Thoughts on the future of libraries

Full title: Thoughts on the future of scientific information infrastructure institutions (formerly known as „Libraries“)

In my keynote at ASpB Conference 2013 in Kiel, I’ve been thinking about the future of libraries – based on the recently published 10 theses on the future profile of scientific information infrastructure institutions by Klaus Tochtermann. I published my main thoughts here in my blog some months ago, and I decided to translate them for my English speaking audience.

Weiterlesen „Thoughts on the future of libraries“

Haben Bibliotheken KundInnen?

I did it again! Ich habe in meinem Beitrag über „Innovation nicht nur in grossen Bibliotheken“ von „Bibliothekskunden“ gesprochen. Ein Kollege äusserte sich dann auf Twitter, er sei von mir „enttäuscht“. Wie er das wohl gemeint hat? Ich hatte auch schon intensive Diskussionen mit meinem Bürokollegen. Er spricht konsequent von Nutzerinnen und Nutzern, ich habe zu Beginn konsequent von Kunden (ja, auch von Kundinnen) gesprochen und tendiere mittlerweile zu beiden Varianten – ja nach Kontext. Weiterlesen „Haben Bibliotheken KundInnen?“

Innovation nicht nur in grossen Bibliotheken

Die Kolumne für die Zukunftswerkstatt im Bibliotheksdienst ist einem Thema gewidmet, mit dem ich mich seit einiger Zeit befasse: Welche Möglichkeiten haben gerade kleinere Bibliotheken, um erfolgreiche Innovationen zu realisieren? Innovationsmanagement ist ja eher etwas für grosse Bibliotheken und Organisationen mit einer bestimmten Komplexität. Hier ist es wichtig, Verantwortlichkeiten zu definieren, den Innovationsprozess festzulegen, für ein Ideenmanagement zu sorgen und die Umsetzung der Ideen zu begleiten bis zur erfolgreichen Markteinführung. Ich denke, dass sich die meisten Grundsätze des Innovationsmanagements auch in kleineren Institutionen umsetzen lassen. Nicht in Form eines ausgefahrenen Managements, sondern mit Hilfe einfacher Methoden und vor allem mit der Bereitschaft und Offenheit, etwas zu bewegen.

Wichtig scheinen mir folgende Grundsätze:

  • den Mitarbeitenden Freiraum geben für die Entwicklung von Ideen
  • den NutzerInnen zuhören und ihren Input für neue oder verbesserte Dienstleistungen aufnehmen – dies kann auch in Form einer Beschwerde geäussert werden
  • neue Ideen (von Mitarbeitenden und von NutzerInnen) regelmässig besprechen
  • auf der Grundlage von vordefinierten Kriterien über die Umsetzung oder Weiterverfolgung der Ideen entscheiden
  • die Entscheide transparent kommunizieren (dies kann auch mündlich in der Teamsitzung erfolgen)
  • eine Innovationskultur pflegen, indem die Leitung die Mitarbeitenden ermutigt, neue Ideen zu äussern und mal etwas Neues auszuprobieren
  • eine Fehlerkultur pflegen, indem auch ein gescheitertes oder bewusst abgebrochenes Projekt als wichtige Erfahrung gewertet wird, aus der man als Organisation lernen kann
  • eine Kultur der Beta-Versionen pflegen: auch unfertige, noch nicht perfektionierte Entwürfe, Versuche oder Prototypen sollen den NutzerInnen zum Ausprobieren vorgelegt werden.

Innovation auch für kleinere Bibliotheken? Ich kann die Frage bejahen – entscheidend scheint mir die Bereitschaft, alte Wege zu verlassen, offen zu sein für Neues und sowohl Mitarbeitende wie auch Kunden in die Entwicklung mit einzubeziehen.

mehr von mir zum Thema:

 

E-Books in Wissenschaftlichen Bibliotheken

Im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung des VDB an der TIB Hannover habe ich einen aktualisierten Vortrag zum Thema E-Books in Wissenschaftlichen Bibliotheken gehalten. Was hat sich verändert seit dem letzten Jahr?

