Erkenntnisse aus dem Hackathon: Wir brauchen eine Open Data Policy

Ich meldete mich für den ersten Hackathon in der Schweizer Nationalbibliothek an, um zu sehen, was bei einer solchen Veranstaltung genau passiert, welchen Beitrag ich eventuell leisten könnte – und was diese Veranstaltungsform für Bibliotheken bedeuten kann. Überraschenderweise habe ich dann schnell ein Projekt gefunden, an dem ich mich beteiligen konnte. Es ging um die Aufbereitung historischer Karten. Eine Beschreibung des Projekts haben wir im Wiki publiziert: http://make.opendata.ch/wiki/project:oldmaps.

Hier geht es aber nicht um die Inhalte dieses Projekts, sondern um die grundsätzlichen Fragen, die sich mir in Bezug auf die Rolle von Bibliotheken (eventuell allen GLAM-Institutionen, also auch von Archiven, Museen und Galerien) stellen, wenn es um Open Data geht. Wir wollten also digitalisierte historische Karten finden, die als open data bereitgestellt werden sowie die dazu gehörigen Metadaten finden und nutzen. Da ich schon gewisse Erfahrungen mit Karten und Kartensammlungen habe, machte ich mich bei der Suche nach Kartenbeständen nützlich. Dabei sind wir auf verschiedene Hindernisse gestossen:

Technische Aspekte:

  • Die Karten werden in der Regel integriert in eine Plattform angeboten. Sehr schöne Beispiele findet man in e-rara.ch und in e-manuscripta.ch oder in verschiedenen GIS-Plattformen von Kantonen. Hier kann man zwar in hochauflösende Karten zoomen, doch ist die Datei in der Regel nicht direkt zugänglich – und dies wäre für die Nutzung in einer anderen Anwendung notwendig.
  • Auch der automatisierte Zugriff auf Metadaten ist für die Nachnutzung in anderen Plattformen von zentraler Bedeutung. Die Schnittstellen zu den Publikationsplattformen der Bibliotheken oder zu den Bibliothekskatalogen sind aber meistens nicht offen. Für den Hackathon hat die ETH-Bibliothek eine temporär geöffnete Schnittstelle zur Verfügung gestellt, die aber für die Nutzung der Karten-Metadaten nicht ausreichte.

Im Rahmen des Hackathons ist es schon gelungen, an diese Daten zu gelangen, doch war es dafür nötig, Hintertüren zu nutzen, die für eine seriöse Nutzung nicht in Frage kommen.

Rechtliche Aspekte:

  • Erst wenige Dokumente sind explizit unter einer CC-0 Lizenz oder als Public Domain veröffentlicht, wie die Ryhiner-Sammlung der UB Bern (Nutzungsbedingungen). Hier ist eigentlich alles klar, die Nachnutzung möglich – um ein Belegexemplar wird gebeten.
  • Die Plattformen e-rara.ch und e-manuscripta beinhalten einschränkende Nutzungsbedingungen, die von der Open Data Community kritisiert werden. Kommerzielle Nutzung wird hier ausgeschlossen, die Nutzung für Studium und Forschung ist erlaubt. Aber es heisst in den Nutzungsbedingungen: “Die systematische Speicherung auf anderen Servern ist nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung der Gesamtkoordination e-rara.ch möglich.” Gleichzeitig wird auf derselben Seite anerkannt, dass es sich in der Regel um gemeinfreie Werke handle.
  • Hier stellen sich dem seriösen Nutzer, z.B. einer Forscherin oder einem Forscher, die /der die Verbreitung des Kartendrucks untersuchen möchte, Fragen: ist die Nutzung nicht-kommerziell, auch wenn sie eine Publikation in einer kostenpflichtigen Zeitschrift bezweckt? Ist Data oder Text Mining eine Nutzungsform, und wann gilt diese als kommerziell? Diese Fragen gelten auch dann, wenn die Objekte unter einer Creative Commons Lizenz ohne kommerzielle Nutzung (CC-NC) veröffentlicht werden. Die Definition von kommerzieller Nutzung lässt hier unterschiedliche Interpretationen zu. Klar gesagt wird nur, dass unter kommerzieller Nutzung zu verstehen ist, dass der primäre Zweck der Nutzung im kommerziellen Vorteil oder monetärer Kompensation liegt (“primarily intended for or directed toward commercial advantage or monetary compensation”, zitiert nach dem CC-Wiki).
  • Gilt eine allfällige Einschränkung auch für Thumbnails oder nur für grössere Repräsentationen des Werks?
  • Und schliesslich ist auch die Nutzung der Metadaten unsicher: grundsätzlich dürften Metadaten nicht unter das Urheberrecht fallen, da sie keine Schöpfung darstellen.
  • Das Eidgenössische (also Schweizerische) Institut für Geistiges Eigentum hat auf seiner Homepage im Rahmen der FAQs die Frage beantwortet, inwiefern Metadaten durch das schweizerische Urheberrecht geschützt seien:

Metadaten sind durch das Urheberrecht nicht per se geschützt. Sind sie aber an einem Ton-, Tonbild- oder Datenträger angebracht, oder erscheinen sie bei der Wiedergabe, dann dürfte es sich um urheberrechtlich geschützte Informationen für die Wahrnehmung von Rechten (Rights Management Information, RMI) handeln.

