Bibliotheken und Stadtentwicklung: Artikel im SAB-Info

Mit freundlicher Genehmigung durch die Herausgeber der SAB-Info, der Zeitschrift der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der allgemeinen öffentlichen Bibliotheken, die ausschliesslich gedruckt erscheint, veröffentlichen wir hier den in Heft 1/2015 erschienenen Beitrag im Wortlaut.

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler (2015): Bibliotheken und Stadtentwicklung – Internationaler Workshop an der HTW Chur startet Forschungszusammenarbeit. In SAB/CLP Info 36 (1), S.26-27.

Bibliotheken und Stadtentwicklung

Internationaler Workshop an der HTW Chur startet Forschungszusammenarbeit

Mitglieder des interdisziplinären europäischen Network on Libraries in Urban Space diskutierten aktuelle Forschungsfragen und künftige Projekte im Kontext Öffentlicher Bibliotheken im städtischen Raum.

Alle Städte in Europa, nicht nur die Metropolen, verändern sich beständig. Öffentliche Bibliotheken spielen bei diesen Veränderungen eine Rolle, gleichzeitig wirken diese auf sie zurück. Es werden immer wieder Bibliotheken neu- oder umgebaut, die eine stadtplanerische Aufgabe übernehmen sollen. Oft sollen sie Zentren für neue urbane Gemeinschaften darstellen und zur lokalen Identitätsbildung beitragen. Zunehmend werden Bibliotheken als offene Räume gestaltet, um auf die Mannigfaltigkeit der Anforderungen an sie zu reagieren. Damit einher geht eine Veränderung in der bibliothekarischen Programmarbeit.

Forschende aus verschiedenen Disziplinen – allen voran der Bibliothekswissenschaft, Soziologie, Architektur und Stadtplanung – haben ein Interesse an der Frage entwickelt, was genau diese Bibliotheken tun, wie sie wirken und wirken sollen. Anfang 2014 gründete sich auf Initiative aus zwei Departements der HTW Chur (Information und Bau) ein Netzwerk von Forschenden aus der Schweiz, Skandinavien, den Beneluxstaaten und Deutschland. Ziel des Network on Libraries in Urban Space (NLUS) ist es, gemeinsam und aus unterschiedlichen Blickwinkeln die aufkommenden Fragen zu bearbeiten. Dazu werden Forschungsprojekte von einzelnen Mitgliedern als auch des gesamten Netzwerks angestrebt. Im Vordergrund steht eine theoriebasierte Forschungspraxis. Das Netzwerk wird vor allem nach den tatsächlichen Funktionen von Bibliotheken fragen. Die aus dieser Tätigkeit entstehenden Modelle werden die bibliothekarische Praxis besser informieren können als reine Best Practice Beispiele, da sie Erklärungen für das Gelingen oder Nicht-Gelingen von Planungen liefern können.

Vom 11. bis zum 14. November 2014 trafen sich die Mitglieder des Netzwerks an der HTW Chur zu einem ersten gemeinsamen Workshop, der vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützt wurde. Forschende aus Norwegen, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz informierten sich gegenseitig über die schon geleistete Forschung und die anstehenden Projekte, diskutierten Forschungsfragen und legten einen Arbeitsplan für die nächsten Monate fest. In drei Arbeitsgruppen wird das Netzwerk nun versuchen, gemeinsam interdisziplinäre Fragestellungen zu den Themen Identität Öffentlicher Bibliotheken, Öffentliche Bibliotheken in lebenswerten Gemeinschaften (livable communities) und zur Wirkung Öffentlicher Bibliotheken zu entwickeln. Sichtbar wurde auf dem Workshop, dass der wahrgenommenen Identität von Städten und Stadtteilen eine wichtige Bedeutung für die Wirkung Öffentlicher Bibliotheken zukommt. Ebenso wurde klar, dass die Wirkung von Bibliotheken nur zum Teil in einfachen Modellen und Zahlen zu fassen ist, sondern in komplexeren Untersuchungen bestimmt werden muss. Als allgemein akzeptierte Diskussionsgrundlage erwiesen sich ein an der Royal School of Library Science in Kopenhagen anhand von dänischen Bibliotheken entwickeltes Modell von vier Hauptfunktionen und damit einhergehend vier Aufgaben des Raumes in modernen Bibliotheken („Four Spaces“).