Aktuell konnte ich auf eine Studie der BITKOM zur Nutzung von E-Books 2013 in Deutschland zurückgreifen (http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64018_77541.aspx). Hauptaussage: 21% aller Bundesbürger nutzen E-Books. Das ist eine Steigerung von fast 100% gegenüber der Umfrage von 2012! Zusammen mit den Zahlen aus der E-Book Marktstudie des Börsenvereins, dass E-Books mittlerweile gegen 10% Anteil am deutschen Buchmarkt haben, sind das markante Veränderungen. Sie belegen, dass die E-Books mittlerweile auch im deutschen Sprachraum angekommen sind.

Spannend auch die Zahl aus der BITKOM-Studie, wonach (immerhin) 17% der Bundesbürger E-Books auch über Öffentliche Bibliotheken beziehen.

Der Hauptteil des Vortrags behandelt die Herausforderungen für Bibliotheken in den (bisherigen) Kernbereichen Erwerbung, Katalogisierung, Bereitstellung und Vermittlung. Hier möchte ich das Thema der Integration von Open E-Books ansprechen. In der Diskussion wurde gefragt, ob eine Plattform wie die EZB oder DBIS für (open) E-Books deren Integration in Bibliothekskataloge fördern würde. Ich denke, ja. Es braucht wohl einen vertrauenswürdigen Aggregator der Open E-Books, der diese sammelt, aufbereitet und über standardisierte Schnittstellen bereitstellt. Wir haben an der HTW Chur am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft ein Projekt in Planung, das genau in diese Richtung geht. Aktuell führen wir einen Projektkurs mit Studierenden zum Thema Open E-Books Plattform durch, und ein Antrag für ein KTI-Projekt ist in Vorbereitung.

Und ich habe noch auf meinen „Wettbewerb“ verwiesen: ich habe per Twitter gefragt, welche Bibliothek als erste das neue (open) E-Book von Michael Stephens „The Transparent Library“ in ihrem Katalog nachweist. Die Wette gilt – wer gewinnt?

Open E-Books in Bibliotheken

Im neusten Heft des Bibliotheksdienst habe ich für die Kolumne der Zukunftswerkstatt einen Beitrag unter dem Titel „Verzweifelt gesucht – Open E-Books in Bibliotheken“ veröffentlicht. Es freut mich, dass der Artikel unter Open Access publiziert wurde und somit für alle öffentlich zugänglich ist!

Und hier geht es zum Beitrag: 10.1515/bd-2014-0024

Teilstrategien zum SUK-Programm Scientific Information als Entwurf veröffentlicht

Im Auftrag der Rektorenkonferenz der Schweizer Universitäten laufen zur Zeit die Arbeiten für das SUK-Programm 2013-2016 P-2 „Wissenschaftliche Information: Zugang, Verarbeitung und Speicherung„. Bis Mitte Oktober haben sieben Gruppen Teilstrategien für Handlungsfelder erarbeitet, die zuvor in einem Grundlagenpapier von IBM Consulting definiert worden waren (IBM Consulting, „Grundlagen zur Strategie“ (deutsch / französisch / englisch)). In diesem Grundlagenpapier wurden künftige nationale Services sowie Funktionsblöcke definiert. Zu den aufgeführten sechs Funktionsblöcken (plus zum Handlungsfeld Nationale Organisation) sollten dann von Expertengruppen Teilstrategien entwickelt werden. Ich war mit Christian Fuhrer von der HBZ Zürich Leiter des Teilprojekts E-Publishing. In diesem Block waren die meisten bibliotheksbezogenen Themen enthalten, wie Open Access, Digitalisierung, Lizenzierung wissenschaftlicher Informationsressourcen (Stichwort Nationallizenzen). Wobei unklar war, wie und wo die Bibliotheken in diesem Programm überhaupt angesprochen werden. Es zeigte sich, dass die Schweizer Hochschulbibliotheken schlecht vorbereitet sind für ein nationales Programm, das eine nationale Forschungsinfrastruktur aufbauen oder fördern will. Es gibt eigentlich nur das Konsortium der Schweizer Hochschulbibliotheken, das einen wirklich nationalen Charakter und Auftrag hat. Ansonsten gibt es die Zusammenarbeit in Bibliotheksverbünden und in einigen Projekten aus dem Förderprogramm E-lib.ch, wie z.B. E-Rara, Retro Seals oder E-Codices. Entsprechend haben wir jetzt in der Teilstrategie E-Publishing eine nationale Organisation der Hochschulbibliotheken gefordert, die für die Erbringung nationaler Dienstleistungen für die Forschung und für die Koordination nationaler Aufgaben zuständig sein soll. Weitere Vorschläge: Einrichtung eines Open Access Publikationsfonds, Einrichten eines Fonds für Digitalisierungsprojekte (plus Weiterführung laufender Projekte aus dem E-Lib-Programm), Einrichtung eines Metadatenpools und Publikation als LOD, Einrichtung von Schnittstellen und Definition von Standards für Repositorien, Beschaffung von Nationallizenzen und vieles mehr.