  • Die Diskussion um die Freigabe von Bibliotheksmetadaten wurde in Deutschland bereits 2009 geführt (Blogbeitrag Uebertext). Bibliotheken des hbz haben 2010 eine Open Data Policy veröffentlicht, die mittlerweile für den gesamten Verbund gilt. 2011 hat die DINI-AG KIM (Kompetenzzentrum Interoperable Metadaten) eine Empfehlung zur Öffnung bibliothekarischer Daten publiziert. (Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: ich gehe davon aus, dass es noch weitere Beispiele gibt, die ich aber nicht weiter recherchiert habe).
  • In der Schweiz hat die Nationalbibliothek eine Open Data-Strategie veröffentlicht, in der die Metadaten des Katalogs unter der Lizenz CC-0 publiziert werden.

Handlungsempfehlungen

Die hier formulierten Handlungsempfehlungen sind als persönliche Lesson Learnt des Hackathons zu verstehen und dienen dazu, die Diskussion innerhalb der Schweizer Bibliothekscommunity zielgerichtet führen zu können. Damit die Nutzung von Metadaten und von digitalen Objeken aus Schweizer Bibliotheken (und Archiven) im Sinne von Linked Open Data oder in Forschungsprojekten zum Beispiel der Digital Humanities geklärt wird, sollten die Schweizer Bibliotheken eine gemeinsame Open Data Policy verabschieden (möglich z.B. im Rahmen der KUB, der Konferenz der Universitätsbibliotheken). Diese muss die Nutzung der Metadaten freigeben (CC-0) und eine Erklärung dazu enthalten, dass die Digitalisate von Objekten aus der Public Domain möglichst ebenfalls unter einer Creative Commons-Lizenz erfolgen sollte, entweder unter CC-0 oder CC-BY.

Bei der Freigabe der Metadaten stehen die Bibliotheken vor dem Problem, dass die Urhebersachaft der Metadaten oft nicht klar ist. Teilweise wurden Fremddaten übernommen, zum Teil gar käuflich erworben oder sie stammen von anderen Bibliotheken. Öfter zitiert wird das Beispiel der 18th Century Collection online, bei der einige Bibliotheken die Metadaten dieses lizenzierten Produkts in ihre Kataloge eingespielt haben. Hier würden eventuell Lizenzbestimmungen verletzt. Ich wage zu vermuten, dass dies kein wirkliches Problem darstellt, wenn alle Bibliotheken gleichzeitig diese Policy verabschieden. Notfalls müssen diese Bestände von der Veröffentlichung ausgenommen werden. Dann müsste man aber wenigstens für die Zukunft sicherstellen, dass immer auch die freie Nachnutzung der Metadaten in die Lizenzverträge aufgenommen wird – oder solche Kollektionen nicht gekauft werden.

Heikler scheint mir der Punkt mit den digitalen Dokumenten. Hier fragen sich die Bibliotheken berechtigterweise, was denn mit ihren “Schätzen” geschieht, wenn diese frei genutzt, kopiert, aggregiert und anderswo wieder angeboten werden dürfen, wenn möglich sogar noch mit kommerziellem Zweck.

Für Bibliotheken (und Archive) ist es wichtig die Nutzung ihrer Medien nachweisen zu können, in erster Linie gegenüber ihrer Trägerschaft. Solange die Medien auf eigenen Plattformen angeboten werden, kann ihre Nutzung analysiert werden. Allfällige rückläufige Nutzungszahlen vor Ort können dann durch den Nachweis steigender Zugriffe auf die Digitalisate begründet werden. Wenn die Digitalisate vollständig frei gegeben werden, wird das schwierig bis unmöglich. Ich sehe verschiedene Lösungsansätze, die noch nicht ausgereift sind, und die ich hiermit gerne zur Diskussion stelle:

  • Bibliotheken publizieren die Dokumente unter CC-BY, wodurch der Urheber und Besitzer des Originals genannt werden müssen. Auch ein Link auf das Dokument kann hier verlangt werden, wie in der Lizenz CC-BY ausgeführt wird:

If supplied, you must provide the name of the creator and attribution parties, a copyright notice, a license notice, a disclaimer notice, and a link to the material.

  • Oder man integriert (allenfalls zusätzlich) die Metadaten mit dem Besitzernachweis und allenfalls einer DOI in das Dokument selbst. Dann wären a) die Metadaten geschützt und b) die Nachverfolgung der Nutzung auf Websites relativ einfach möglich.
  • Eine Lösung könnte auch darin bestehen, dass die Nutzung auf anderen Plattformen und Websites sowie das Zitieren von Werken aus einem eigenen Bestand getrackt und analysiert werden. Ein entsprechendes Tool müsste wohl noch entwickelt werden.

