Auf dem Weg zu neuer Kooperation: das Projekt SLSP

Heute fand in Bern die Auftaktveranstaltung zum ambitionierten Projekt Swiss Library Service Platform (SLSP) statt. Ich schätze dieses Projekts als wegweisend ein für die künftige Form der Zusammenarbeit der Schweizer Wissenschaftlichen Bibliotheken. Es geht dabei nicht nur um eine zukunftsträchtige technische Lösung, sondern auch um die Gestaltung und Organisation künftiger gemeinsamer Dienstleistungen. In der ersten, vom SUK-Programm 2013-2016 P-2 «Wissenschaftliche Information: Zugang, Verarbeitung und Speicherung» (mit)finanzierte Phase geht es um die Konzeption einer tragfähigen Lösung.

Ich zitiere aus dem Abstract zum genehmigten Projektantrag:

Die Projektpartner teilen die gemeinsame Vision einer nationalen Plattform, die auf Basis einer zeitgemässen IT-Lösung zu definierende Services für Partner zentral zur Verfügung stellt. Die Plattform soll bibliothekarische Routinearbeiten gebündelt und zentral an einer Stelle ausführen, um die einzelnen Bibliotheken zu entlasten. Die Plattform soll sich auf nationaler Ebene um die Pflege von Metadaten, das Festlegen von gemeinsamen Standards, Koordination des Bibliothekssystems, den Austausch auf internationaler Ebene und viele weitere technische und organisatorische Aufgaben kümmern.

Die Kunst wird sein, unter Berücksichtigung aller Anspruchgruppen und insbesondere auch der Sprachregionen eine breit abgestütze Lösung zu finden, und dies in kurzer Zeit. Die Auftaktveranstaltung mit der Vertretung vieler deutsch- und französischsprachiger Hochschulbibliotheken zeigt, dass die breite Abstützung gut aufgegleist ist. Neben den Deutschschweizer IDS-Verbünden ist auch der Westschweizer Verbund RERO in das Projekt eingebunden. Dieser ist durch den Austritt des Kanton Waadt und damit des grössten Beitragsleisters in Zugzwang geraten, ein neues Modell zu finden. Bei der Zusammenarbeit im Rahmen von SLSP ist zu berücksichtigen, dass in RERO unterschiedliche Bibliothekstypen (also auch Öffentliche Bibliotheken) vertreten sind, wogegen in den IDS-Verbünden nur Wissenschaftliche Bibliotheken zusammengeschlossen sind. An der Auftaktveranstaltung hat Martin Kasser, der Präsident der Task Force RERO 2017 berichtet, welche Szenarien evaluiert wurden. Der Bericht wird am 17.9. von den zuständigen kantonalen Behörden behandelt und danach veröffentlicht. Offen scheint mir in diesem Kontext auch noch zu sein, inwiefern in der Deutschschweiz Wissenschaftliche Bibliotheken einbezogen werden, die nicht im IDS vertreten sind, vor allem die nicht universitären Kantonsbibliotheken. Von diesen sind einige als Mitglieder des Sounding Board in die Projektorganisation eingebunden.

Ob man sich in der stark föderalen Schweiz mit einer zentralen Lösung anfreunden kann, wird die Konzeptionsphase weisen. Eine weitere Herausforderung wird darin bestehen, dass die Beteiligten bereit sein müssen, Ressourcen an eine zentrale Stelle abzugeben.

Mit dem Projekt SLSP (die Abkürzung sollte man sich merken…) betreten die Schweizer Wissenschaftlichen Bibliotheken einen neuen und spannenden Weg. Sie gehen die Herausforderung der neuen Form von Kooperation (wie ich sie im Blog schon beschrieben habe) aktiv an. Ich freue mich, sie auf diesem Weg als Mitglied des Sounding Board (quasi dem Beirat) begleiten zu dürfen.

Autor: mrudolf

Professor for Library Science at HTW Chur (university of applied sciences), co-editor of Informationspraxis, co-principal investigator of the Horizon Report Library Edition, blogging on library topics - and also on mindful living (in German as Männerherz)

4 Kommentare zu „Auf dem Weg zu neuer Kooperation: das Projekt SLSP“

    1. Also, ich bin ja „nur“ im Beirat (Sounding Board). Im Projekt geht es um eine Machbarkeitsstudie bezüglich technischer Lösung und künftiger Struktur der Zusammenarbeit. Es wird erst in einer allfälligen Umsetzungsphase entschieden, wie und mit welchem technischen Partner dies geschieht.

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