Aber es gilt zu beachten, dass diese Teilstrategien nur die Vorschläge der Experten wiedergeben, und noch nicht vom Lenkungsausschuss verabschiedet worden sind. Die Teilstrategien werden jetzt von der Programmleitung zu einem White Paper verarbeitet, das dann die Grundlage für Projektausschreibungen sein soll. Dies wäre eigentlich bis anfangs November vorgesehen gewesen, doch hat es der Lenkungsausschuss nicht geschafft, die (erwartungsgemäss) sehr komplexen Anforderungen aus den Teilstrategien zu priorisieren und das Strategiepapier abzunehmen. Somit verzögert sich auch die für November geplante Projektausschreibung um noch unbestimmte Zeit. So bietet sich jetzt Gelegenheit, um diese Teilstrategien zu diskutieren…

Und hier sind die Teilstrategien von sechs Handlungsfeldern (sie werden von der Website der CRUS aus verlinkt):

Wer sich die Mühe macht, die in den Teilstrategien vorgeschlagenen Action Items auf ihren Finanzierungsbedarf anzusehen, wird feststellen, dass deutlich mehr Mittel nötig wären, als die von der SUK gesprochenen rund 37 Mio. Franken. Die Auswahl und Priorisierung ist denn auch eine grosse Herausforderung. Es werden also bestimmt nur wenige der vorgeschlagenen Action Items auch als Projekte ausgeschrieben. Über das weitere Vorgehen und den revidierten Zeitplan wird auf der Webseite der CRUS informiert.

Gedanken zur Zukunft wissenschaftlicher Informationsinfrastruktureinrichtungen (vormals „Bibliotheken“)

In der Keynote zur ASpB-Tagung 2013 in Kiel habe ich mir Gedanken zur Zukunft von Bibliotheken gemacht – in Anlehnung an die kurz zuvor erschienenen 10 Thesen zum zukünftigen Profil von wissenschaftlichen Informationsinfrastruktureinrichtungen von Klaus Tochtermann in Thesenform und mit der Bezeichnung „wissenschaftliche Informationsinfrastruktureinrichtungen“ für das, was man bisher Bibliotheken nannte. In der Diskussion nach dem Vortrag zeigte sich, dass einigen der Thesen mit „das tun wir doch schon lange“ begegnet wurde. Dazu eingangs noch einige Bemerkungen. Natürlich diskutiert man (gerade im deutschen Bibliothekswesen) schon länger von einer notwendigen verstärkten Kooperation. Und klar wissen Bibliotheken schon lange, dass man sich an den Kunden orientieren muss. Aber was ich bei diesen Punkten meine, sind wirklich neue Formen der Kooperation. Die aktuelle Diskussion um den DFG-Antrag Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheksdaten zeigt etwa in diese Richtung. Und wenn ich von zielgruppenspezifischen Dienstleistungen spreche, meine ich, dass es nicht mehr genügt, die Wünsche der aktuellen Nutzerinnen und Nutzer zu kennen und „nach Möglichkeit“ zu berücksichtigen. Es geht hier auch darum, NichtnutzerInnen und ihre Gründe für die Nichtnutzung der Bibliothek zu kennen und die Arbeitsweisen und Bedarfe der potentiellen Kunden zu kennen. Und dann entsprechende Dienstleistungen anzubieten oder zu entwickeln. Kurz: wer jetzt sagt, „aber das tun wir doch alles schon lange“, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Wohin führt die Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken? Zu dieser Frage habe ich 8 Thesen aufgestellt:

1. Externe Entwicklungen bestimmen die Zukunft von Bibliotheken massgeblich

In Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Technologie finden radikale Umwälzungen statt, auf die Bibliotheken keinen Einfluss nehmen können. Diese Entwicklungen definieren jedoch die Rahmenbedingungen für Bibliotheken massgeblich. Es gilt, dies als Tatsache zu akzeptieren und zu analysieren, worin dabei die Risiken und Chancen bestehen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit  können folgende Trends genannt werden:

  • Ebene Gesellschaft: Mobilität, Medienkonsum, Informationsnutzung
  • Ebene Politik: Recht (Datenschutz, Urheberrecht); Finanzen, Forderung nach Effizienz, professionellem Management, Return on Invest (ROI)
  • Ebene Wissenschaft: Publikation, Ranking, Impact; Zugang zu und Nutzung von Information, Mobilität, Interdisziplinarität, Internationalisierung, Kommunikation, Kollaboration
  • Ebene Technologie: Cloud Computing, mobile Nutzung, Web 2.0, Semantic Web inkl. LOD, Suchmaschinen, Speicher, Digitale Identität, NFC, Wearable Devices, 3D-Printing etc.

Was bedeutet dies nun für Bibliotheken?

2. Elektronische Informationsdienstleistungen werden überregional/national/ international erbracht

IT-basierte Dienste sind nicht nur in der Nutzung sondern auch in der Erbringung ortsunabhängig. Bedingt durch die Internationalisierung der Forschung und die Mobilität der Forschenden sind nicht lokale sondern nationale Dienstleistungen gefragt. Bei einem Wechsel der Hochschule verlieren Forschende und Studierende heute noch zu oft den Zugang zu (elektronischen) Ressourcen, die sie bisher für ihre Arbeit nutzten. Die Nähe oder Distanz zum Anbieter eines elektronischen Service spielt dabei keine Rolle. Dies gilt auch für den Zugriff auf E-Ressourcen: weg von Hochschullizenzen hin zu Nationallizenzen und Open Access. In der Lehre strebt man ein sog. e-Portfolio an, damit elektronische Studienunterlagen langfristig nutzbar bleiben. Grundlage dafür ist ein hochschulübergreifendes Identitätsmanagement, an das sich auch Bibliotheken mit ihrer Nutzerverwaltung anschliessen werden.

3. Bibliotheken bündeln ihre Kräfte: Konzentration, Kooperation

Einzelne Bibliotheken sind durch die hochkomplexen technischen Lösungen tendenziell überfordert. Heute versuchen jedoch immer noch viele Bibliotheken auf möglichst vielen Gebieten Schritt zu halten und bieten lokal oft eine breite Palette von Diensten an. Diese entsprechen dann zu oft nicht dem State of the Art, wie die Nutzer ihn von kommerziellen Anbietern kennen – und von der Bibliothek erwarten. Die Politik ist jedoch nicht länger bereit, die heutigen Doppelspurigkeiten zu finanzieren (wobei hier z.T. ein Widerspruch zu den Interessen der lokalen Trägerschaft der Bibliotheken, den Universitäten, besteht). Dieser Wille zur Zentralisierung zeigt sich z.B. in den Empfehlungen und Ausschreibungen des Wissenschaftsrats (http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10463-11.pdf) oder der Schweizer Universitätsrektorenkonferenz (Programm Wissenschaftliche Information, http://www.crus.ch/information-programme/projekte-programme/suk-programm-2013-2016-p-2-wissenschaftliche-information-zugang-verarbeitung-und-speicherung.html) . Ziel dieses Programms ist der Aufbau von nationalen Services im Bereich der wissenschaftlichen Informationsinfrastruktur. Bibliotheken tun sich mit diesem Anspruch noch schwer. Aber diese künftigen Informationsinfrastrukturdienstleister müssen nicht zwingend Bibliotheken sein. Bibliotheken müssen enger als bisher kooperieren, um die Rolle des Anbieters von nationalen Services übernehmen zu können. Ich denke dabei an die Bildung von Kompetenzzentren und Konsortien, an die Kompetenzen und Ressourcen abgetreten werden. Gleichzeitig werden sich Bibliotheken auf diejenigen Services fokussieren, die sie besser als andere erbringen können. Und die übrigen Services von Kompetenzzentren, Konsortien oder kommerziellen Anbietern beziehen. Die dafür notwendige Aufteilung der Ressourcen wird in föderalen Strukturen jedoch nicht einfach sein.