Schliesslich sollten auch die technischen Voraussetzungen geschaffen werden, dass die frei gegebenen Dokumente auch auf einen offiziellen Weg bezogen und genutzt werden können. Ich denke hier an offene Schnittstellen und gehe davon aus, dass dies im Zusammenhang mit dem Projekt Linked.Swissbib.ch angegangen und gelöst wird. Voraussetzung ist jedoch auch hierfür die rechtliche Freigabe der Metadaten.

 

 

Beitrag im Open Peer Review der Informationspraxis

Ihr könnt euch vorstellen, dass aus meiner Sicht eigentlich alles gesagt ist, was die erste Ausgabe der Informationspraxis angeht. Denn was man heute im Blog und auf allen anderen Kanälen lesen kann, ist für uns ja nur die Spitze des Eisbergs. Wir haben wirklich extrem viel diskutiert, besprochen, wieder verworfen, nochmals versucht und neu formuliert. Das Ergebnis findet ihr im Blogpost. Und ich kann den Mitstreiterinnen und Mitstreitern, die bis zum Schluss (dem Abschluss der Vorbereitungen) durchgehalten haben, von ganzem Herzen danken. Wir wissen auch, dass die Diskussionen noch längst nicht abgeschlossen sind und dass bestimmt noch neue dazu kommen werden.

Ich werde hier nur etwas aus meiner persönlichen Sicht als Co-Autor eines Beitrags sagen, den wir dem Open Peer Review-Verfahren unterziehen lassen. Der Artikel kann als Preprint im Blog der Informationspraxis heruntergeladen und kommentiert werden. Dies ist ja einer der spannenden, neuen Aspekte der Informationspraxis. Mein Co-Autor ist da eher skeptisch und wollte mit der Veröffentlichung warten, bis noch andere Beiträge so weit waren. Um nicht in den Kommentaren zum Beitrag als Ablage für mögliche Unzufriedenheit mit dem Projekt Informationspraxis zu dienen. Oder auch weil noch nicht klar ist, ob die Kommentare im OPR vernünftiger und nützlicher sind als sie es häufig im klassischen Peer Review sind. Ich fand, dass ich als Mitglied der Redaktion mit gutem Beispiel vorangehen möchte und war deshalb dafür, dass wir unseren Beitrag aus dem Seminar zur Bibliothekspolitik auch dem OPR unterziehen. Ich erhoffe mir davon eine gründliche Auseinandersetzung der Community mit dem Beitrag. Es ist also erwünscht, dass ihr den Text gegenlest, kommentiert, Verbesserungsvorschläge und Korrekturen anbringt – und ihn vielleicht auch lobt.

Aus Sicht der Redaktion kann ich noch sagen, dass wir die Kommentare moderieren werden. Wir möchten die Autorinnen und Autoren vor unsachlichen oder beleidigenden Kommentaren schützen. Rein vorsorglich haben wir das so beschlossen. Denn ich gehe doch davon aus, dass die Community der Informationspraktikerinnen und Informationspraktiker in der Lage ist, diese neue Form der Qualitätssicherung verantwortungsbewusst anzuwenden – und den anderen Fachrichtungen zu zeigen, dass OPR eine gute Alternative zum klassischen Peer Review ist.

Bibliotheken und Stadtentwicklung: Artikel im SAB-Info

Mit freundlicher Genehmigung durch die Herausgeber der SAB-Info, der Zeitschrift der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken, die ausschliesslich gedruckt erscheint, veröffentlichen wir hier den in Heft 1/2015 erschienenen Beitrag im Wortlaut.

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler (2015): Bibliotheken und Stadtentwicklung – Internationaler Workshop an der HTW Chur startet Forschungszusammenarbeit. In SAB/CLP Info 36 (1), S.26-27.

Bibliotheken und Stadtentwicklung

Internationaler Workshop an der HTW Chur startet Forschungszusammenarbeit

Mitglieder des interdisziplinären europäischen Network on Libraries in Urban Space diskutierten aktuelle Forschungsfragen und künftige Projekte im Kontext Öffentlicher Bibliotheken im städtischen Raum.

Alle Städte in Europa, nicht nur die Metropolen, verändern sich beständig. Öffentliche Bibliotheken spielen bei diesen Veränderungen eine Rolle, gleichzeitig wirken diese auf sie zurück. Es werden immer wieder Bibliotheken neu- oder umgebaut, die eine stadtplanerische Aufgabe übernehmen sollen. Oft sollen sie Zentren für neue urbane Gemeinschaften darstellen und zur lokalen Identitätsbildung beitragen. Zunehmend werden Bibliotheken als offene Räume gestaltet, um auf die Mannigfaltigkeit der Anforderungen an sie zu reagieren. Damit einher geht eine Veränderung in der bibliothekarischen Programmarbeit.

