Weiterverkauf von E-Books – zwei gegensätzlich Gerichtsurteile

In den letzten Monaten sind zwei widersprüchliche Urteile in Bezug auf den Weiterverkauf von E-Books gefällt worden. Zunächst hat Ende Juli ein Amsterdamer Gericht eine Klage des Verlegerverbands gegen die Plattform Tom Kabinet, auf der E-Books weiterverkauft werden, abgelehnt. Mehr dazu auf Lesen.net. Das holländische Gericht sieht offenbar eine Parallele zum EU-Urteil von 2012, wonach gebrauchte Software weiterverkauft werden darf.

In die entgegengesetzte Richtung deutet die Situation in Deutschland: Hier hat das Oberlandsgericht Hamm den Anbietern von E-Book- und Hörbuch-Downloads das Recht zugesprochen, den Weiterverkauf der Dateien zu untersagen. Ein entsprechendes Urteil des OLG Hamm aus dem Mai dieses Jahres ist Ende August rechtskräftig geworden, nachdem die Verbraucherzentrale das Urteil nicht mehr weiterziehen wollte. Mehr dazu auf heise.de.

Mein Kollege hat mich heute Mittag gefragt, was ich dazu meine… Ich bin der Meinung, dass man ein Produkt, das man kauft, auch weiterverkaufen darf. Und wenn ich ein Produkt nicht kaufe, sondern nur lizenziere, müsste es deutlich billiger zu haben sein. Entsprechend sehe ich hier die Zukunft eher bei den Flatrates für Plattformen, auf denen die NutzerInnen gegen eine Monatsgebühr nach Lust und Laune E-Books lesen dürfen. Wenn jemand das Werk besitzen will, wird er/sie es dann in gedruckter Form kaufen.

Und für Bibliotheken müsste für die Zurverfügungstellung (ich sage nicht Ausleihe…) von E-Books das gleiche Recht gelten wie für gedruckte Bücher. The right to e-read! Und in der Weiterführung des oben skizzierten Szenarios könnten Bibliotheken ebenfalls ihren NutzerInnen einen Zugang zu einer Plattform mit E-Books bieten. Nur stehen sie da in direkter Konkurrenz zu den Verlagen, die z.B. mit Skoobe ein entsprechendes Angebot führen. Und zu den Aggregatoren, die wiederum in Konkurrenz zu den Verlagen stehen (wie z.B. Amazon mit zahlreichen Verlagen). Das wird nicht einfach sein für die Bibliotheken. Aber versuchen sollten wir es trotzdem!

 

 

 

 

Erster Horizon Report > 2014 Library Edition publiziert

Der erste Horizon Report > 2014 Library Edition, der sich mit Trends im Bereich der Wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit befasst, ist veröffentlicht. Er wurde vom New Media Consortium (NMC) in Zusammenarbeit mit der HTW Chur, der ETH-Bibliothek Zürich und der TIB Hannover erstellt. Rund 50 internationale Experten haben die relevanten Themen ausgewählt, diskutiert und bewertet. Mich persönlich hat es sehr gefreut zusammen mit diesen Expertinnen und Experten sowie mit Larry Johnson, Andreas Kirstein und Lambert Heller als “Co-principal Investigators” an diesem spannenden Projekt mitzuwirken. Dem Team vom NMC um Samantha Adams Becker gebührt besonderer Dank für die grosse Arbeit, die sie im Hintergrund geleistet haben. Lanciert wurde der Horizon Report > 2014 Library Edition im Rahmen der IFLA-Konferenz 2014 in Lyon.

Es wurden folgende wichtige Trends ermittelt, die grossen Einfluss auf Wissenschaftliche Bibliotheken haben werden:

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • verstärkter Fokus auf Forschungsdatenmanagement
    • Priorisierung von mobiler Bereitstellung von Information
  • Zeithorizont von 2-3 Jahren:
    • Entwicklungen in der wissenschaftlichen Kommunikation
    • erleichterte Zugänglichkeit von Forschungsinhalten
  • Zeithorizont von 4-5 Jahren:
    • kontinuierlicher Fortschritt in Technologie, Standards und Infrastruktur
    • neue Formen der multidisziplinären Forschung

Bei den für Bibliotheken wichtigsten Technologien wurden je zwei Themen definiert.

