Erster Horizon Report > 2014 Library Edition publiziert

Der erste Horizon Report > 2014 Library Edition, der sich mit Trends im Bereich der Wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit befasst, ist veröffentlicht. Er wurde vom New Media Consortium (NMC) in Zusammenarbeit mit der HTW Chur, der ETH-Bibliothek Zürich und der TIB Hannover erstellt. Rund 50 internationale Experten haben die relevanten Themen ausgewählt, diskutiert und bewertet. Mich persönlich hat es sehr gefreut zusammen mit diesen Expertinnen und Experten sowie mit Larry Johnson, Andreas Kirstein und Lambert Heller als „Co-principal Investigators“ an diesem spannenden Projekt mitzuwirken. Dem Team vom NMC um Samantha Adams Becker gebührt besonderer Dank für die grosse Arbeit, die sie im Hintergrund geleistet haben. Lanciert wurde der Horizon Report > 2014 Library Edition im Rahmen der IFLA-Konferenz 2014 in Lyon. Weiterlesen „Erster Horizon Report > 2014 Library Edition publiziert“

Innovation nicht nur in grossen Bibliotheken

Die Kolumne für die Zukunftswerkstatt im Bibliotheksdienst ist einem Thema gewidmet, mit dem ich mich seit einiger Zeit befasse: Welche Möglichkeiten haben gerade kleinere Bibliotheken, um erfolgreiche Innovationen zu realisieren? Innovationsmanagement ist ja eher etwas für grosse Bibliotheken und Organisationen mit einer bestimmten Komplexität. Hier ist es wichtig, Verantwortlichkeiten zu definieren, den Innovationsprozess festzulegen, für ein Ideenmanagement zu sorgen und die Umsetzung der Ideen zu begleiten bis zur erfolgreichen Markteinführung. Ich denke, dass sich die meisten Grundsätze des Innovationsmanagements auch in kleineren Institutionen umsetzen lassen. Nicht in Form eines ausgefahrenen Managements, sondern mit Hilfe einfacher Methoden und vor allem mit der Bereitschaft und Offenheit, etwas zu bewegen.

Wichtig scheinen mir folgende Grundsätze:

  • den Mitarbeitenden Freiraum geben für die Entwicklung von Ideen
  • den NutzerInnen zuhören und ihren Input für neue oder verbesserte Dienstleistungen aufnehmen – dies kann auch in Form einer Beschwerde geäussert werden
  • neue Ideen (von Mitarbeitenden und von NutzerInnen) regelmässig besprechen
  • auf der Grundlage von vordefinierten Kriterien über die Umsetzung oder Weiterverfolgung der Ideen entscheiden
  • die Entscheide transparent kommunizieren (dies kann auch mündlich in der Teamsitzung erfolgen)
  • eine Innovationskultur pflegen, indem die Leitung die Mitarbeitenden ermutigt, neue Ideen zu äussern und mal etwas Neues auszuprobieren
  • eine Fehlerkultur pflegen, indem auch ein gescheitertes oder bewusst abgebrochenes Projekt als wichtige Erfahrung gewertet wird, aus der man als Organisation lernen kann
  • eine Kultur der Beta-Versionen pflegen: auch unfertige, noch nicht perfektionierte Entwürfe, Versuche oder Prototypen sollen den NutzerInnen zum Ausprobieren vorgelegt werden.

Innovation auch für kleinere Bibliotheken? Ich kann die Frage bejahen – entscheidend scheint mir die Bereitschaft, alte Wege zu verlassen, offen zu sein für Neues und sowohl Mitarbeitende wie auch Kunden in die Entwicklung mit einzubeziehen.

mehr von mir zum Thema:

 

Aussagen über die Zukunft von Bibliotheken

Das Heft #24 der LIBREAS zum Thema Zukünfte ist erschienen. Aus dem Editorial:

Die aktuelle Ausgabe der LIBREAS bietet einen kurzen, zeitgenössischen Einblick in die aktuelle Ausprägung dieser Debattentradition. Die einzelnen Texte repräsentieren, unserer Meinung nach, sehr schön die einzelnen Facetten der Diskussion. Begonnen mit einem positiven Aufruf, die Zukunft gemeinsam mit anderen anzugehen (Corinna Haas und Beate Rusch); von der Diskussion strukturierter Versuche, zumindest die nächste Zukunft vorherzusehen (Rudolf Mumenthaler); über einen Rückblick auf vor teilweise langer Zeit gebaute Zukunftsbibliotheken (Eliane Blumer & Karsten Schuldt); bis hin zum nachdrücklichen Hinweis darauf, dass die Zukunft gestaltet werden muss (Wolfgang Kaiser), stecken die Texte einen Rahmen ab, in dem sich die meisten Debatten um die erwünschten, erhofften oder befürchteten Zukünfte der Bibliotheken bewegen. 

Es freut mich, einen Beitrag zur Diskussion leisten zu können, wie wir versuchen Aussagen über künftige Entwicklungen zu machen. Dabei konnte ich meine Erfahrungen als Experte bei der Erstellung des Horizon Report einfliessen lassen.

Mit Expertenwissen zu Aussagen über künftige Entwicklungen — der Horizon Report Higher Education

Der Horizon Report Higher Education dient auch für Hochschulbibliotheken als wichtige Referenz zur Bewertung aktueller Trends und künftiger Entwicklungen. Der Autor stellt die dem Report zugrunde liegende Methode vor, beleuchtet diese kritisch und reflektiert die Aussagekraft der Prognosen. Die Stärken des Horizon Report liegen in der breiten Abstützung, der Offenheit des Verfahrens und der Publikation sowie der Ausarbeitung der von Expertinnen und Experten ausgewählten Themen. Gewisse Schwächen sieht der Autor in der Abhängigkeit von anderen Trendstudien sowie beim Auswahlverfahren der Trendthemen.

Zitiervorschlag
Rudolf Mumenthaler, „Mit Expertenwissen zu Aussagen über künftige Entwicklungen — der Horizon Report Higher Education“. LIBREAS. Library Ideas, 24 (2014). http://libreas.eu/ausgabe24/03mumenthaler/

Gedanken zur Zukunft wissenschaftlicher Informationsinfrastruktureinrichtungen (vormals „Bibliotheken“)

In der Keynote zur ASpB-Tagung 2013 in Kiel habe ich mir Gedanken zur Zukunft von Bibliotheken gemacht – in Anlehnung an die kurz zuvor erschienenen 10 Thesen zum zukünftigen Profil von wissenschaftlichen Informationsinfrastruktureinrichtungen von Klaus Tochtermann in Thesenform und mit der Bezeichnung „wissenschaftliche Informationsinfrastruktureinrichtungen“ für das, was man bisher Bibliotheken nannte. In der Diskussion nach dem Vortrag zeigte sich, dass einigen der Thesen mit „das tun wir doch schon lange“ begegnet wurde. Dazu eingangs noch einige Bemerkungen. Natürlich diskutiert man (gerade im deutschen Bibliothekswesen) schon länger von einer notwendigen verstärkten Kooperation. Und klar wissen Bibliotheken schon lange, dass man sich an den Kunden orientieren muss. Aber was ich bei diesen Punkten meine, sind wirklich neue Formen der Kooperation. Die aktuelle Diskussion um den DFG-Antrag Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheksdaten zeigt etwa in diese Richtung. Und wenn ich von zielgruppenspezifischen Dienstleistungen spreche, meine ich, dass es nicht mehr genügt, die Wünsche der aktuellen Nutzerinnen und Nutzer zu kennen und „nach Möglichkeit“ zu berücksichtigen. Es geht hier auch darum, NichtnutzerInnen und ihre Gründe für die Nichtnutzung der Bibliothek zu kennen und die Arbeitsweisen und Bedarfe der potentiellen Kunden zu kennen. Und dann entsprechende Dienstleistungen anzubieten oder zu entwickeln. Kurz: wer jetzt sagt, „aber das tun wir doch alles schon lange“, der hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Wohin führt die Zukunft wissenschaftlicher Bibliotheken? Zu dieser Frage habe ich 8 Thesen aufgestellt:

1. Externe Entwicklungen bestimmen die Zukunft von Bibliotheken massgeblich

In Gesellschaft, Politik, Wissenschaft, Technologie finden radikale Umwälzungen statt, auf die Bibliotheken keinen Einfluss nehmen können. Diese Entwicklungen definieren jedoch die Rahmenbedingungen für Bibliotheken massgeblich. Es gilt, dies als Tatsache zu akzeptieren und zu analysieren, worin dabei die Risiken und Chancen bestehen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit  können folgende Trends genannt werden:

  • Ebene Gesellschaft: Mobilität, Medienkonsum, Informationsnutzung
  • Ebene Politik: Recht (Datenschutz, Urheberrecht); Finanzen, Forderung nach Effizienz, professionellem Management, Return on Invest (ROI)
  • Ebene Wissenschaft: Publikation, Ranking, Impact; Zugang zu und Nutzung von Information, Mobilität, Interdisziplinarität, Internationalisierung, Kommunikation, Kollaboration
  • Ebene Technologie: Cloud Computing, mobile Nutzung, Web 2.0, Semantic Web inkl. LOD, Suchmaschinen, Speicher, Digitale Identität, NFC, Wearable Devices, 3D-Printing etc.

Was bedeutet dies nun für Bibliotheken?

2. Elektronische Informationsdienstleistungen werden überregional/national/ international erbracht

IT-basierte Dienste sind nicht nur in der Nutzung sondern auch in der Erbringung ortsunabhängig. Bedingt durch die Internationalisierung der Forschung und die Mobilität der Forschenden sind nicht lokale sondern nationale Dienstleistungen gefragt. Bei einem Wechsel der Hochschule verlieren Forschende und Studierende heute noch zu oft den Zugang zu (elektronischen) Ressourcen, die sie bisher für ihre Arbeit nutzten. Die Nähe oder Distanz zum Anbieter eines elektronischen Service spielt dabei keine Rolle. Dies gilt auch für den Zugriff auf E-Ressourcen: weg von Hochschullizenzen hin zu Nationallizenzen und Open Access. In der Lehre strebt man ein sog. e-Portfolio an, damit elektronische Studienunterlagen langfristig nutzbar bleiben. Grundlage dafür ist ein hochschulübergreifendes Identitätsmanagement, an das sich auch Bibliotheken mit ihrer Nutzerverwaltung anschliessen werden.

3. Bibliotheken bündeln ihre Kräfte: Konzentration, Kooperation

Einzelne Bibliotheken sind durch die hochkomplexen technischen Lösungen tendenziell überfordert. Heute versuchen jedoch immer noch viele Bibliotheken auf möglichst vielen Gebieten Schritt zu halten und bieten lokal oft eine breite Palette von Diensten an. Diese entsprechen dann zu oft nicht dem State of the Art, wie die Nutzer ihn von kommerziellen Anbietern kennen – und von der Bibliothek erwarten. Die Politik ist jedoch nicht länger bereit, die heutigen Doppelspurigkeiten zu finanzieren (wobei hier z.T. ein Widerspruch zu den Interessen der lokalen Trägerschaft der Bibliotheken, den Universitäten, besteht). Dieser Wille zur Zentralisierung zeigt sich z.B. in den Empfehlungen und Ausschreibungen des Wissenschaftsrats (http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/10463-11.pdf) oder der Schweizer Universitätsrektorenkonferenz (Programm Wissenschaftliche Information, http://www.crus.ch/information-programme/projekte-programme/suk-programm-2013-2016-p-2-wissenschaftliche-information-zugang-verarbeitung-und-speicherung.html) . Ziel dieses Programms ist der Aufbau von nationalen Services im Bereich der wissenschaftlichen Informationsinfrastruktur. Bibliotheken tun sich mit diesem Anspruch noch schwer. Aber diese künftigen Informationsinfrastrukturdienstleister müssen nicht zwingend Bibliotheken sein. Bibliotheken müssen enger als bisher kooperieren, um die Rolle des Anbieters von nationalen Services übernehmen zu können. Ich denke dabei an die Bildung von Kompetenzzentren und Konsortien, an die Kompetenzen und Ressourcen abgetreten werden. Gleichzeitig werden sich Bibliotheken auf diejenigen Services fokussieren, die sie besser als andere erbringen können. Und die übrigen Services von Kompetenzzentren, Konsortien oder kommerziellen Anbietern beziehen. Die dafür notwendige Aufteilung der Ressourcen wird in föderalen Strukturen jedoch nicht einfach sein.