Forschende aus verschiedenen Disziplinen – allen voran der Bibliothekswissenschaft, Soziologie, Architektur und Stadtplanung – haben ein Interesse an der Frage entwickelt, was genau diese Bibliotheken tun, wie sie wirken und wirken sollen. Anfang 2014 gründete sich auf Initiative aus zwei Departements der HTW Chur (Information und Bau) ein Netzwerk von Forschenden aus der Schweiz, Skandinavien, den Beneluxstaaten und Deutschland. Ziel des Network on Libraries in Urban Space (NLUS) ist es, gemeinsam und aus unterschiedlichen Blickwinkeln die aufkommenden Fragen zu bearbeiten. Dazu werden Forschungsprojekte von einzelnen Mitgliedern als auch des gesamten Netzwerks angestrebt. Im Vordergrund steht eine theoriebasierte Forschungspraxis. Das Netzwerk wird vor allem nach den tatsächlichen Funktionen von Bibliotheken fragen. Die aus dieser Tätigkeit entstehenden Modelle werden die bibliothekarische Praxis besser informieren können als reine Best Practice Beispiele, da sie Erklärungen für das Gelingen oder Nicht-Gelingen von Planungen liefern können.

Vom 11. bis zum 14. November 2014 trafen sich die Mitglieder des Netzwerks an der HTW Chur zu einem ersten gemeinsamen Workshop, der vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt wurde. Forschende aus Norwegen, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz informierten sich gegenseitig über die schon geleistete Forschung und die anstehenden Projekte, diskutierten Forschungsfragen und legten einen Arbeitsplan für die nächsten Monate fest. In drei Arbeitsgruppen wird das Netzwerk nun versuchen, gemeinsam interdisziplinäre Fragestellungen zu den Themen Identität Öffentlicher Bibliotheken, Öffentliche Bibliotheken in lebenswerten Gemeinschaften (livable communities) und zur Wirkung Öffentlicher Bibliotheken zu entwickeln. Sichtbar wurde auf dem Workshop, dass der wahrgenommenen Identität von Städten und Stadtteilen eine wichtige Bedeutung für die Wirkung Öffentlicher Bibliotheken zukommt. Ebenso wurde klar, dass die Wirkung von Bibliotheken nur zum Teil in einfachen Modellen und Zahlen zu fassen ist, sondern in komplexeren Untersuchungen bestimmt werden muss. Als allgemein akzeptierte Diskussionsgrundlage erwiesen sich ein an der Royal School of Library Science in Kopenhagen anhand von dänischen Bibliotheken entwickeltes Modell von vier Hauptfunktionen und damit einhergehend vier Aufgaben des Raumes in modernen Bibliotheken („Four Spaces“).

Workshop Public Libraries and the City (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Neben den möglichen gemeinsamen Forschungsprojekten werden auch kleinere Projekte auf nationaler Ebene angestrebt. Die HTW Chur wird entsprechend studentische und eigene Forschungsprojekte im skizzierten thematischen Schwerpunkt verfolgen. Dafür ist sie, unter Vorbehalt der Finanzierung, an der Zusammenarbeit mit Öffentlichen Bibliotheken der Schweiz interessiert.

Der zweite Workshop des Netzwerks wird im Sommer 2015 in Oslo stattfinden. Informationen zum Netzwerk und die Präsentationen des ersten Workshops sind in Englisch auf www.nlus.eu zu finden.

Dr. Karsten Schuldt / Prof. Rudolf Mumenthaler (HTW Chur)

Digitale Lehrbücher: es bleibt viel zu tun…

Die Ankündigung von Amazon, mit dem Kindle Textbook Creator die Produktion von digitalen Lehrbüchern zu unterstützen (siehe den Beitrag bei engadget.com oder bei Buchreport.de), zeigt auf, wie weit entfernt die aktuell verfügbaren Tools und die Angebote vom Potential sind, das in diesem Bereich eigentlich steckt – und heute schon genutzt werden könnte.

Der Kindle Textbook Creator gibt Lehrkräften die Möglichkeit, PDF-Dokumente einzulesen und anzureichern, um sie dann auf Tablets verfügbar zu machen. Techcrunch schreibt dazu:

“Books built with Amazon’s new tool offer multi-color highlighting for students, as well as built-in notebooks, flashcards for review, dictionaries, and of course multi-platform support, in addition to translating the PDF version of their document into something that works on any reader.”

Das Konzept unterscheidet sich von Apples iBooks Author-Ansatz. Ich fasse kurz zusammen: Amazon bietet ein Tool an, mit dem man PDF-Dokumente von einem Standard zu einem proprietären Format umwandeln kann, das ein bisschen mehr Funktionen bietet als ein PDF mit einer guten App (wie z.B. GoodReader). Wohingegen Apple ein ausgefahrenes Tool bereitstellt, mit dessen Hilfe echt interaktive, multimediale E-Books geschaffen – aber in einem proprietären Format, das nur auf der Apple-Plattform genutzt werden können. Letzteres ist schon länger ein Ärgernis, vor allem weil es immer noch kein vergleichbares Tool gibt, das einen beim Kreieren von offenen interaktiven, multimedialen Lehrbüchern unterstützt. Amazons Initiative scheint ebenfalls den falschen Weg der proprietären Formate zu gehen und bietet zudem nur einen Hauch der heute möglichen Funktionalitäten.

Meine Beurteilung: beide Konzepte sind nicht zukunftstauglich.