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • elektronisches Publizieren (E-Publishing)
    • mobile Apps
  • Zeithorizont 2-3 Jahre:
    • Bibliometrie und Zitationstechnologien
    • offene Inhalte (open content)
  • Zeithorizont 4-5 Jahre:
    • Internet der Dinge (Internet of Things)
    • Semantisches Web und Linked Data

Die Expertinnen und Experten definierten zudem sechs Herausforderungen, vor denen Wissenschaftliche Bibliotheken stehen:

  • Lösbare Herausforderungen:
    • Die Integration der Bibliotheken in die Curricula der Universitäten
    • Neue Aufgaben und Rollen für Bibliothekare
  • Herausforderungen, deren Lösungen bekannt sind:
    • Die Erfassung und Archivierung des digitalen Outputs von Forschung
    • Die Entwicklung und Anwendung alternativer Suchtechnologien
  • Komplexe Herausforderungen, deren Lösung noch unbekannt ist:
    • Die Notwendigkeit zu radikalem Wandel aufgrund technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche
    • Die zunehmende bibliotheksübergreifende Interoperabilität und Zusammenarbeit in Projekten

Im Report wurden diese Themen vom Team des NMC auf der Grundlage  der von den Experten im Wiki geführten Diskussionen vertieft analysiert und mit zahlreichen Beispielen dokumentiert.

Download

Der NMC Horizon Report > 2014 Library Edition ist online via go.nmc.org/2014-arl zugänglich, kostenlos und unter einer Creative Commons Lizenz publiziert, um die breite Verwendung, einfaches Kopieren und breite Streuung zu erleichtern.

Was ist der Horizon Report?

Im Horizon Report werden von internationalen Expertinnen und Experten jeweils neue Technologien, Trends und Herausforderungen identifiziert und beschrieben, die grossen Einfluss auf Lehre und Forschung an Hochschulen haben. Es wurden je sechs Schlüsseltrends, aufkommende Technologien und bedeutende Herausforderungen in Bibliotheken für Zeithorizonte von einem bis fünf Jahren ermittelt. Der Bericht soll Bibliotheksleitungen und den Mitarbeitenden als wertvoller Wegweiser für die strategische Technologieplanung dienen. Dabei werden die Auswirkungen auf die Strategie, das Management und die Praxis von Bibliotheken vertieft analysiert.

 

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Wanderung auf dem Alpenpässe-Weg

Mitte Juli bin ich fünfeinhalb Tage entlang des Alpenpässe-Wegs gewandert – einige Bilder der wunderbaren Landschaften möche ich euch nicht vorenthalten… Gestartet bin ich bei der Station Versam, von wo aus ich noch etwas zurück zum Ende der Rheinschlucht/Ruinalta (bei Chrummwag, 626 m) gegangen und dann dem Rhein entlang hoch bis Luven ob Ilanz gewandert bin. Die zweite Etappe führte auf und ab durchs Val Lumnezia bis nach Sogn Giusep oberhalb Vrin. Am dritten Tag wanderte ich über den Pass Diesrut (2428 m) zur Greina-Hochebene, über den Passo della Greina (2357 m) zur Scaletta-Hütte. Anschliessend ging es hinunter ins Val Camadra nach Olivone (889 m) und dann wieder hoch auf die blumenreiche Ebene bei Dötra (1749 m) zur gemütlichen SAC-Hütte. Am fünften Tag ging es weiter zum Lukmanier-Pass (bei Acquacalda) und wieder hoch zum Passo del Sole (2376 m) und dann weiter durchs etwas übernutzte Val Piora in Richtung Lago Ritom. Allerdings beschloss ich beim Lago Cadagno, dem Rummel beim Lago Ritom auszuweichen und stieg noch 150 m hoch zum Lago di Tom (2022 m). Ich wurde belohnt mit einer der schönsten Landschaften: weisser Sandstrand inmitten eines komplett ruhigen Talkessels. Am folgenden Tag stieg ich zum Lago Ritom hinunter und verliess die offizielle Route, um via Ce nach Airolo zu gelangen. Hier war die Tour dann nach ca. 110 km zu Ende. Und hier also die versprochenen Bilder:

Beitrag Bibliotheksverbünde: fehlender Text in der Einleitung

Eben haben wir bemerkt, dass in der HTML- und EPUB-Version des Beitrags der einleitende Text verloren gegangen ist. Die Kollegen von 027.7 werden dies sicher bald beheben. In der PDF-Version ist der Text enthalten.