4. Bibliothek als Raum löst sich von den e-Services

Die Funktion der Bibliothek als Erbringer von e-Services für die Wissenschaft löst sich von derjenigen als Ort des Lernens, Studierens und Forschens. Beides ist wichtig, doch besteht kein kausaler Zusammenhang zwischen den beiden Arten von Dienstleistungen. Die Rolle der Bibliothek als (Dritter) Ort wird angesichts der Virtualisierung und Digitalisierung weiterhin von grosser Bedeutung sein: Es braucht Lern- und Arbeitsplätze, Orte zum Verweilen und für sozialen Austausch sowie Dienstleistungen vor Ort für Forschende, Studierende und Lehrende, wie z.B. Beratung oder Angebote im Bereich Information Literacy. Hierzu gehören auch neue Rollen und Aufgaben für Bibliothekarinnen und Bibliothekare, wie sie z.B. von embedded librarians übernommen werden.

Zudem werden weiterhin einige e-Services lokal erbracht. Ich denke dabei an zielgruppenspezifische Anpassungen und Personalisierungen der zentral angebotenen Dienste (vgl. Punkt 8.). Ebenfalls auf lokale Bestände baut die Digitalisierung. Hier tritt die Bibliothek als Content Provider in Aktion. Es ist entscheidend, dass die digitalisierten Inhalte über offene Schnittstellen bereitgestellt werden, damit sie über Portale gefunden und genutzt werden können.

5. Services richten sich an Fachgebieten aus

Die wissenschaftlichen Informationsdienstleistungen richten sich nach Fachgebieten und nicht nach einzelnen Hochschulen aus. Je nach Fachgebiet bestehen sehr unterschiedliche Arbeitsmethoden und Informationsbedarfe. Forschende einer Fachrichtung haben mehr Gemeinsamkeiten als Forschende einer Hochschule. Deshalb ist es sinnvoller, die Angebote nach den Bedürfnissen der Forschenden einer Fachrichtung auszurichten. Bibliotheken werden entsprechend fachspezifische Dienste entwickeln und betreiben und sich spezialisieren, wie sich dies bei den Virtuellen Forschungsumgebungen zeigt.

6. Bibliotheken stehen in Konkurrenz zu kommerziellen Informationsdienstleistern

Nicht nur Bibliotheken, auch kommerzielle Anbieter (Verlage, Aggregatoren) wollen Forschenden komplette Informationsdienstleistungen anbieten. Bereits heute gibt es entsprechende Angebote kommerzieller Dienstleister als interaktive Forschungsplattformen, zur Publikation auch von Forschungsdaten und zur Vernetzung von Forschungsinhalten (z.B. SpringerLink). Allerdings sind diese Plattformen jeweils auf die eigenen Verlagsprodukte beschränkt. Bibliotheken könnten hier dem Wunsch von Forschenden entsprechend verlagsübergreifende Plattformen entwickeln und anbieten. Wobei hier auch schon die grossen Datenbanken (Web of Science, Scopus) aktiv sind. Und zur Entwicklung einer konkurrenzfähigen Plattform müssten wohl die Kräfte gebündelt werden.

7. Bibliotheken erweitern ihren Sammlungs- und Vermittlungsauftrag

Die Grenzen von Publikationsformen verschwimmen. Die Bibliotheken sind heute jedoch noch stark auf Monografien, Zeitschriftenbände und den Nachweis im OPAC fokussiert. Bibliotheken werden einzelne Artikel (wie z.B. im Wissensportal der ETH-Bibliothek), primäre Forschungsdaten (wie z.B. in OpenAIRE) und Mikro-Publikationen erschliessen und verfügbar machen. Diese Inhalte werden mittels semantischer Verfahren miteinander vernetzt und über Portale nutzbar gemacht.

