasst, der dann allerdings in der aktuellen Ausgabe nicht berücksichtigt wurde und erst im Heft 2 gedruckt erscheinen wird. Dafür wurde der Beitrag freundlicherweise bereits online veröffentlicht: http://www.b-i-t-online.de/heft/2016-02-nachrichtenbeitrag-mumenthaler.pdf 

Rudolf Mumenthaler, Ekaterina Vardanyan und Marco Balocco: Wie funktioniert Innovation in Bibliotheken? Bericht über das Schweizer Forschungsprojekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken. In: b.i.t.online 19 (2016) No.2.

Im Projekt Innovationsmonitor für Wissenschaftliche Bibliotheken der Schweiz wird untersucht, wie Innovation in Bibliotheken funktioniert, wie sie organisiert ist, und wie hoch der Innovationsgrad von Bibliotheken ist. Dazu wird eine Methode für die Analyse entwickelt, die später in der Praxis eingesetzt werden soll. Das Projekt läuft noch bis Mitte April 2016. Vorläufige Ergebnisse können hier aber bereits präsentiert werden und sind auch auf dem 6. Bibliothekskongress in Leipzig im Sitzungsblock Innovation – Strategie – Wandel Thema eines Vortrags.

Ein Ergebnis des Projekts ist ein Modell zu den Faktoren für Innovation in Bibliotheken, das wir auf der Grundlage der Untersuchung und vertiefenden Workshops gebildet haben. Es zeigt, dass es um weit mehr geht, also bloss um eine geeignete Organisationsstruktur.Innovationsspider.001.jpeg

Modell der Faktoren der Innovation in Bibliotheken (eigene Darstellung)

Und ein weiteres zentrales Ergebnis ist der sogenannte Innovationsspider. Wir haben die oben genannten Faktoren auf Kriterien heruntergebrochen, die möglichst messbar oder objektivierbar sein sollen. Die Analyse der Schweizer Hochschulbibliotheken ergab einen Durchschnitt für die einzelnen Faktoren, mit dem nun die einzelne Bibliothek verglichen werden kann. Auf diese Weise soll zum einen das eigene Profil sichtbar werden, zum anderen möglicher Handlungsbedarf erkannt werden.

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Beispiel für Innovationsspider (eigene Darstellung)

Mehr dazu gibt es im Vortrag oder im Beitrag im b.i.t.online.

 

Bibliotheken und digitaler Wandel – Skizze für ein Forschungsprogramm

Teil 2: Skizze für ein Forschungsvorhaben

Ich werfe hier eine erste Skizze in die Runde für ein umfassendes Forschungsvorhaben. Ich finde, wir sollten die Grundlagen für eine seriöse wissenschaftliche Debatte schaffen.

Wie begegnen Bibliotheken dem digitalen Wandel? Wo stehen Bibliotheken angesichts sich verändernder Nutzeranforderungen und einem sich dynamisch entwickelnden Umfeld? Welche Massnahmen treffen Bibliotheken, um sich diesen Veränderungen anzupassen oder sie gar zu antizipieren? Wie sieht der Medienwandel in den einzelnen Bibliotheken aus? Weshalb nehmen Ausleih- und Besucherzahlen in bestimmten Bibliotheken zu und in anderen ab? Welche Strategien sind erfolgreich? Welche neuen Aufgabengebiete haben sich Bibliotheken erschlossen? Welche Dienstleistungen bieten Bibliotheken an, und wie werden sie von den NutzerInnen beansprucht? Welche Veränderungen gibt es intern? Welche Kooperationen gibt es? Weiterlesen „Bibliotheken und digitaler Wandel – Skizze für ein Forschungsprogramm“

Bibliotheken und digitaler Wandel – einige Fakten

Bibliotheken und digitaler Wandel (Teil 1) – einige Fakten

Die aktuelle Debatte zeigt, dass wir als Bibliothekscommunity und als Bibliothekswissenschaft schlecht aufgestellt sind. Wir haben Mühe, gegen offensichtlich falsche Äusserungen und plumpe Vorurteile zum aktuellen Stand des digitalen Wandels in Bibliotheken fundiert und sachlich zu argumentieren. Meine Aussagen sind bestimmt näher an der Wirklichkeit (finde ich…), aber eine wissenschaftlich überzeugende Argumentation sieht doch anders aus. Eigentlich müsste ich doch Fakten abrufen können, Studien zitieren können, die unmissverständlich solch absurde Behauptungen widerlegen würden. Aber ich kann nur einige Beispiele zitieren, die ein deutlich anderes Bild zeichnen. Die belegen, dass sich die Bibliothekslandschaft in Bewegung befindet, die zeigen, dass die Community die Probleme erkannt und die Herausforderungen angenommen haben. Weiterlesen „Bibliotheken und digitaler Wandel – einige Fakten“

