Vortrag zur Zukunft von Bibliotheken

Ich war eingeladen, im Rahmen des Jubiläums Goethe-Universität 100 einen Vortrag zur Zukunft von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft an der Stadtbücherei Frankfurt a/M zu halten. Erfreulicherweise gelang das Vorhaben der OrganisatorInnen, Bibliothekarinnen und Bibliothekare der Universitätsbibliothek und der Stadtbücherei zusammen mit interessierten NutzerInnen für dieses Thema anzusprechen. Im Anschluss an den Vortrag entstand eine spannende Diskussion. Herzlichen Dank dafür an alle Teilnehmenden!

Es war ja nicht mein erster Vortrag zu diesem Themenkreis. Ich haber aber diesmal einen etwas anderen Zugang gewählt: Ich bin von den klassischen Bibliotheksaufgaben (Sammeln, Katalogisieren/Ordnen, Bereitstellen, Vermitteln) ausgegangen und habe versucht darzustellen, inwiefern die laufenden Entwicklungen diese bibliothekarischen Kernbereiche beeinflussen. Und der Einflüsse sind viele…

Ich möchte hier nur einige bemerkenswerte und meines Erachtens diskussionswürdige Aspekte erwähnen: Auch die klassischen Kernaufgaben müssen wieder überdacht und allenfalls neu interpretiert werden. So hat die Kernaufgabe „Sammeln“ sehr direkt mit dem Bestand zu tun. Da aber schon seit einiger Zeit die Abkehr vom Bestand hin zum Angebot postuliert wird (also nicht der Besitz von Information ist entscheidend, sondern dass die Information vermittelt wird), wird man auch die Tätigkeit des Sammelns neu definieren müssen. Der Aspekt des Selektierens relevanter Information (sei es als Grundlage für die Indexierung in einer Suchmaschine, sei es bei der Auswahl freier Inhalte) tritt zusehends in den Vordergrund. Beim Katalogisieren sind es die Bewegungen zum zentralisierten Katalog, bzw. dem Katalog in der Cloud, und die Möglichkeiten von Linked Open Data, die grosse Veränderungen in der Bibliotheksarbeit bedeuten dürften. Bei der Bereitstellung von Information werden Bibliotheken durch die verminderte Zugänglicheit elektronischer Ressourcen vor grosse Herausforderungen gestellt. Und der Vermittlung kommt ohnhin eine immer grössere Bedeutung zu. Gerade auch bei den elektronischen Medien stellt sich die Frage, wie diese für die Nutzer im physischen Raum sichtbar gemacht werden können.

Den neuen Anforderungen an den Bibliotheksraum ist der zweite Teil des Vortrags gewidmet. Hier stellt sich für viele Bibliotheken die Frage, wie unter Spardruck die für die neuen Aufgaben – von Makerspaces bis zu Veranstaltungen, von Leselounges und Cafés bis zu Gruppenarbeitsplätzen – notwendigen Räume bereitgestellt werden können. Und bei Um- und Neubauten haben Bibliothekarinnen und Bibliothekare noch zu oft keinen Einfluss auf die Gestaltung der Räume. Gerade die für die unterschiedlichen Nutzungsformen und das daraus abgleitete Konzept der Zonierung von Bibliotheken stellen hohe Anforderungen an die Akustik der Räumlichkeiten.

 

Autor: mrudolf

Professor for Library Science at HTW Chur (university of applied sciences), co-editor of Informationspraxis, co-principal investigator of the Horizon Report Library Edition, blogging on library topics - and also on mindful living (in German as Männerherz)

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