8. Bibliotheken bieten personalisierte Dienste an

Bibliotheken kennen ihre Zielgruppen und deren Informationsbedarfe. Sie adaptieren zentral bereitgestellte Services so, dass sie den Bedürfnissen und Wünschen ihrer NutzerInnen entsprechen. Dabei ist die Kunden- bzw. Nutzerorientierung eine Grundlage. Sie sollte jedoch auf die Zielgruppen und somit auch auf die potentiellen NutzerInnen und die Nicht-NutzerInnen erweitert werden. Entsprechend werden nicht nur Kunden und ihre Zufriedenheit erfragt, sondern das Informationsnutzungsverhalten der Zielgruppen untersucht.

Fazit

Bibliotheken haben sich (zu) lange mit sich selbst und ihrer eigenen Welt beschäftigt. Doch das Umfeld verändert sich radikal. Entsprechend sind radikale Innovationen und Veränderungen gefragt. Bibliotheken fokussieren sich, konzentrieren sich auf ihre Stärken und kooperieren eng miteinander. Bibliotheken richten sich an den Bedürfnissen ihrer Zielgruppen aus und bieten lokal attraktive Dienste an, die auf überregionalen/nationalen Services basieren.

Bericht von der Session zu E-Books auf dem #bid13

Die Session zu E-Books auf dem 5. Kongress Bibliothek & Information Deutschland in Leipzig stiess auf grosses Interesse. Der kleine Saal 5 konnte nur einen Teil der interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer aufnehmen. Hier eine Zusammenfassung der Ergebnisse aus meiner persönlichen Sicht:

Sebastian Mundt stellte die Ergebnisse einer repräsentativen Benutzerumfrage zu E-Books an den Hochschulen Baden-Württembergs vor (Abstract). Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass E-Books als neue Dienstleistung verstanden werden sollten und dass das Angebot grundsätzlich zu wenig bekannt ist. Entsprechend wichtig werden künftig Marketingmassnahmen von Bibliotheken sein. Auch die Dozierenden in ihrer Vorbildfunktion sind gefragt – sie nutzen E-Books deutlich häufiger als Studierende.

Thomas Hartmann und Elena di Rosa betrachteten den (urheber)rechtlichen Aspekt der E-Books, speziell der „Ausleihe“ (Abstract). Hier war der Hinweis auf das Urteil des EuGH zur Legalität der Weitergabe gebrauchter Software (Used Software). Hartmann meinte, dass damit auch die Weitergabe gebrauchter E-Books schon bald legalisiert werden dürte. Ich konnte in meinem Vortrag daran anschliessen, da die neuen interaktiven E-Books im Format EPUB3 oder die iBooks von Apple Javascript-Code enthalten und damit mit gutem Recht als Software interpretiert werden können.

Zwei Beiträge – von Rainer Plappert (UB Erlangen-Nürnberg – Abstract) und Silvia Herb (UB Bielefeld – Abstract) berichteten über Erfahrungen in der praktischen Arbeit mit E-Books, vor allem vor dem Hintergrund des Modells Patron Driven Acquisition. Plappert legte den Fokus auf eine an der UB vorgenommenen Anpassung der internen Organisation, um den Anforderungen des neuen Mediums bei der Lizenzierung und der Erschliessung gerecht zu werden. Herb verglich die Nutzung von Büchern und E-Books, die mit unterschiedlichen Erwerbungsmodellen beschafft wurden. Spannend war hier die Erkenntnis, dass die mittels PDA erworbenen E-Books zwar häufiger genutzt wurden als gedruckte Bücher, aber deutlich weniger als E-Books, die in Paketen (Springer) oder über die Auswahl durch Fachreferenten erworben worden waren. Interessant auch der Hinweis, dass die E-Books in Nutzerbefragungen eher schlecht abschneiden, wogegen die Auswertung der Nutzungszahlen eine hohe Akzeptanz belegt.