Nach 1. Einleitung sollte folgender Text erscheinen:

Die Landschaft der schweizerischen Bibliotheksverbünde steht offenbar vor einem Umbruch. In den letzten Monaten verdichten sich in der Bibliotheksszene die Gerüchte, dass der IDS Basel und der IDS Bern den Beitritt zum NEBIS-Verbund beziehungsweise zu einem gemeinsamen Verbund mit dem NEBIS beschlossen hätten, zudem hat der Grand Conseil des Kanton Waadt den Austritt aus dem RERO beschlossen – ohne darüber offiziell zu informieren. Im Aargauer Bibliotheksnetz werden Grundsatzdiskussionen über die Zukunft des Verbundes geführt. Und dies sind nur die Entwicklungen, die (zumindest teilweise) öffentlich sichtbar sind. Die dabei gefällten oder sich noch in der Diskussion befindlichen Entscheidungen haben weitreichende Folgen für die Schweizer Verbundslandschaft in einer Zeit, in der sich im bibliothekarischen Umfeld tiefgreifende technische, gesellschaftliche und politische Veränderungen abspielen, die sich wiederum auf die Zusammenarbeit von Bibliotheken auswirken.

Dann geht es weiter im Text…

Zur Zukunft der Schweizer Bibliotheksverbünde

Für die vierte Ausgabe (Bd. 2, No.1) von 027.7, der Open Access-Zeitschrift für Bibliothekskultur, haben Karsten Schuldt und ich einen Beitrag verfasst, der die öffentliche Diskussion über die Zukunft von Bibliotheksverbünden auch in der Schweiz lancieren soll. Es freut mich, dass es somit zu einer Zusammenarbeit zwischen den OA-Journals 027.7, LIBREAS und der  Informationspraxis gekommen ist. Den Kollegen Bernhard Herrlich, Andreas Ledl und David Tréfás von der 027.7 danke ich für die Aufnahme unserer Publikation in das Themenheft zu Konsortien und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit ihrer Zeitschrift! Karsten Schuldt, Bürokollege an der HTW Chur und Redaktor der LIBREAS, danke ich für die Idee zum Artikel und seinen massgeblichen Beitrag. Wir hoffen, dass es uns damit gelingt, die bisher hinter verschlossenen Türen im Kontext einzelner Verbünde geführten Diskussionen auf eine allgemeine Ebene und in die Community tragen zu können.

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler: Vor welchen Veränderungen steht die schweizerische Verbundslandschaft? In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 2,1 (2014): Konsortien & Konsorten, S. 5-11.

DOI: 10.12685/027.7-2-1-47

Abstract

Die schweizerische Verbundslandschaft steht vor Umbrüchen. Grund sind technische und politische Entwicklungen, Diskussionen und Entscheidungen in Bibliotheken und Bibliotheksverbünden sowie die Veränderungen im Umfeld von Bibliotheken im Allgemeinen. Dieser Text stellt Argumente zusammen und fordert zur Diskussion dieser Situation auf. Bibliotheken sollten sich darüber klar werden, welche Verbünde, mit welchen Aufgaben und welchen Steuerungsformen, sie in Zukunft haben wollen.