Ich möchte hier kurz skizzieren, wie meiner Ansicht nach ein modernes digitales Lehrbuch konzipiert sein muss und schliesse hier an eine frühere Forderung nach dem “idealen E-Book” an, die ich seinerzeit mit meinem Kollegen Bruno Wenk aufgestellt habe. Und die wir seither konzeptionell in vielen Diskussionen noch verfeinert haben.

Also: Ausgangspunkt für ein digitales Lehrbuch ist weder ein gedrucktes Buch noch ein PDF-Dokument, das diesem ja weitgehend entspricht. Grundlage ist auch kein proprietäres Format (also kein iBook und kein Kindle-Format). Wir sind überzeugt, dass ein digitales Lehrbuch auf offenen Standards und auf Webtechnologien basieren muss. Egal, wie das Lehrbuch schliesslich genutzt wird, bieten offene Webstandards alle Voraussetzungen. Studierende können das Lehrbuch dann wahlweise mit dem Browser ihres PCs oder Laptops oder auf dem Tablet oder Smartphone nutzen. Zudem lassen sich die Webinhalte zu einem E-Book im Format EPUB 3 verpacken, das dann wirklich Interaktion und Multimedialität erlaubt, genauso wie es im SCORM-Format als digitale Lerneinheit bereitgestellt werden kann. Ein derartiges E-Book unterstützt entsprechend auch Bring-Your-Own-Device-Strategien, da es echt plattformunabhängig genutzt werden kann. Und ganz nebenbei bietet der Standard EPUB 3 auch tatsächlich barrierefreien Zugang zu den Inhalten.

Das Problem dieses offenen Konzepts besteht darin, dass noch kein Anbieter ein attraktives Geschäftsmodell gefunden hat. Multimedialität und Interaktion findet man ja schon gut – aber wie kann man mit den offenen Formaten Geld verdienen? Die Lösung findet man dann (vermeintlich) in proprietären Formaten und mit nutzerunfreundlichen DRM-Systemen. Wenn wir nun aber die Lehrenden an ihren Hochschulen betrachten, sieht die Sache etwas anders aus: Hier geht es vor allem darum, dass diese bei der Produktion unterstützt werden. Geld verdienen die wenigsten mit ihren Skripts oder Lehrbüchern. Entsprechend wären hier offene Standards und Formate sehr willkommen. Was uns zudem wichtig erscheint, ist der Aspekt, dass die digitalen Lehrbücher eigenen didaktischen Konzepten folgen müssen. Dabei kann auf die vielfältigen Erfahrungen mit E-Learning-Kursen zurückgegriffen werden. Ein guter E-Learning-Kurs bildet auch nicht einfach ein Skript ab, sondern nutzt die Möglichkeiten des Web sinnvoll aus. Für ein digitales Lehrbuch wie es hier skizziert wurde, sind z.B. Grundsätze aus der Webpublikation adaptierbar: gefordert sind kurze Einheiten (html- oder xhtml-Seiten), die didaktisch sinnvoll mit multimedialen und interaktiven Elementen angereichert werden. Deren Produktion wiederum benötigt neue Skills, über die Lehrende nicht einfach so verfügen. Einführungen, Ausbildung und neue Dienstleistungen durch Spezialistinnen oder Spezialisten dürften hier in Zukunft benötigt werden – und könnten Aufgabe von Bibliotheken sein, falls sie sich auf dieses neue Feld des E-Publishing einlassen.

Bei der Unterstützung durch Tools besteht allerdings noch Handlungsbedarf: noch gibt es nur wenige einfach zu bedienende Tools, welche die Produktion von digitalen Lehrbüchern im EPUB 3 unterstützen. Simple E-Books im Standard EPUB 2 (also nicht multimedial und nicht interaktiv) können problemlos mit Tools wie SIGIL oder auch mit Diensten wie Pressbooks hergestellt werden. Eine Herausforderung stellen aber besonders die interaktiven Element dar, die in EPUB 3 entweder mit SGV-Grafiken oder in Javascript programmiert werden müssen. Zurzeit testet mein Kollege Bruno Wenk mit ermutigenden Ergebnissen die Plattform the People’s E-book.

Unsere Vision besteht darin, dass wir interessierten Lehrenden und Hochschulen praxistaugliche freie Tools, Anleitungen zum Erstellen interaktiver und multimedialer E-Books sowie eine Plattform für den Austausch von einzelnen Modulen oder Widgets anbieten können. So wäre es möglich, z.B. ein unter einer CC-Lizenz programmiertes Quiz oder einen Multiple-Choice-Test zu übernehmen und mit eigenen Inhalten leicht anzupassen.

Gedanken zum eigenen Publikationsverhalten

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letztes Blogposting uralt ist. Das Gefühl kennen vermutlich viele Blogger. Da hat man sich vorgenommen sich an aktuellen Diskussionen zu beteiligen, sich öffentlich zu äussern und seine Ideen und Gedanken im Diskurs zu teilen. Und dann passiert Monate lan nichts auf dem Blog, ausser die regelmässigen Spam-Kommentare. Wie kommt das?