Gemeinsam mit Bruno Wenk (als Co-Autor, aber nicht als Referent) habe ich ein kurze Übersicht zu geben versucht, welche Veränderungen in Bibliotheken durch das neue Medium E-Books ausgelöst oder beschleunigt werden.

An die Beiträge der Vorredner konnte ich mit dem Hinweis anschliessen, dass nur schon die Definition des Begriffs E-Books problematisch ist. Nutzerinnen und Nutzer verstehen darunter oft etwas anderes als die Bibliotheken. Bei Nutzerbefragungen muss diesem Aspekt grosses Gewicht beigemessen werden. Ansonsten sprechen die einen von E-Book-Readern, die anderen von DRM geschützten EPUB Publikationen, wieder andere von den auf Verlagsplattformen angebotenen PDF-Dokumenten. Hier besteht noch Diskussions- und Klärungsbedarf. Die enge Definition als lizenzierte, digital produzierte Publikationen, wie sie in den Katalogisierungsregeln vieler Verbünde angewendet wird, greift hier zu kurz. Zudem sorgt die Benennung in vielen OPACs und Discovery-Systemen bei den Nuterzn für Verwirrung. Oder wer vermutet unter dem Filter „Online Ressourcen (ohne Zeitschr.)“ die Möglichkeit, E-Books zu suchen und zu finden?

Interessant scheint mir, dass kaum je erwähnt wird, dass sich Bibliotheken mit dem Modell Patron Driven Acquisition, das sie über einen Aggregator (z.B. Ebrary, MyiLibrary) anbieten, einem DRM unterwerfen. Die Möglichkeit der Kurzausleihe sowie die verschiedenen Nutzungseinschränkungen (z.B. die Anzahl Ausdrucke) weisen darauf hin, dass die angebotenen PDF-Dokumente vermutlich mit dem DRM von Adobe versehen sind und sich somit nur mit der entsprechenden Software nutzen lassen. Damit geht der Vorteil des offenen PDFs, wie es von den meisten Wissenschaftsverlagen angeboten wird, verloren. Die einfache Nutzung und Bearbeitung mit Tablets ist somit nicht mehr gegeben, da die PDFs vermutlich nur mit der App BlueFire Reader genutzt werden können, welche die Verbindung zum Adobe-Konto des Nutzers herstellt. Eine Vermischung der verschiedenen Angebotsmodelle und Formate wird die Bibliotheksnutzer zusätzlich verwirren.

Mein Beitrag handelte dann schwerpunktmässig von den Veränderungsprozessen in Bibliotheken, welche durch die E-Books beschleunigt werden. Das reicht von der schon besprochenen Erwerbung über die Erschliessung bis zur internen Organisation und veränderten Nutzungsbedingungen. Damit stehen Bibliotheken vor neuen Herausforderungen. Sie müssen bisherige Kerngeschäfte neu ausrichten und neue Aufgaben für ihre Mitarbeitenden finden, wenn Formal- und Sachkatalogisierung zunehmend an Bedeutung verlieren, weil sie entweder maschinell ausgeführt werden oder weil diese Aufgaben künftig ausgelagert oder zentralisiert werden. Es ist zudem neues Know-How bei den Mitarbeitenden gefragt, damit sie die Nutzerinnen und Nutzer in der Handhabung der elektronischen Formate schulen und informieren können. Das Thekenpersonal sollte Auskunft geben können, wie die angebotenen Formate auf verschiedenen Geräten genutzt werden können.

Zum Schluss bin ich auf die Produktion multimedialer, interaktiver E-Books in offenem Standard eingegangen. Ich behaupte, dass dies eine künftige Aufgabe von Hochschulen oder Hochschulbibliotheken sein könnte. Es gibt mittlerweile den Standard dafür (EPUB 3) und auch Tools zur Produktion (BlueGriffon), so dass Dozierende und Forschende künftig ihre Lehrbücher (oder Skripte) selbst herstellen können. Vergleiche dazu den Beitrag zur Inetbib-Tagung. Bibliotheken könnten sich hier mit Beratungsdienstleistungen, mit einem Angebot für die Distribution und Archivierung der Dokumente und der einzelnen Elemente ein neues Aufgabengebiet erschliessen. Herausforderungen sehe ich hier zum einen beim benötigten Know-How sowie der Weiterentwicklung der Repositorien, die mit neuen Formaten und verstärkt mit Versionen von Dokumenten umgehen können sollten.