In Switzerland, the landscape of union catalogues and their hosting consortia has recently been in turmoil. Technical and political changes, discussions and decisions in libraries and library consortia, as well as the evolution of libraries at large have led to this situation. The following text summarizes arguments, but is also a call for discussion in which Swiss libraries should elaborate positions concerning future consortia and union catalogues, their responsibilities and governance.

zum Artikel

 

Projekt Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken kann starten

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: der Antrag für das Projekt Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken wurde von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) genehmigt! Ich möchte hier im Blog für Aussenstehende etwas erläutern, wie Forschung an einer Schweizer Fachhochschule und speziell mit KTI-Förderung funktioniert. Mehr zum Inhalt des Projekts gibt es auf der Website der HTW Chur.

Forschung an einer Fachhochschule

Haben Sie sich das auch so vorgestellt, dass man als Professor an einer Fachhochschule einfach eine gute Idee für ein Forschungsprojekt braucht und diese dann nach wissenschaftlichen Kriterien umsetzt? Mir ging es jedenfalls so, als ich noch in der Bibliothekspraxis tätig war (beinahe hätte ich “Informationspraxis” geschrieben…). Doch die Forschungsrealität zumindest an Schweizer Fachhochschulen sieht anders aus (und heute soll sie auch an Universitäten nicht mehr dem oben beschriebenen Bild entsprechen). Forschung bedeutet in erster Linie Drittmittel einzuwerben. Aus eigenen Mitteln leisten Fachhochschulen vor allem die Anschubfinanzierung zur Ausarbeitung von Projektanträgen, die dann bei Förderorganisationen oder Stiftungen eingereicht werden. Oder für die ein konkreter Auftrag besteht. Für mich als Forschenden bedeutet dies, dass Ideen für Forschungsprojekte sehr früh schon nach dem Kriterium “Drittmittelperspektive” gefiltert werden (müssen). Wenn ich das nicht mache, dann wird das höchstwahrscheinlich die hochschulinterne Forschungskommission tun. Diese erste interne Hürde nahm die Projektidee Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken im zweiten Versuch, nachdem bei einem ersten Antrag die Drittmittelperspektive noch bemängelt worden war. Ich hatte dann die Idee, dieses Projekt über ein Crowdfunding durch interessierte Bibliotheken zu finanzieren. Schliesslich setzte ich aber doch auf die Karte KTI.

Der Schweizerische Nationalfonds und die Forschung an Fachhochschulen

Als Förderorganisationen und somit Adressat für Projektanträge kommen für Fachhochschulen die genannte KTI oder auch der Schweizerische Nationalfonds in Frage. Letzterer unterstützt mittlerweile nicht nur Grundlagenforschung sondern auch angewandte Forschung und steht offiziell auch Fachhochschulen offen. Aber in der Realität scheint das noch nicht wirklich zu passen: die Projektanträge der FHs sind aus Sicht des SNF oft noch zu wenig wissenschaftlich. Zudem finanziert der SNF grundsätzlich nicht das Salär der Gesuchstellenden (Link zu den Bedingungen der Projektförderung des SNF), was aus Sicht eines Forschenden an einer FH ziemlich absurd ist. Ich muss ja schliesslich auch meine eigene Forschung über Drittmittel finanzieren, was mit diesem Modell aber nicht möglich ist. Und in den FHs wird das wissenschaftliche Publizieren, das für die Bewertung der Leistung der Forschenden so wichtig ist, noch zu wenig als Teil der Forschungsaktivitäten anerkannt. So haben die Forschenden an FHs Mühe, sich gemäss den Kriterien der universitär ausgerichteten Förderorganisationen zu qualifizieren. Aber wir geben nicht so schnell auf: nach der Ablehnung eines Projektantrags durch den SNF im letzten Jahr haben wir einen neuen Antrag eingereicht und sind guten Mutes. Untersuchen wollen wir die vermutete und tatsächliche Wirkung von sog. Landmark Libraries im städtischen Raum. Wir haben uns mittlerweile international vernetzt (als Mitgründer des Network on Libraries in Urban Space), arbeiten mit der FH Potsdam zusammen (Prof. Hans-Christoph Hobohm)  und unser Forschungsprojekt fokussiert. Nur die Publikationen in high-impact Journals fehlen uns jetzt noch…

KTI als Förderorganisation

Für die Forschung an Fachhochschulen ist die KTI die wichtigste Förderorganisation. Sie hat zum Zweck, die praxisorientierte Forschung an (Fach)Hochschulen zu unterstützen sowie  – und dies in erster Linie – die Innovation in Schweizerischen Unternehmen zu fördern. Konkret heisst dies (auf der Website www.kti.admin.ch):

Die KTI unterstützt

  1. Marktorientierte F&E-Projekte;
  2. Die Gründung und den Aufbau von Start-ups;
  3. Den Wissens- und Technologietransfer.