Bei mir sehe ich den Hauptgrund in der beschränkten Zeit, die ich mit beruflichen Dingen verbringen kann und will. Es gibt ein Leben abseits von sozialen Medien und Bibliotheksfragen. Diese andere Seite hat in meinem Blog bisher kaum Spuren hinterlassen, ausser die Fotostrecke meiner Alpenwanderung im letzten Jahr. Ich neige dazu, mich nicht allzu zu sehr in persönlichen Angelegenheiten in sozialen Medien zu äussern. Mein Blog dient eher der persönlichen Meinungsäusserung in beruflichen Fragen (auch auf den anderen sozialen Medien bin ich da zurückhaltend und beschränke mich auch auf Facebook auf sporadische Veröffentlichung von Fotos). Dabei werde ich auch im neuen Jahr bleiben: im Blog konzentriere ich mich auf fachliche Beiträge, die aber durchaus öfter auch in Form von Meinungen und Kommentaren publiziert werden sollen.

Ein weiterer Grund für eine gewisse Absenz auf dem eigenen Blog sehe ich in anderen Publikationskanälen, die ich dafür intensiver nutze: da sind doch einige Fachbeiträge, zu denen mich mein Bürokollege gerne animiert. Darunter sind Beiträge in Fachzeitschriften wie LIBREAS, 027.7 oder Informationspraxis, die bereits veröffentlicht wurden oder kurz davor stehen. Weiter gibt es auch mehrere Blogs, in denen ich mich äussern darf oder für die ich Beiträge verfasse: das Blog Informationswissenschaft (http://blog.informationswissenschaft.ch/), das Blog des Infocamps (www.infocamp.ch), das Blog oder die Website der Informationspraxis (www.informationspraxis.de) oder des Network on Libraries in Urban Space (www.nlus.eu). Diese Beiträge wiederhole ich nicht im eigenen Blog, sorge aber für eine Verbreitung auch über meinen Twitter-Account. Tatsächlich haben sich meine fachlichen Aktivitäten kaum im eigenen Blog niedergeschlagen – es gibt keine Einträge zur Informationspraxis, zum Infocamp, zum Horizon Report Library Edition, zur Zukunftswerkstatt oder zum NLUS. Auch die Publikationen finden sich nur in der Bibliografieliste wieder. Da könnte ich vermutlich noch etwas mehr Bezug nehmen ohne den Eindruck von Aufdringlichkeit oder Selbstplagiat zu erwecken. Also: Vorsatz Nummer 2 für 2015: eigene Publikationen und Aktivitäten vermehrt im eigenen Blog reflektieren – aber nicht übertreiben.

Das Blog soll weiterhin einen eigenständigen Charakter behalten und vorwiegend dem fachlichen Diskurs dienen.

Hey – and I started with most blogs in English. The idea was that also colleagues, friends and followers in other countries can follow my postings. That would be another thing I can keep in mind. I will try to publish posts also in English.

And now I start this year with a first posting – even if it contains not very important news. But it reflects my thoughts for the moment. This should be enough – for a blog.

 

Weiterverkauf von E-Books – zwei gegensätzlich Gerichtsurteile

In den letzten Monaten sind zwei widersprüchliche Urteile in Bezug auf den Weiterverkauf von E-Books gefällt worden. Zunächst hat Ende Juli ein Amsterdamer Gericht eine Klage des Verlegerverbands gegen die Plattform Tom Kabinet, auf der E-Books weiterverkauft werden, abgelehnt. Mehr dazu auf Lesen.net. Das holländische Gericht sieht offenbar eine Parallele zum EU-Urteil von 2012, wonach gebrauchte Software weiterverkauft werden darf.

In die entgegengesetzte Richtung deutet die Situation in Deutschland: Hier hat das Oberlandsgericht Hamm den Anbietern von E-Book- und Hörbuch-Downloads das Recht zugesprochen, den Weiterverkauf der Dateien zu untersagen. Ein entsprechendes Urteil des OLG Hamm aus dem Mai dieses Jahres ist Ende August rechtskräftig geworden, nachdem die Verbraucherzentrale das Urteil nicht mehr weiterziehen wollte. Mehr dazu auf heise.de.

Mein Kollege hat mich heute Mittag gefragt, was ich dazu meine… Ich bin der Meinung, dass man ein Produkt, das man kauft, auch weiterverkaufen darf. Und wenn ich ein Produkt nicht kaufe, sondern nur lizenziere, müsste es deutlich billiger zu haben sein. Entsprechend sehe ich hier die Zukunft eher bei den Flatrates für Plattformen, auf denen die NutzerInnen gegen eine Monatsgebühr nach Lust und Laune E-Books lesen dürfen. Wenn jemand das Werk besitzen will, wird er/sie es dann in gedruckter Form kaufen.