The NMC Horizon Report > 2013 Higher Ed Edition is out!

With a small contribution of mine as a member of the advisory board, the NMC Horizon Report > 2013 Higher Ed is out! It is more focused on teaching and less on libraries than in the past years. I tried to promote some other subjects like e-publishing, open everything (access, resources, data etc.) or flexible glasses – but in the end there were some other technologies making the race:

This year’s NMC Horizon Report identifies massively open online courses (MOOCs) and tablet computing as technologies expected to enter mainstream use in the first horizon of one year or less. Games and gamification and learning analytics are seen in the second horizon of two to three years; 3D printing and wearable technology are seen emerging in the third horizon of four to five years.

These technologies will certainly be important in teaching and learning during the next years. But for libraries I see only low impact.

http://www.nmc.org/news/horizon-report-2013-higher-ed-edition-here

Innovation Management in and for Libraries

I was invited as a keynote speaker to the conference Emerging Technologies in Academic Libraries (#emtacl12) in Trondheim. On October 2 I had a talk about innovation management in and for libraries. It’s not the first time I talked about this topic, but I tried to work it out a little bit in more general way. So innovation management as we introduced it at ETH-Bibliothek is still important, but it is now one important example to me. There are more libraries in Germany and Switzerland that implemented an innovation management. Usually the first step is to create the position of an innovation manager or to indicate a staff member to be responsible for the innovation process.

I structured the implementation of an innovation management into seven steps:

Step 1: Create an Organizational Framework
Step 2: Define the innovation process
Step 3: Introduce an Idea Management
Step 4: Involve Staff
Step 5: Involve Customers (Open Innovation)
Step 6: Search systematically for Ideas
Step 7: Cultivate your Product Portfolio

I am convinced that this organizational framework is important to institutionalize innovation management in libraries.  But in fact, most important is a culture, a spirit of innovation. This can not be replaced by organization and management methods. And it is decisive that the library’s management team lives this spirit. The main task of innovation management is therefore to create a framework in which the innovation culture and spirit can grow.

I am very much interested in examples of libraries that have already introduced a kind of an innovation management. If your library did, I would be very interested in some information about the way it was done. Don’t hesitate to contect me. You may write a commentary to this blog post or send me an email (see >contact).

E-Books as Catalyst for Processes of Change in Academic Libraries

This is a summary of my article published in BuB – Forum Bibliothek und Information 64 (2012) S.604-608.

E-books are not merely a new medium increasingly being offered to users of academic libraries. E-books have the potential to initiate or to accelerate the processes of change within the core responsibilities of librarianship – acquisition, basic cataloging, descriptive cataloging – and even ultimately the use of media. In my article I describe how e-books can be a catalyst for greater transformations.

It is undisputable that e-books have found their place in academic libraries. But scientific support for this assertion is not (yet) possible. Statistical data as collected for library performance indexes or reports does not have a unique category for e-books. Even the definition of the term E-Book is still generally unclear. Another question arises with the definition of holdings – what does it mean for a library’s holdings if there are temporarily licensed e-books? Or if the library offers a catalogue of e-books for Patron Driven Acquisition that are only bought when a user wants to download the document? Furthermore e-books accelerate some more changes in the process of acquisition. There are new business models and new ways of selection. The role of reference librarians will change when the selection of books is no more their main task. Then also cataloguing is influenced by e-books. If a library gives only access to a document hosted on the server of a publisher, there will be no more reason to catalogue it separately in every library. Automatic cataloguing, extraction of metadata will be more important than today. And users won’t care about a reduction of quality of metadata – as long as they can find the documents easily.