Workshop Public Libraries and the City (Foto: Rudolf Mumenthaler)

Neben den möglichen gemeinsamen Forschungsprojekten werden auch kleinere Projekte auf nationaler Ebene angestrebt. Die HTW Chur wird entsprechend studentische und eigene Forschungsprojekte im skizzierten thematischen Schwerpunkt verfolgen. Dafür ist sie, unter Vorbehalt der Finanzierung, an der Zusammenarbeit mit Öffentlichen Bibliotheken der Schweiz interessiert.

Der zweite Workshop des Netzwerks wird im Sommer 2015 in Oslo stattfinden. Informationen zum Netzwerk und die Präsentationen des ersten Workshops sind in Englisch auf www.nlus.eu zu finden.

Dr. Karsten Schuldt / Prof. Rudolf Mumenthaler (HTW Chur)

Digitale Lehrbücher: es bleibt viel zu tun…

Die Ankündigung von Amazon, mit dem Kindle Textbook Creator die Produktion von digitalen Lehrbüchern zu unterstützen (siehe den Beitrag bei engadget.com oder bei Buchreport.de), zeigt auf, wie weit entfernt die aktuell verfügbaren Tools und die Angebote vom Potential sind, das in diesem Bereich eigentlich steckt – und heute schon genutzt werden könnte.

Der Kindle Textbook Creator gibt Lehrkräften die Möglichkeit, PDF-Dokumente einzulesen und anzureichern, um sie dann auf Tablets verfügbar zu machen. Techcrunch schreibt dazu:

“Books built with Amazon’s new tool offer multi-color highlighting for students, as well as built-in notebooks, flashcards for review, dictionaries, and of course multi-platform support, in addition to translating the PDF version of their document into something that works on any reader.”

Das Konzept unterscheidet sich von Apples iBooks Author-Ansatz. Ich fasse kurz zusammen: Amazon bietet ein Tool an, mit dem man PDF-Dokumente von einem Standard zu einem proprietären Format umwandeln kann, das ein bisschen mehr Funktionen bietet als ein PDF mit einer guten App (wie z.B. GoodReader). Wohingegen Apple ein ausgefahrenes Tool bereitstellt, mit dessen Hilfe echt interaktive, multimediale E-Books geschaffen – aber in einem proprietären Format, das nur auf der Apple-Plattform genutzt werden können. Letzteres ist schon länger ein Ärgernis, vor allem weil es immer noch kein vergleichbares Tool gibt, das einen beim Kreieren von offenen interaktiven, multimedialen Lehrbüchern unterstützt. Amazons Initiative scheint ebenfalls den falschen Weg der proprietären Formate zu gehen und bietet zudem nur einen Hauch der heute möglichen Funktionalitäten.

Meine Beurteilung: beide Konzepte sind nicht zukunftstauglich.

Ich möchte hier kurz skizzieren, wie meiner Ansicht nach ein modernes digitales Lehrbuch konzipiert sein muss und schliesse hier an eine frühere Forderung nach dem “idealen E-Book” an, die ich seinerzeit mit meinem Kollegen Bruno Wenk aufgestellt habe. Und die wir seither konzeptionell in vielen Diskussionen noch verfeinert haben.

Also: Ausgangspunkt für ein digitales Lehrbuch ist weder ein gedrucktes Buch noch ein PDF-Dokument, das diesem ja weitgehend entspricht. Grundlage ist auch kein proprietäres Format (also kein iBook und kein Kindle-Format). Wir sind überzeugt, dass ein digitales Lehrbuch auf offenen Standards und auf Webtechnologien basieren muss. Egal, wie das Lehrbuch schliesslich genutzt wird, bieten offene Webstandards alle Voraussetzungen. Studierende können das Lehrbuch dann wahlweise mit dem Browser ihres PCs oder Laptops oder auf dem Tablet oder Smartphone nutzen. Zudem lassen sich die Webinhalte zu einem E-Book im Format EPUB 3 verpacken, das dann wirklich Interaktion und Multimedialität erlaubt, genauso wie es im SCORM-Format als digitale Lerneinheit bereitgestellt werden kann. Ein derartiges E-Book unterstützt entsprechend auch Bring-Your-Own-Device-Strategien, da es echt plattformunabhängig genutzt werden kann. Und ganz nebenbei bietet der Standard EPUB 3 auch tatsächlich barrierefreien Zugang zu den Inhalten.