4. Bibliothek als Raum löst sich von den e-Services

Die Funktion der Bibliothek als Erbringer von e-Services für die Wissenschaft löst sich von derjenigen als Ort des Lernens, Studierens und Forschens. Beides ist wichtig, doch besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen den beiden Arten von Dienstleistungen. Die Rolle der Bibliothek als (Dritter) Ort wird angesichts der Virtualisierung und Digitalisierung weiterhin von grosser Bedeutung sein: Es braucht Lern- und Arbeitsplätze, Orte zum Verweilen und für sozialen Austausch sowie Dienstleistungen vor Ort für Forschende, Studierende und Lehrende, wie z.B. Beratung oder Angebote im Bereich Information Literacy. Hierzu gehören auch neue Rollen und Aufgaben für Bibliothekarinnen und Bibliothekare, wie sie z.B. von embedded librarians übernommen werden.

Zudem werden weiterhin einige e-Services lokal erbracht. Ich denke dabei an zielgruppenspezifische Anpassungen und Personalisierungen der zentral angebotenen Dienste (vgl. Punkt 8.). Ebenfalls auf lokale Bestände baut die Digitalisierung. Hier tritt die Bibliothek als Content Provider in Aktion. Es ist entscheidend, dass die digitalisierten Inhalte über offene Schnittstellen bereitgestellt werden, damit sie über Portale gefunden und genutzt werden können.

5. Services richten sich an Fachgebieten aus

Die wissenschaftlichen Informationsdienstleistungen richten sich nach Fachgebieten und nicht nach einzelnen Hochschulen aus. Je nach Fachgebiet bestehen sehr unterschiedliche Arbeitsmethoden und Informationsbedarfe. Forschende einer Fachrichtung haben mehr Gemeinsamkeiten als Forschende einer Hochschule. Deshalb ist es sinnvoller, die Angebote nach den Bedürfnissen der Forschenden einer Fachrichtung auszurichten. Bibliotheken werden entsprechend fachspezifische Dienste entwickeln und betreiben und sich spezialisieren, wie sich dies bei den Virtuellen Forschungsumgebungen zeigt.

6. Bibliotheken stehen in Konkurrenz zu kommerziellen Informationsdienstleistern

Nicht nur Bibliotheken, auch kommerzielle Anbieter (Verlage, Aggregatoren) wollen Forschenden komplette Informationsdienstleistungen anbieten. Bereits heute gibt es entsprechende Angebote kommerzieller Dienstleister als interaktive Forschungsplattformen, zur Publikation auch von Forschungsdaten und zur Vernetzung von Forschungsinhalten (z.B. SpringerLink). Allerdings sind diese Plattformen jeweils auf die eigenen Verlagsprodukte beschränkt. Bibliotheken könnten hier dem Wunsch von Forschenden entsprechend verlagsübergreifende Plattformen entwickeln und anbieten. Wobei hier auch schon die grossen Datenbanken (Web of Science, Scopus) aktiv sind. Und zur Entwicklung einer konkurrenzfähigen Plattform müssten wohl die Kräfte gebündelt werden.

7. Bibliotheken erweitern ihren Sammlungs- und Vermittlungsauftrag

Die Grenzen von Publikationsformen verschwimmen. Die Bibliotheken sind heute jedoch noch stark auf Monografien, Zeitschriftenbände und den Nachweis im OPAC fokussiert. Bibliotheken werden einzelne Artikel (wie z.B. im Wissensportal der ETH-Bibliothek), primäre Forschungsdaten (wie z.B. in OpenAIRE) und Mikro-Publikationen erschliessen und verfügbar machen. Diese Inhalte werden mittels semantischer Verfahren miteinander vernetzt und über Portale nutzbar gemacht.

8. Bibliotheken bieten personalisierte Dienste an

Bibliotheken kennen ihre Zielgruppen und deren Informationsbedarfe. Sie adaptieren zentral bereitgestellte Services so, dass sie den Bedürfnissen und Wünschen ihrer NutzerInnen entsprechen. Dabei ist die Kunden- bzw. Nutzerorientierung eine Grundlage. Sie sollte jedoch auf die Zielgruppen und somit auch auf die potentiellen NutzerInnen und die Nicht-NutzerInnen erweitert werden. Entsprechend werden nicht nur Kunden und ihre Zufriedenheit erfragt, sondern das Informationsnutzungsverhalten der Zielgruppen untersucht.