Another impact of e-books is how scientific scholarly documents are read. It is a standard that e-books are published like volumes of an e-journal: each chapter is a separate PDF document (according to an article in a volume). The download of a complete book is not allowed because this would be a copy of a complete work. This makes users read only the chapter they are really interested in and they don’t read the context of the information. This leads to a fragmentation of information. Another aspect is the bad usability of this kind of documents: the files have no specific name and have no integrated metadata. So, if you download a file, you have to rename it and organize the files on your desktop in order to find the information later on. Another issue with e-books (and e-journals) is the exclusion of non-members of the faculty. This is quite a serious problem for academic libraries in Europe, because they are usually also libraries open to the public. But this user group has got no remote access to the licensed electronic documents. A solution could be to lend the e-books electronically (e-lending). This service is offered more and more by public libraries, but hardly by academic libraries. Another question is how the usage of e-books on mobile devices as e-reader or tablets can be supported by libraries. One important task is to offer e-books in a format that can be used on these devices. Another service can be training and support for the usage of tablets and e-readers.

There are signs that e-books will develop to a new kind of media type that differs clearly from a electronic version of a print monograph. Publishers already try to offer e-books on large platforms. There the e-books – or the chapters of e-books – are linked to other resources, aggregated with metadata, eventually by linked data. Users will be able to annotate selected documents, store them and maybe share them to others. But also publishing and distribution e-books could change fundamentally. New tools give the possibility to researchers and teachers to produce enhanced e-books on their own or (maybe) supported by the library. Self produced e-books and textbooks then could be published on document servers under open access Openly Accessible.

The role of academic libraries in this context is hardly to predict. There are a lot of risks and also chances. The libraries could give support to new publishing models and offer new services to researchers and teachers. But they need to collaborate with other institutions like IT services or multimedia productions.

We find ourselves at the onset of a new development and are still lacking basic data and insights. The development of e-books and their effects on libraries, booksellers and publishing will be a central area of research for library science in the coming years.

Innovation Management in Practice

These days my new publication about Innovation Management in Practice, that I wrote together with Ursula Georgy, was published in the Praxishandbuch Informations- und Bibliotheksmarketing, edited by Ursula Georgy and Frauke Schade. Unfortunately, this book is not available under Open Access, so you will need to get it either in your library (recommended) or buy the book or the article (for 30 € on DeGruyter’s platform). I want to give here a short overview over the content of the article.

The idea was to give on the one hand a theoretical background (mainly by Ursula Georgy) and on the other hand to illustrate this with examples out of the experiences made especially at ETH-Bibliothek, where we introduced an innovation management already three years ago. The article contains the following chapters:

  • Innovation and innovation strategy
  • Innovation process
  • Organization of innovation
  • Idea management
  • Creativity techniques
  • Innovation circles
  • Open innovation
  • Development of innovation strategies
  • Controlling
  • Communication

Ursula Georgy, Rudolf Mumenthaler: Praxis Innovationsmanagement. In: Georgy, U., & Schade, F. (Eds.). (2012). Praxishandbuch Bibliotheks- und Informationsmarketing. De Gruyter, S.319-340.

New Open Access Journal newLIS in discussion

Finally I also joined the discussion about the idea of a new German open access journal in Library and Information Science (working title: newLIS). My colleague Karsten Schuldt described the ongoing discussion and its background in our Blog at HTW Chur (InfoWissChurBlog).

The main question is if we need another journal that could challenge the existing commercial journals.  The important German journal Bibliotheksdienst will be published by de Gruyter – and they set an embargo of 12 months (instead of 3 months so far). There are of course some independent Open Access Journals like LIBREAS or the Swiss RESSI, published mainly in French by our colleagues from Geneva. Do we need another one or should we support these existing platforms? I decided now to declare that I am ready to participate at the discussions and preparations for newLIS and not only talk about Open Access. I am convinced that it is very important that the new project is also supported by institutions like Universities (and their libraries) and the Universities of Applied Sciences.

There will be a good occasion for further discussions at our Infocamp in Chur on September 7-8: #icamp12. Who else is ready to join the discussion? You may contribute on the newLIS blog or in the Open Knowledge Pad.