Und für Bibliotheken müsste für die Zurverfügungstellung (ich sage nicht Ausleihe…) von E-Books das gleiche Recht gelten wie für gedruckte Bücher. The right to e-read! Und in der Weiterführung des oben skizzierten Szenarios könnten Bibliotheken ebenfalls ihren NutzerInnen einen Zugang zu einer Plattform mit E-Books bieten. Nur stehen sie da in direkter Konkurrenz zu den Verlagen, die z.B. mit Skoobe ein entsprechendes Angebot führen. Und zu den Aggregatoren, die wiederum in Konkurrenz zu den Verlagen stehen (wie z.B. Amazon mit zahlreichen Verlagen). Das wird nicht einfach sein für die Bibliotheken. Aber versuchen sollten wir es trotzdem!

 

 

 

 

Erster Horizon Report > 2014 Library Edition publiziert

Der erste Horizon Report > 2014 Library Edition, der sich mit Trends im Bereich der Wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit befasst, ist veröffentlicht. Er wurde vom New Media Consortium (NMC) in Zusammenarbeit mit der HTW Chur, der ETH-Bibliothek Zürich und der TIB Hannover erstellt. Rund 50 internationale Experten haben die relevanten Themen ausgewählt, diskutiert und bewertet. Mich persönlich hat es sehr gefreut zusammen mit diesen Expertinnen und Experten sowie mit Larry Johnson, Andreas Kirstein und Lambert Heller als “Co-principal Investigators” an diesem spannenden Projekt mitzuwirken. Dem Team vom NMC um Samantha Adams Becker gebührt besonderer Dank für die grosse Arbeit, die sie im Hintergrund geleistet haben. Lanciert wurde der Horizon Report > 2014 Library Edition im Rahmen der IFLA-Konferenz 2014 in Lyon.

Es wurden folgende wichtige Trends ermittelt, die grossen Einfluss auf Wissenschaftliche Bibliotheken haben werden:

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • verstärkter Fokus auf Forschungsdatenmanagement
    • Priorisierung von mobiler Bereitstellung von Information
  • Zeithorizont von 2-3 Jahren:
    • Entwicklungen in der wissenschaftlichen Kommunikation
    • erleichterte Zugänglichkeit von Forschungsinhalten
  • Zeithorizont von 4-5 Jahren:
    • kontinuierlicher Fortschritt in Technologie, Standards und Infrastruktur
    • neue Formen der multidisziplinären Forschung

Bei den für Bibliotheken wichtigsten Technologien wurden je zwei Themen definiert.

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • elektronisches Publizieren (E-Publishing)
    • mobile Apps
  • Zeithorizont 2-3 Jahre:
    • Bibliometrie und Zitationstechnologien
    • offene Inhalte (open content)
  • Zeithorizont 4-5 Jahre:
    • Internet der Dinge (Internet of Things)
    • Semantisches Web und Linked Data

Die Expertinnen und Experten definierten zudem sechs Herausforderungen, vor denen Wissenschaftliche Bibliotheken stehen:

  • Lösbare Herausforderungen:
    • Die Integration der Bibliotheken in die Curricula der Universitäten
    • Neue Aufgaben und Rollen für Bibliothekare
  • Herausforderungen, deren Lösungen bekannt sind:
    • Die Erfassung und Archivierung des digitalen Outputs von Forschung
    • Die Entwicklung und Anwendung alternativer Suchtechnologien
  • Komplexe Herausforderungen, deren Lösung noch unbekannt ist:
    • Die Notwendigkeit zu radikalem Wandel aufgrund technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche
    • Die zunehmende bibliotheksübergreifende Interoperabilität und Zusammenarbeit in Projekten

Im Report wurden diese Themen vom Team des NMC auf der Grundlage  der von den Experten im Wiki geführten Diskussionen vertieft analysiert und mit zahlreichen Beispielen dokumentiert.

Download

Der NMC Horizon Report > 2014 Library Edition ist online via go.nmc.org/2014-arl zugänglich, kostenlos und unter einer Creative Commons Lizenz publiziert, um die breite Verwendung, einfaches Kopieren und breite Streuung zu erleichtern.

Was ist der Horizon Report?

Im Horizon Report werden von internationalen Expertinnen und Experten jeweils neue Technologien, Trends und Herausforderungen identifiziert und beschrieben, die grossen Einfluss auf Lehre und Forschung an Hochschulen haben. Es wurden je sechs Schlüsseltrends, aufkommende Technologien und bedeutende Herausforderungen in Bibliotheken für Zeithorizonte von einem bis fünf Jahren ermittelt. Der Bericht soll Bibliotheksleitungen und den Mitarbeitenden als wertvoller Wegweiser für die strategische Technologieplanung dienen. Dabei werden die Auswirkungen auf die Strategie, das Management und die Praxis von Bibliotheken vertieft analysiert.