Fazit

Bibliotheken haben sich (zu) lange mit sich selbst und ihrer eigenen Welt beschäftigt. Doch das Umfeld verändert sich radikal. Entsprechend sind radikale Innovationen und Veränderungen gefragt. Bibliotheken fokussieren sich, konzentrieren sich auf ihre Stärken und kooperieren eng miteinander. Bibliotheken richten sich an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen aus und bieten lokal attraktive Dienste an, die auf überregionalen/nationalen Services basieren.

Open E-Books in Libraries at #OAI8

Last week I attended the CERN workshop on innovation in scholarly communication (#OAI8) in Geneva. There were a lot of interesting talks and discussions. In more than one session we talked about open access models for e-books. Rupert Gatti from  www.openbookpublishers.com explained his business model and reported about his experience with open access e-books. By the way, it reminded me of Andreas von Guntens model with buch & netz, a small Swiss company that publishes e-books under a Creative Commons licence, that are freely available (as web publication) but also can be bought on his homepage and in all bigger online stores. And he uses (as I did with my own e-book about e-books) the platform pressbooks.com for production and publication.

But back to Rupert Gattis experience. Something that really stroke me was when he said that libraries do not acquire his e-books. Only if he gives it to a commercial aggregator like Ebrary it will be bought or licensed by libraries – now with the restrictions of a DRM! Just imagine shortly: an e-book is freely available, without DRM, in different formats (EPUB, PDF, Mobi) – but libraries are only interested, when they can license it on a commercial platform in a format restricted by DRM!

I noticed a similar fact when I checked if some freely available e-books are integrated in library catalogues. Usually you don’t find open e-books in a library catalogue (if there are examples, let me know!). But I am convinced that users would really like to find them there. They wouldn’t need to lend them, but they just could download them – like on the website of the Project Gutenberg. By the way – they have great licence agreements there, and any library could use these e-books for free… But why libraries don’t do that? At least here in Europe? Maybe because they think offering free e-books to download would not be an appropriate library service? But hey, the world is changing! Libraries do have to consider new service models. And giving access to content is one basic role of libraries!

What is wrong? We discussed about that in the workshops at OAI8 and I came to the conclusion that the main problem is that free e-books don’t fit to the usual processes in libraries. 1) you can’t license or buy some of these free e-books – and some libraries still think that the catalogue is only for media that have been acquired (bought or licensed). But the two examples of OA publishers I mentioned above do offer e-books to be bought. So in these cases there must be different reasons. 2) Libraries usually link to content on the publisher’s homepage. So an e-book is no file but a link. You can’t set the usual SFX link (but you could link to a DOI eventually) if the e-book is a downloadable file. 3) Only publications from faculty members are stored on document servers (in so called institutional repositories) and then catalogued and made available through the library catalogue. And these publications are usually in PDF format. These institutional repositories are not considered as platforms for different kind of media types or for publications from authors from other institutions.

So, what should a library do, when there are open e-books (on homepages of researchers or for example in the Project Gutenberg) as files in different formats to download? I am convinced that library users would like to get access to this kind of documents if they fit to the collection profile of the library. That means that libraries should catalogue (or import metadata) of open e-books. And they should download the files in different formats and integrate it into their document servers. So these platforms have to be adapted to these requirements and be able to manage also e-books in different formats (EPUB, mobi and PDF). And if libraries give access also to e-books in EPUB format, there will be a real mobile user experience. And maybe we can put a little pressure on commercial publishers to distribute their e-books also in mobile and user friendly formats – and without DRM, of course!

In 2012 an interesting case study on „Collaborative Batch Creation for Open Access E-Books“ was published. In this project  freely available e-books from National Academies Press were catalogued by volunteers. They upgraded bibliographic records for aggregation into a batch that could be easily loaded into library catalogs.

