Neue Themen im Horizon Report 2015 Library Edition

Nun sind die Themen offiziell bekannt, die im Horizon Report 2015 Library Edition besprochen werden. Jetzt gilt es, Projekte zu melden, die in diesen Bereichen Bereich aktiv sind. Nutzt die Chance, als Beispiel im Horizon Report aufgeführt zu werden! Hier kann man seine Projekte und Aktivitäten melden: http://www.nmc.org/news/submit-your-projects-nmc-horizon-report-2015-library-edition/. Der Report wird nun geschrieben, mit den eingereichten Beispielen angereichert und dann im August publiziert.

Aktuell scheint mir der Vergleich mit der letztjährigen Ausgabe interessant. Es ist ja klar, dass sich die Themen von einem zum anderen Jahr nicht grundlegend ändern können. Wir hatten deshalb auch diskutiert, ob es sinnvoll sei, jedes Jahr einen neuen Bibliotheksreport anzustreben. Wir haben uns dafür entschieden, weil es uns wichtig schien am Ball zu bleiben und im Wissen, dass es vermutlich einige Parallelen geben dürfte. Dies ist jeweils auch beim Horizon Report Higher Education so. Und spannend sind ja nicht nur die reinen Themen, sondern besonders auch deren Ausarbeitung auf der Grundlage der im Wiki geführten Diskussionen. Und dürften dann auch noch inhaltliche Entwicklungen bemerkbar sein.

Neue Trends 2015: Bibliothek als Raum und Nutzererfahrung

Zwei Themen sind neu: Als langristiger Trend wird das Thema Bibliothek als Raum aufgenommen: „rethinking library space“. Wer jetzt denkt, das Thema sei doch gar nicht so neu, hat Recht – und so versteht sich auch die Kategorie langfristiger Trend im Horizon Report: es sind Trends, die lange Zeit wirksam sind und sein werden – also auch schon längere Zeit bekannt sein können. Dies stimmt für mich bei den Diskussionen um die Bibliothek als Raum, um neue Funktionen und neue Konzepte absolut. Entsprechend habe ich es auch schon in einem früheren Blogbeitrag zur Bibliothek als Raum besprochen.

Bei den kurzfristigen Trends ist neu der zunehmende Wert der Nutzererfahrung „the Increasing Value of the User Experience“ hinzugekommen. Auch dies ein sehr zentrales Thema, das weit über das Thema Design von Webinterfaces hinausgeht. Und hier mögen ebenfalls manche rufen: „das machen wir doch schon lange!“ Mag sein, aber jetzt bedeutet dieses Trendthema, dass die Nutzererfahrung zentral für alle Dienstleistungen einer Bibliothek sein soll und dass diese Services zusammen mit den Nutzerinnen und Nutzern entwickelt werden sollen.

Die Diskussion zu den Trends findet sich hier im Horizon Report Wiki.

Neue Herausforderungen 2015: Umgang mit stets wachsender und sich verändernder Information

Als lösbare Herausforderung hat es das Thema Verbesserung der Digitalen Informationskompetenz (meine Übersetzung aus dem Handgelenk) in den Report 2015 geschafft. Das ist wenig überraschend, wobei das Thema viel Interpretationsspielraum zulässt. Ich kann noch nicht sagen, in welche Richtung es im Report dann konkretisiert wird. Für mich gehört dieser Aspekt zu den schon fast selbstverständlichen Aufgaben von Bibliotheken: Nutzerinnen und Nutzer im Umgang mit digitaler Information unterstützen, beraten und schulen. Was dann genau zu digitaler Information gehört, kann ständig erweitert werden.

Der Umgang mit der Obsoleszenz von Wissen ist eher schwer zu verstehen. Ein Blick ins Wiki des Horizon Reports zeigt, wie das Thema diskutiert wurde: es geht darum, dass es eine Aufgabe der Bibliotheken sein könnte, den Nutzern im Umgang mit der ständig wachsenden und gleichzeitig veraltenden Information und den zur Nutzung verfügbaren Tools zu erleichtern. Also Mittel und Wege zu vermitteln, wie man sich effizient und effektiv im Informationsdschungel zurechtfindet. Oder so ähnlich. So gesehen, ist das Thema recht nahe beim oben genannten Trend.

Die Diskussion zu den Herausforderungen findet sich hier im Horizon Report Wiki.

Neue Technologien: fast alles neu im Report 2015

Im Gegensatz zu den recht stabilen Trends und Herausforderungen sind bei den neuen Technologien fast alle Themen neu.

Zeithorizont ein Jahr und weniger:

Die Makerspaces haben es nun auf den Spitzenplatz geschafft bei den kurzfristig wirksamen Technologien. Tatsächlich hat es ja eher erstaunt, dass sie es nicht schon letztes Jahr geschafft haben… Ich bin auf das Thema Makerspaces hier im Blog bereits eingegangen. Nun ist es also bei den Wissenschaftlichen Bibliotheken angekommen…

Als zweites Thema ist Online Learning hinzu gekommen. Ich muss gestehen, das war nicht meine erste Wahl… Der Blick ins Wiki zeigt, dass hier besonders die MOOCs diskutiert wurden, die vielfältigen Arten, wie Studierende virtuell mit ihren Institutionen interagieren und wie Bibliotheken sie dabei unterstützen können. Ich bin insofern einverstanden, als Bibliotheken sich enger in die Lehre einbringen sollten. Es gilt, die Ressourcen so bereitzustellen, dass sie ideal in die Lehrumgebungen der Studierenden integriert werden können.