 

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Wanderung auf dem Alpenpässe-Weg

Mitte Juli bin ich fünfeinhalb Tage entlang des Alpenpässe-Wegs gewandert – einige Bilder der wunderbaren Landschaften möche ich euch nicht vorenthalten… Gestartet bin ich bei der Station Versam, von wo aus ich noch etwas zurück zum Ende der Rheinschlucht/Ruinalta (bei Chrummwag, 626 m) gegangen und dann dem Rhein entlang hoch bis Luven ob Ilanz gewandert bin. Die zweite Etappe führte auf und ab durchs Val Lumnezia bis nach Sogn Giusep oberhalb Vrin. Am dritten Tag wanderte ich über den Pass Diesrut (2428 m) zur Greina-Hochebene, über den Passo della Greina (2357 m) zur Scaletta-Hütte. Anschliessend ging es hinunter ins Val Camadra nach Olivone (889 m) und dann wieder hoch auf die blumenreiche Ebene bei Dötra (1749 m) zur gemütlichen SAC-Hütte. Am fünften Tag ging es weiter zum Lukmanier-Pass (bei Acquacalda) und wieder hoch zum Passo del Sole (2376 m) und dann weiter durchs etwas übernutzte Val Piora in Richtung Lago Ritom. Allerdings beschloss ich beim Lago Cadagno, dem Rummel beim Lago Ritom auszuweichen und stieg noch 150 m hoch zum Lago di Tom (2022 m). Ich wurde belohnt mit einer der schönsten Landschaften: weisser Sandstrand inmitten eines komplett ruhigen Talkessels. Am folgenden Tag stieg ich zum Lago Ritom hinunter und verliess die offizielle Route, um via Ce nach Airolo zu gelangen. Hier war die Tour dann nach ca. 110 km zu Ende. Und hier also die versprochenen Bilder:

Beitrag Bibliotheksverbünde: fehlender Text in der Einleitung

Eben haben wir bemerkt, dass in der HTML- und EPUB-Version des Beitrags der einleitende Text verloren gegangen ist. Die Kollegen von 027.7 werden dies sicher bald beheben. In der PDF-Version ist der Text enthalten.

Nach 1. Einleitung sollte folgender Text erscheinen:

Die Landschaft der schweizerischen Bibliotheksverbünde steht offenbar vor einem Umbruch. In den letzten Monaten verdichten sich in der Bibliotheksszene die Gerüchte, dass der IDS Basel und der IDS Bern den Beitritt zum NEBIS-Verbund beziehungsweise zu einem gemeinsamen Verbund mit dem NEBIS beschlossen hätten, zudem hat der Grand Conseil des Kanton Waadt den Austritt aus dem RERO beschlossen – ohne darüber offiziell zu informieren. Im Aargauer Bibliotheksnetz werden Grundsatzdiskussionen über die Zukunft des Verbundes geführt. Und dies sind nur die Entwicklungen, die (zumindest teilweise) öffentlich sichtbar sind. Die dabei gefällten oder sich noch in der Diskussion befindlichen Entscheidungen haben weitreichende Folgen für die Schweizer Verbundslandschaft in einer Zeit, in der sich im bibliothekarischen Umfeld tiefgreifende technische, gesellschaftliche und politische Veränderungen abspielen, die sich wiederum auf die Zusammenarbeit von Bibliotheken auswirken.

Dann geht es weiter im Text…

Zur Zukunft der Schweizer Bibliotheksverbünde

Für die vierte Ausgabe (Bd. 2, No.1) von 027.7, der Open Access-Zeitschrift für Bibliothekskultur, haben Karsten Schuldt und ich einen Beitrag verfasst, der die öffentliche Diskussion über die Zukunft von Bibliotheksverbünden auch in der Schweiz lancieren soll. Es freut mich, dass es somit zu einer Zusammenarbeit zwischen den OA-Journals 027.7, LIBREAS und der  Informationspraxis gekommen ist. Den Kollegen Bernhard Herrlich, Andreas Ledl und David Tréfás von der 027.7 danke ich für die Aufnahme unserer Publikation in das Themenheft zu Konsortien und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit ihrer Zeitschrift! Karsten Schuldt, Bürokollege an der HTW Chur und Redaktor der LIBREAS, danke ich für die Idee zum Artikel und seinen massgeblichen Beitrag. Wir hoffen, dass es uns damit gelingt, die bisher hinter verschlossenen Türen im Kontext einzelner Verbünde geführten Diskussionen auf eine allgemeine Ebene und in die Community tragen zu können.

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler: Vor welchen Veränderungen steht die schweizerische Verbundslandschaft? In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 2,1 (2014): Konsortien & Konsorten, S. 5-11.

DOI: 10.12685/027.7-2-1-47

Abstract

Die schweizerische Verbundslandschaft steht vor Umbrüchen. Grund sind technische und politische Entwicklungen, Diskussionen und Entscheidungen in Bibliotheken und Bibliotheksverbünden sowie die Veränderungen im Umfeld von Bibliotheken im Allgemeinen. Dieser Text stellt Argumente zusammen und fordert zur Diskussion dieser Situation auf. Bibliotheken sollten sich darüber klar werden, welche Verbünde, mit welchen Aufgaben und welchen Steuerungsformen, sie in Zukunft haben wollen.

In Switzerland, the landscape of union catalogues and their hosting consortia has recently been in turmoil. Technical and political changes, discussions and decisions in libraries and library consortia, as well as the evolution of libraries at large have led to this situation. The following text summarizes arguments, but is also a call for discussion in which Swiss libraries should elaborate positions concerning future consortia and union catalogues, their responsibilities and governance.

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