Internet of Things – Gedanken zum Hype

Dank unseren Studierenden in der Vorlesung Aktuelle Trends in Bibliothekswissenschaft und -praxis durfte ich mich etwas intensiver mit der Thematik Internet of Things und dem möglichen Einsatz in Bibliotheken befassen. Zudem hatte ich Gelegenheit, der Präsentation von Projektarbeiten von Studierenden der Multi Media Productions an der HTW Chur zum Thema IoT zu verfolgen. Weiterlesen „Internet of Things – Gedanken zum Hype“

Trend und Herausforderung #13: Internet of Things und Bibliotheken

Das Internet of Things (IoT) hat es als im Zeithorizont 4-5 Jahre relevante Technologie für Bibliotheken in den Horizon Report 2014 Library Edition geschafft. Landläufig verbinden wir mit dem Konzept IoT den intelligenten Kühlschrank, der selber merkt, wenn die Milch leer oder das Datum abgelaufen ist und gleich im Online-Shop Nachschub bestellt. Doch was haben die vernetzten und intelligenten Dinge mit Bibliotheken zu tun? Das Konzept des IoT besteht darin, dass Objekte vernetzt werden und über eine IP-Adresse angesprochen werden können. In Bibliotheken kann dies bedeuten, dass Medien vernetzt werden, was sie mittels der RFID-Technologie schon an vielen Orten sind.

Illustration Internet of Things and Libraries - by OCLC
Illustration Internet of Things and Libraries – by OCLC

Ich erlaube mir, hier diese Illustration aus dem Artikel von OCLC zu Libraries and the Internet of Things zu zeigen.

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Trend und Herausforderung #12: Gaming in Bibliotheken

Gaming und Gamification behauptet sich seit rund zehn Jahren in der Liste der aktuellen Trends im Horizon Report Higher Education (vgl. dazu meinen Beitrag zum Horizon Report in LIBREAS). Gamification ist also eine Art „Geheimtipp“ – ein angekündigter Trend, der den Durchbruch noch nicht wirklich geschafft hat. Es gibt verschiedene Gründe dafür, dieses Thema als wichtig zu betrachten: Games haben sich als fester Bestandteil der Freizeitgestaltung von Jugendlichen etabliert und bilden einen bedeutsamen Wirtschaftsfaktor. Während viele Eltern und ErzieherInnen das Suchtpotential von Gaming kritisch betrachten, staunen andere über die enorme Motivationskraft von Spielen und über den Lernerfolg durch Spielen. Meistens meint man dies – der Erfolg des spielerischen Lernens -, wenn man über die Bedeutung von Gamification in anderen Bereichen spricht.

Nacht der Bibliothek in der Stadtbibliothek Elsdorf
Nacht der Bibliothek in der Stadtbibliothek Elsdorf

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Trend und Herausforderung #11: Makerspaces in Bibliotheken

Bei diesem Thema sehe ich die Herausforderung darin, das Konzept Makerspace als neues didaktisches Konzept zur Wissensvermittlung zu verstehen und auf die Bedürfnisse der eigenen Zielgruppe zu adaptieren. Ein Makerspace bedeutet nicht, einen Raum mit einem 3D-Drucker anzubieten oder Schulungen zu veranstalten. Makerspace bedeutet viel mehr einen Raum zu schaffen, der zum Experimentieren, Ausprobieren und Basteln einlädt. Inhaltlich können die Angebote vom Häkeln über Multimedia-Produktion, Roboterbauen bis hin zum 3D-Modellieren und Printen reichen.

Pete Prodoehl: Good Crowd at Milwaukee Makerspace
Pete Prodoehl: Good Crowd at Milwaukee Makerspace

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Trend und Herausforderung #10: Bibliothek als Raum

In die Ausgabe 2014 des Horizon Report Library Edition hat es das Thema neue Funktionen der Bibliothek als Raum nicht geschafft. Doch die in den vorangegangenen Beiträgen geschilderten Veränderungen wirken sich unmittelbar auch auf die Funktion und die Gestaltung des Raums der Bibliotheken aus. Oder anders herum lässt sich sagen, dass sich Bibliotheken im Raum neue Nutzungsformen erschliessen müssen, da sich die traditionellen Geschäftsbereiche und Nutzungsformen verändern.

Two students writing a project together at Hjørring library.  Photo by: Per Drustrup Larsen
Two students writing a project together at Hjørring library.
Photo by: Per Drustrup Larsen

Weiterlesen „Trend und Herausforderung #10: Bibliothek als Raum“

Trend und Herausforderung #8: alternative Suche

Das Problem ist seit einiger Zeit bekannt, das Rezept noch nicht gefunden: Den Bibliotheken ist eine wohl übermächtige Konkurrenz als wichtigste Informationsvermittler erwachsen. Mit Google Scholar bietet der Suchmaschinenriese auch eine spezifische Suche nach wissenschaftlichen Ressourcen an, Forschungs- und Austauschplattformen sind entstanden, auf denen WissenschaftlerInnen Informationen austauschen und sich vernetzen (z.B. ResearchGate oder Mendeley).

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