Was bedeutet dies für die Forschung an FHs? Wir haben bei uns am Institut einen Kollegen, der als Ansprechperson und Berater für geplante KTI-Projekte zur Verfügung steht. Denn die Logik und Mechanismen eines KTI-Antrags sind nicht ganz einfach zu verstehen. Die Forschung muss  nicht nur praxis- sondern auch marktorientiert sein. Entsprechend werden nur Projekte unterstützt, bei denen ein Business Partner mindestens die Hälfte der Investitionen übernimmt. Dafür erhält dieser in der Regel die Rechte an dem Projektergebnis. Ein überzeugender Businessplan gilt als entscheidend für die positive Beurteilung eines Projektantrags. Die erste grosse Hürde auf dem Weg zu einem erfolgreichen Projektantrag besteht entsprechend darin, einen Geschäftspartner von der Projektidee zu überzeugen. Und dieser muss bereit sein, die Hälfte des Projektaufwands zu leisten. Im Bereich Bibliothekswissenschaft ist es nicht gerade einfach Geschäftspartner zu finden. Für das Projekt Innovationsmonitor haben wir in der Firma Berinfor AG, die auf Beratungen im Hochschulbereich spezialisiert ist, einen überzeugten Partner gefunden. Gemeinsam haben wir das Projekt so ausgerichtet, dass als Ergebnis eine neue Beratungsdienstleistung entwickelt wird, die von der Firma vermarktet werden kann. Ein erster Antrag an die KTI wurde dann aber trotzdem zurückgewiesen. Nach einer gründlichen Überarbeitung gemäss den Empfehlungen der Experten der KTI haben wir nun im zweiten Anlauf eine positive Antwort erhalten. Der offiziell mögliche direkte Kontakt zu den Experten der KTI war dafür sehr wichtig. Zusätzlich zum Umsetzungspartner konnten wir auch noch zwei Bibliotheken als Anwendungspartner gewinnen: Die ZHB Luzern und die UB Bern werden bei der Ausarbeitung der Kriterien und der Entwicklung der Methodik mitmachen und die zu entwickelnde Methodik testen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse konnten wir erfolgreich in die Projektziele integrieren, und auch für die Auswertung und Publikation sind genügend Ressourcen eingeplant. Nun können wir also mit dem frohen Forschen beginnen…

Und ein weiteres KTI-Projekt ist bereits in Planung: es geht dabei um eine Plattform für E-Books. Mehr sei aber an dieser Stelle noch nicht verraten…

weitere Förderinstrumente

Forschungsförderung ist auch über Stiftungen möglich. Doch es ist eine Wissenschaft für sich, die für sein Forschungsprojekt geeignete Stiftung zu finden. Bis jetzt ist mir dies und auch den meisten Kolleginnen und Kollegen noch nicht gelungen. Einer Schweizer Fachhochschule steht auch der Weg über ein EU gefördertes Projekt offen. Beraten werden wir dabei von der Stelle Euresearch, die auch eine Ansprechperson an der Fachhochschule Ostschweiz hat, zu der die HTW Chur gehört. Wobei die Beteiligung an einem EU-Projekt noch zu Jahresbeginn bei der Lancierung des Programms Horizon 2020 deutlich besser aussah als heute. Nach der Annahme der Initiative gegen die Masseneinwanderung können sich Schweizer Hochschulen zwar noch an einem EU-Projekt beteiligen, jedoch muss der Beitrag durch die Schweiz finanziert werden. Was das in der Praxis bedeutet, werden wir noch sehen. Die Projektleitung durch einen Schweizer Partner ist wohl kaum mehr möglich. Aber auch hier lassen wir uns nicht entmutigen und haben weiterhin vor, uns auch auf europäischem Level zu beteiligen. Im Rahmen des erwähnten Network on Libraries in Urban Space möchten wir ein gemeinsames Forschungsprojekt entwickeln. Ein erster Schritt besteht darin, dass wir einen gemeinsamen Workshop veranstalten, für den wir einen Antrag beim SNF als “International Exploratory Workshop” gestellt haben.

