Trend und Herausforderung #13: Internet of Things und Bibliotheken

Das Internet of Things (IoT) hat es als im Zeithorizont 4-5 Jahre relevante Technologie für Bibliotheken in den Horizon Report 2014 Library Edition geschafft. Landläufig verbinden wir mit dem Konzept IoT den intelligenten Kühlschrank, der selber merkt, wenn die Milch leer oder das Datum abgelaufen ist und gleich im Online-Shop Nachschub bestellt. Doch was haben die vernetzten und intelligenten Dinge mit Bibliotheken zu tun? Das Konzept des IoT besteht darin, dass Objekte vernetzt werden und über eine IP-Adresse angesprochen werden können. In Bibliotheken kann dies bedeuten, dass Medien vernetzt werden, was sie mittels der RFID-Technologie schon an vielen Orten sind.

Illustration Internet of Things and Libraries - by OCLC
Illustration Internet of Things and Libraries – by OCLC

Ich erlaube mir, hier diese Illustration aus dem Artikel von OCLC zu Libraries and the Internet of Things zu zeigen.

Genutzt werden kann dies zur Inventarkontrolle, zur Kontrolle, ob die Medien richtig eingereiht sind – oder wie in der Bibliothek Sitterwerk in St. Gallen für die dynamische Ordnung. Nutzende können Bücher irgendwo in ein Regal stellen, das System merkt sich (via RFID) den aktuellen Standort und zeigt ihn auch entsprechend an. Dadurch entstehen stets neue Ordnungen, und man findet neben dem gesuchten Buch andere Bücher, die der Nutzer zuvor verwendet hat (so ungefähr…).

Oder im Materialarchiv, einem Kooperationsprojekt mehrerer Schweizer Institutionen (Archive, Hochschulen, Bibliotheken), können Metadaten zu den mit RFID ausgestatteten Objekten direkt am Bildschirm angezeigt werden, wenn sie auf eine entsprechende Stelle mit Empfänger gelegt werden. Diese zwei Beispiele geben eine Vorstellung möglicher Einsatzgebiete.

Ich sehe gerade in Verbindung mit Near Field Communication (diese Technologie hat es noch nicht in den Horizon Report geschafft…) weitere Anwendungsmöglichkeiten. Aber die Möglichkeiten von RFID sind diesbezüglich noch nicht ausgeschöpft.

OCLC hat sich in einer kürzlich erschienen Publikation dem Thema Internet of Things und Bibliotheken gewidmet (NextSpace No. 24 (2015): Libraries & the Internet of Things) und hat einige mögliche Anwendungsgebiete skizziert: Inventarkontrolle, mobile Bezahlung, Registrierung, Zugangskontrolle und Authentifizierung, Steuerung des Raumklimas, Navigation im Raum, Verfügbarkeit von Ressourcen (Medien, Räume), intelligente Bücher, Gaming, augmented Reality sowie assistive Technologie. Spannend finde ich hier die Indoor-Navigation und auch die Verfügbarkeit von Räumen und Arbeitsplätzen. Doch es bestehen auch Vorbehalte gegenüber der NFC-Technologie vor allem in Bezug auf Datensicherheit und Persönlichkeitsrechte. Bibliotheken müssen diese Bedenken ernst nehmen, damit sie ihre Glaubwürdigkeit durch unkontrolliertes Datensammeln nicht verspielen. Und noch ein Aspekt aus der Publikation von OCLC scheint mir wichtig: wenn wir heute die Möglichkeiten des Internet of Things diskutieren, gehen wir von einer jungen Technologie aus, die ihr Potential noch nicht ausgeschöpft hat. Da kann also noch einiges auf uns zukommen…

Autor: mrudolf

Professor for Library Science at HTW Chur (university of applied sciences), co-editor of Informationspraxis, co-principal investigator of the Horizon Report Library Edition, blogging on library topics - and also on mindful living (in German as Männerherz)

2 Kommentare zu „Trend und Herausforderung #13: Internet of Things und Bibliotheken“

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