Young, Philip and Culbertson, Rebecca and McGrath, Kelley Collaborative Batch Creation for Open Access E-Books: A Case Study. In: Cataloging & Classification Quarterly, 2012, vol. 51. http://eprints.rclis.org/17930/

And if you are looking for more open e-books: in the blog no shelf required a list of several open access e-books collections was published last year.

And what can we do? At the Swiss Institute for Information Science we are thinking on a new project in which we want to create a platform for open access e-books, so that public and academic libraries can easily link to them and integrate it in their catalogs. If you are interested (as a librarian, publisher, software developer or…) to collaborate in such a project, don’t hesitate to contact me!

Bericht von der Session zu E-Books auf dem #bid13

Die Session zu E-Books auf dem 5. Kongress Bibliothek & Information Deutschland in Leipzig stiess auf grosses Interesse. Der kleine Saal 5 konnte nur einen Teil der interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer aufnehmen. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus meiner persönlichen Sicht:

Sebastian Mundt stellte die Ergebnisse einer repräsentativen Benutzerumfrage zu E-Books an den Hochschulen Baden-Württembergs vor (Abstract). Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass E-Books als neue Dienstleistung verstanden werden sollten und dass das Angebot grundsätzlich zu wenig bekannt ist. Entsprechend wichtig werden künftig Marketingmassnahmen von Bibliotheken sein. Auch die Dozierenden in ihrer Vorbildfunktion sind gefragt – sie nutzen E-Books deutlich häufiger als Studierende.

Thomas Hartmann und Elena di Rosa betrachteten den (urheber)rechtlichen Aspekt der E-Books, speziell der „Ausleihe“ (Abstract). Hier war der Hinweis auf das Urteil des EuGH zur Legalität der Weitergabe gebrauchter Software (Used Software). Hartmann meinte, dass damit auch die Weitergabe gebrauchter E-Books schon bald legalisiert werden dürte. Ich konnte in meinem Vortrag daran anschliessen, da die neuen interaktiven E-Books im Format EPUB3 oder die iBooks von Apple Javascript-Code enthalten und damit mit gutem Recht als Software interpretiert werden können.

Zwei Beiträge – von Rainer Plappert (UB Erlangen-Nürnberg – Abstract) und Silvia Herb (UB Bielefeld – Abstract) berichteten über Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit E-Books, vor allem vor dem Hintergrund des Modells Patron Driven Acquisition. Plappert legte den Fokus auf eine an der UB vorgenommenen Anpassung der internen Organisation, um den Anforderungen des neuen Mediums bei der Lizenzierung und der Erschliessung gerecht zu werden. Herb verglich die Nutzung von Büchern und E-Books, die mit unterschiedlichen Erwerbungsmodellen beschafft wurden. Spannend war hier die Erkenntnis, dass die mittels PDA erworbenen E-Books zwar häufiger genutzt wurden als gedruckte Bücher, aber deutlich weniger als E-Books, die in Paketen (Springer) oder über die Auswahl durch Fachreferenten erworben worden waren. Interessant auch der Hinweis, dass die E-Books in Nutzerbefragungen eher schlecht abschneiden, wogegen die Auswertung der Nutzungszahlen eine hohe Akzeptanz belegt.

Gemeinsam mit Bruno Wenk (als Co-Autor, aber nicht als Referent) habe ich ein kurze Übersicht zu geben versucht, welche Veränderungen in Bibliotheken durch das neue Medium E-Books ausgelöst oder beschleunigt werden.

An die Beiträge der Vorredner konnte ich mit dem Hinweis anschliessen, dass nur schon die Definition des Begriffs E-Books problematisch ist. Nutzerinnen und Nutzer verstehen darunter oft etwas anderes als die Bibliotheken. Bei Nutzerbefragungen muss diesem Aspekt grosses Gewicht beigemessen werden. Ansonsten sprechen die einen von E-Book-Readern, die anderen von DRM geschützten EPUB Publikationen, wieder andere von den auf Verlagsplattformen angebotenen PDF-Dokumenten. Hier besteht noch Diskussions- und Klärungsbedarf. Die enge Definition als lizenzierte, digital produzierte Publikationen, wie sie in den Katalogisierungsregeln vieler Verbünde angewendet wird, greift hier zu kurz. Zudem sorgt die Benennung in vielen OPACs und Discovery-Systemen bei den Nuterzn für Verwirrung. Oder wer vermutet unter dem Filter „Online Ressourcen (ohne Zeitschr.)“ die Möglichkeit, E-Books zu suchen und zu finden?