So sieht das also aus, wenn wir von der Fachhochschule sagen, wir würden forschen… Wir versuchen uns im Dschungel der Förderinstrumente und administrativen Abläufe zu orientieren, um einen Weg zu finden für die Umsetzung unserer wissenschaftlichen Forschungsinteressen. Wir, das sind die Mitglieder des Forschungsfelds Digitale Bibliotheken am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft: Karsten Schuldt, Bruno Wenk, Ekaterina Vardanyan, Brigitte Lutz und ich (Rudolf Mumenthaler).

 

Handelsgericht gegen Dokumentlieferdienst

Rechtsanwalt Martin Steiger hat in seinem Blog einen bemerkenswerten Kommentar zum Entscheid des Zürcher Handelsgerichts in der Causa STM-Verlage gegen ETH-Bibliothek veröffentlicht.

Dazu ist noch zu ergänzen, dass man diesen Entscheid in erster Instanz durchaus erwartet hat. Man kann davon ausgehen, dass der Entscheid an das Bundesgericht weitergezogen wird, wo die Karten neu verteilt werden. Das Schweizer Urheberrecht erlaubt durchaus auch eine andere Sicht der Dinge. Aus Bibliothekssicht wirft die Begründung des Handelsgerichts (siehe Blogbeitrag steigerlegal) jedoch einige Grundsatzfragen auf, welche ich hier kurz ansprechen möchte:

Dokumentenlieferdienst sei also keine Kernaufgabe von Bibliotheken. Dieser bestehe darin, dass die Dokumente physisch vor Ort bereitgestellt werden, wo die Nutzer sie dann persönlich konsultieren und auszugsweise auch kopieren dürfen. Wir dürfen mit derselben Logik fragen, ob das Angebot elektronischer Ressourcen überhaupt zur Kernaufgabe von Bibliotheken gehört? Zumindest dort, wo es auch Printbestände gibt, sollte das doch genügen.

Das Urteil geht davon aus, dass durch die Bibliotheksdienstleistung kein Mehrwert aus Nutzersicht entsteht, da er genau das gleiche Angebot auch von Verlagsseite kriegt: den elektronischen Zeitschriftenartikel. Der einzige Unterschied bestehe darin, dass man bei der Bibliothek weniger für den Artikel bezahle und dass dadurch dem Verlag ein Geschäft entgehe. Nur: was ist denn mit den Recherchemöglichkeiten, welche die Bibliotheken anbieten? Sei es über die eigene Suchmaschine (z.B. das Wissensportal der ETH-Bibliothek) oder über lizenzierte Datenbanken? Oder wie steht es mit dem Beratungsdienst, der die Nutzer schliesslich das geeignete Dokument finden lässt? Soll die Allgemeinheit auch hier die Kosten für diese Mehrwertdienste tragen, damit der Nutzer dann nochmals für den Artikel bezahlen muss? Dann würde das so einseitige Geschäftsmodell noch um eine Dimension erweitert: die Allgemeinheit zahlt die Verlage nicht nur für die Produktion und den Review wissenschaftlicher Artikel, für die Lizenz der Zeitschriften, sondern auch noch für die Vermittlung der Kunden.

Tja, und somit kann ich jetzt die Brücke schlagen zur Begründung, weshalb wir nicht genug Open Access-Zeitschriften haben können. Wir haben es für unsere eigene Branche in den Händen. Und ich begrüsse die Entwicklung, dass auch der VDB neben der Informationspraxis gerade jetzt eine neue OA-Zeitschrift gründet. Let’s do it! Now!