Für den Zeithorizont 2-3 Jahre wurden Information Visualization und Semantic Web and Linked Data ausgewählt.

Visualisierung von Information ist eine Fähigkeit, über die wohl noch nicht viele Bibliotheksmitarbeitende verfügen. Die Aufbereitung von Information, die Darstellung von Forschungsergebnissen ist eine wichtige Kompetenz. Im Wiki wurde das Thema im Kontext von Forschungsdaten und Unterstützung von Forschenden diskutiert. Ich kann sagen, dass wir das immerhin ein wenig im Studium vermitteln – aber ob Forschende tatsächlich hierin Unterstützung durch die Bibliothek erwarten, möchte ich für unsere Breitengrade bezweifeln. Meine Meinung: als Kompetenz wichtig, als Dienstleistung von Bibliotheken eher weniger.

Semantisches Web und Linked Open Data sind vom Zeithorizont 4-5 Jahre etwas näher gerückt. Ich bin hier der Meinung, dass das Thema eigentlich in den ersten Horizont gehört und wohl eher bei den Herausforderungen anzusiedeln ist. Dazu habe ich  mich auch schon in einem Blogbeitrag geäussert.

Etwas komplexer wird es beim Zeithorizont 4-5 Jahre: hier werden Machine Learning und Location Intelligence genannt. Die intelligente Lokalisierung (meine Übersetzung) meint gemäss Horizon Report Wiki die Georeferenzierung von Daten und Publikationen. Das scheint mir ein doch relativ aktuelles Thema zu sein, für das es schon einige Anwendungen gibt. Als schwierig hat sich dabei die automatisierte Georeferenzierung erwiesen, da sehe ich noch Zukunftspotential.

Machine Learning verweist dann auf das sehr aktuelle Thema Text and Data Mining. Gestützt durch automatisierte Verfahren, Computerlinguistik und anderes werden grosse Datenmengen analysiert und interpretiert. Aufgabe der Bibliotheken kann es sein, den Forschenden den Zugang zu den Daten (z.B. Verlagspublikationen) zu verschaffen, wie ich in einem früheren Blogbeitrag zu TDM diskutiert habe.

Am meisten vermisse ich bei den Technologien das Internet of Things, das im Wiki unter dem Stichwort networked objects, vernetzte Dinge, diskutiert wurde. Und hier findet sich die Diskussion über die Technologien im Wiki.

Und hier eine tabellarische Übersicht über die Themen mit einem Vergleich zur Ausgabe 2014:

2015 2014
langfristige Trends
Zugänglichkeit von Forschungsinhalten Fortschritt in Technologie, Standards und Infrastruktur
Überdenken der Bibliotheksräume Neue Formen der multidisziplinären Forschung
mittelfristige Trends
Entwicklungscharakter wissenschaftlicher Portfolios Entwicklungscharakter wissenschaftlicher Portfolios
verstärkter Fokus auf Forschungsdatenmanagement für Publikationen Zugänglichkeit von Forschungsinhalten
kurzfristige Trends
zunehmender Wert der Nutzererfahrung Fokus auf Forschungsdatenmangement für Publikationen
Priorisierung von mobilen Inhalten und Bereitstellung Priorisierung von mobilen Inhalten und Bereitstellung
2015 2014
lösbare Herausforderungen
Einbettung von Hochschulbibliotheken im Currciulum Einbettung von Hochschulbibliotheken im Currciulum
Verbesserung der Digitalen Informationskompetenz Überdenken der Rolle und Funktionen von Bibliothekaren
schwierige Herausforderungen
Konkurrenz durch alternative Informationssuche Konkurrenz durch alternative Informationssuche
Überdenken der Rolle und Funktionen von Bibliothekaren Erfassung des digitalen Outputs von Forschung
komplexe Herausforderungen
Bereitwillige Annahme radikaler Veränderungen Bereitwillige Annahme radikaler Veränderungen
Bewältigung der Obsoleszenz von Wissen Kontinuierliche Integration/Interoperabilität
2015 2014
Technologische Entwicklungen: Horizont 1 Jahr
Makerspaces E-Publishing
Online Lernen Mobile Apps
Technologische Entwicklungen: 2-3 Jahre
Visualisierung von Information Bibliometrie und Zitationstechnologien
Semantisches Web und Linked Data Open Content
Technologische Entwicklung: 4-5 Jahre
Ortsintelligenz / Georeferenzierung Internet of Things
Machine Learning Semantisches Web und Linked Data

Autor: mrudolf

Professor for Library Science at HTW Chur (university of applied sciences), co-editor of Informationspraxis, co-principal investigator of the Horizon Report Library Edition, blogging on library topics - and also on mindful living (in German as Männerherz)

1 Kommentar zu „Neue Themen im Horizon Report 2015 Library Edition“

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