Interessant scheint mir, dass kaum je erwähnt wird, dass sich Bibliotheken mit dem Modell Patron Driven Acquisition, das sie über einen Aggregator (z.B. Ebrary, MyiLibrary) anbieten, einem DRM unterwerfen. Die Möglichkeit der Kurzausleihe sowie die verschiedenen Nutzungseinschränkungen (z.B. die Anzahl Ausdrucke) weisen darauf hin, dass die angebotenen PDF-Dokumente vermutlich mit dem DRM von Adobe versehen sind und sich somit nur mit der entsprechenden Software nutzen lassen. Damit geht der Vorteil des offenen PDFs, wie es von den meisten Wissenschaftsverlagen angeboten wird, verloren. Die einfache Nutzung und Bearbeitung mit Tablets ist somit nicht mehr gegeben, da die PDFs vermutlich nur mit der App BlueFire Reader genutzt werden können, welche die Verbindung zum Adobe-Konto des Nutzers herstellt. Eine Vermischung der verschiedenen Angebotsmodelle und Formate wird die Bibliotheksnutzer zusätzlich verwirren.

Mein Beitrag handelte dann schwerpunktmässig von den Veränderungsprozessen in Bibliotheken, welche durch die E-Books beschleunigt werden. Das reicht von der schon besprochenen Erwerbung über die Erschliessung bis zur internen Organisation und veränderten Nutzungsbedingungen. Damit stehen Bibliotheken vor neuen Herausforderungen. Sie müssen bisherige Kerngeschäfte neu ausrichten und neue Aufgaben für ihre Mitarbeitenden finden, wenn Formal- und Sachkatalogisierung zunehmend an Bedeutung verlieren, weil sie entweder maschinell ausgeführt werden oder weil diese Aufgaben künftig ausgelagert oder zentralisiert werden. Es ist zudem neues Know-How bei den Mitarbeitenden gefragt, damit sie die Nutzerinnen und Nutzer in der Handhabung der elektronischen Formate schulen und informieren können. Das Thekenpersonal sollte Auskunft geben können, wie die angebotenen Formate auf verschiedenen Geräten genutzt werden können.

Zum Schluss bin ich auf die Produktion multimedialer, interaktiver E-Books in offenem Standard eingegangen. Ich behaupte, dass dies eine künftige Aufgabe von Hochschulen oder Hochschulbibliotheken sein könnte. Es gibt mittlerweile den Standard dafür (EPUB 3) und auch Tools zur Produktion (BlueGriffon), so dass Dozierende und Forschende künftig ihre Lehrbücher (oder Skripte) selbst herstellen können. Vergleiche dazu den Beitrag zur Inetbib-Tagung. Bibliotheken könnten sich hier mit Beratungsdienstleistungen, mit einem Angebot für die Distribution und Archivierung der Dokumente und der einzelnen Elemente ein neues Aufgabengebiet erschliessen. Herausforderungen sehe ich hier zum einen beim benötigten Know-How sowie der Weiterentwicklung der Repositorien, die mit neuen Formaten und verstärkt mit Versionen von Dokumenten umgehen können sollten.

The ideal e-book

In our talk about the not (yet) used potential of e-books at the Inetbib conference (www.inetbib.de) in Berlin, Bruno Wenk – my colleague at HTW Chur – and I outlined some characteristics of an ideal academic e-book.  We invite you to join the discussion!

The ideal e-book

  • is based on the standard EPUB3 and is also published as a complete PDF
  • contains the necessary metadata for direct import into a catalog or a reference management system
  • contains markers of paragraphs to allow citation in scientific articles
    • Example: 10.1007/978-3-8349-8027-4_3/0012
  • restricts the use not with a „hard“ DRM. Unauthorized use or alteration of the content is prevented by watermark or digital signature.
  • can be integrated in work environments (highlighting, annotation, collaboration etc.)
  • is automatically updated when a new version is available
  • is published under open access or accessible for everybody by a national license

Do you have ideas and suggestions for additional ideal characteristics or comments to these suggestions? Feel free to use the comment feature of the blog!

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