Weshalb ich bei Informationspraxis mitmache (reblog)

Als vor zwei Jahren die Diskussion um #newLIS wogte, habe auch ich mich  geäussert und bin für eine neue informationswissenschaftliche Zeitschrift eingetreten.  Mehrere Aspekte waren damals für mich wichtig und sind es heute noch: die vorbehaltlose Umsetzung von Open Access, der Einbezug der Community (oder die Community als Trägerschaft), eine international übliche aber im deutschen Sprachraum in unserem Fachgebiet noch seltene Qualitätssicherung, die konsequente Vernetzung mit allen Möglichkeiten des Web 2.0 – kurz die Umsetzung der Anforderungen an moderne wissenschaftliche Kommunikation in unserer eigenen Branche.

Weiterlesen  (im Blog http://www.informationspraxis.de)

Vortrag zur Zukunft von Bibliotheken

Ich war eingeladen, im Rahmen des Jubiläums Goethe-Universität 100 einen Vortrag zur Zukunft von Bibliotheken in der Informationsgesellschaft an der Stadtbücherei Frankfurt a/M zu halten. Erfreulicherweise gelang das Vorhaben der OrganisatorInnen, Bibliothekarinnen und Bibliothekare der Universitätsbibliothek und der Stadtbücherei zusammen mit interessierten NutzerInnen für dieses Thema anzusprechen. Im Anschluss an den Vortrag entstand eine spannende Diskussion. Herzlichen Dank dafür an alle Teilnehmenden!

Es war ja nicht mein erster Vortrag zu diesem Themenkreis. Ich haber aber diesmal einen etwas anderen Zugang gewählt: Ich bin von den klassischen Bibliotheksaufgaben (Sammeln, Katalogisieren/Ordnen, Bereitstellen, Vermitteln) ausgegangen und habe versucht darzustellen, inwiefern die laufenden Entwicklungen diese bibliothekarischen Kernbereiche beeinflussen. Und der Einflüsse sind viele…

Ich möchte hier nur einige bemerkenswerte und meines Erachtens diskussionswürdige Aspekte erwähnen: Auch die klassischen Kernaufgaben müssen wieder überdacht und allenfalls neu interpretiert werden. So hat die Kernaufgabe “Sammeln” sehr direkt mit dem Bestand zu tun. Da aber schon seit einiger Zeit die Abkehr vom Bestand hin zum Angebot postuliert wird (also nicht der Besitz von Information ist entscheidend, sondern dass die Information vermittelt wird), wird man auch die Tätigkeit des Sammelns neu definieren müssen. Der Aspekt des Selektierens relevanter Information (sei es als Grundlage für die Indexierung in einer Suchmaschine, sei es bei der Auswahl freier Inhalte) tritt zusehends in den Vordergrund. Beim Katalogisieren sind es die Bewegungen zum zentralisierten Katalog, bzw. dem Katalog in der Cloud, und die Möglichkeiten von Linked Open Data, die grosse Veränderungen in der Bibliotheksarbeit bedeuten dürften. Bei der Bereitstellung von Information werden Bibliotheken durch die verminderte Zugänglicheit elektronischer Ressourcen vor grosse Herausforderungen gestellt. Und der Vermittlung kommt ohnhin eine immer grössere Bedeutung zu. Gerade auch bei den elektronischen Medien stellt sich die Frage, wie diese für die Nutzer im physischen Raum sichtbar gemacht werden können.

Den neuen Anforderungen an den Bibliotheksraum ist der zweite Teil des Vortrags gewidmet. Hier stellt sich für viele Bibliotheken die Frage, wie unter Spardruck die für die neuen Aufgaben – von Makerspaces bis zu Veranstaltungen, von Leselounges und Cafés bis zu Gruppenarbeitsplätzen – notwendigen Räume bereitgestellt werden können. Und bei Um- und Neubauten haben Bibliothekarinnen und Bibliothekare noch zu oft keinen Einfluss auf die Gestaltung der Räume. Gerade die für die unterschiedlichen Nutzungsformen und das daraus abgleitete Konzept der Zonierung von Bibliotheken stellen hohe Anforderungen an die Akustik der Räumlichkeiten.