Das Problem dieses offenen Konzepts besteht darin, dass noch kein Anbieter ein attraktives Geschäftsmodell gefunden hat. Multimedialität und Interaktion findet man ja schon gut – aber wie kann man mit den offenen Formaten Geld verdienen? Die Lösung findet man dann (vermeintlich) in proprietären Formaten und mit nutzerunfreundlichen DRM-Systemen. Wenn wir nun aber die Lehrenden an ihren Hochschulen betrachten, sieht die Sache etwas anders aus: Hier geht es vor allem darum, dass diese bei der Produktion unterstützt werden. Geld verdienen die wenigsten mit ihren Skripts oder Lehrbüchern. Entsprechend wären hier offene Standards und Formate sehr willkommen. Was uns zudem wichtig erscheint, ist der Aspekt, dass die digitalen Lehrbücher eigenen didaktischen Konzepten folgen müssen. Dabei kann auf die vielfältigen Erfahrungen mit E-Learning-Kursen zurückgegriffen werden. Ein guter E-Learning-Kurs bildet auch nicht einfach ein Skript ab, sondern nutzt die Möglichkeiten des Web sinnvoll aus. Für ein digitales Lehrbuch wie es hier skizziert wurde, sind z.B. Grundsätze aus der Webpublikation adaptierbar: gefordert sind kurze Einheiten (html- oder xhtml-Seiten), die didaktisch sinnvoll mit multimedialen und interaktiven Elementen angereichert werden. Deren Produktion wiederum benötigt neue Skills, über die Lehrende nicht einfach so verfügen. Einführungen, Ausbildung und neue Dienstleistungen durch Spezialistinnen oder Spezialisten dürften hier in Zukunft benötigt werden – und könnten Aufgabe von Bibliotheken sein, falls sie sich auf dieses neue Feld des E-Publishing einlassen.

Bei der Unterstützung durch Tools besteht allerdings noch Handlungsbedarf: noch gibt es nur wenige einfach zu bedienende Tools, welche die Produktion von digitalen Lehrbüchern im EPUB 3 unterstützen. Simple E-Books im Standard EPUB 2 (also nicht multimedial und nicht interaktiv) können problemlos mit Tools wie SIGIL oder auch mit Diensten wie Pressbooks hergestellt werden. Eine Herausforderung stellen aber besonders die interaktiven Element dar, die in EPUB 3 entweder mit SGV-Grafiken oder in Javascript programmiert werden müssen. Zurzeit testet mein Kollege Bruno Wenk mit ermutigenden Ergebnissen die Plattform the People’s E-book.

Unsere Vision besteht darin, dass wir interessierten Lehrenden und Hochschulen praxistaugliche freie Tools, Anleitungen zum Erstellen interaktiver und multimedialer E-Books sowie eine Plattform für den Austausch von einzelnen Modulen oder Widgets anbieten können. So wäre es möglich, z.B. ein unter einer CC-Lizenz programmiertes Quiz oder einen Multiple-Choice-Test zu übernehmen und mit eigenen Inhalten leicht anzupassen.

Gedanken zum eigenen Publikationsverhalten

Mit Schrecken habe ich festgestellt, dass mein letztes Blogposting uralt ist. Das Gefühl kennen vermutlich viele Blogger. Da hat man sich vorgenommen sich an aktuellen Diskussionen zu beteiligen, sich öffentlich zu äussern und seine Ideen und Gedanken im Diskurs zu teilen. Und dann passiert Monate lan nichts auf dem Blog, ausser die regelmässigen Spam-Kommentare. Wie kommt das?

Bei mir sehe ich den Hauptgrund in der beschränkten Zeit, die ich mit beruflichen Dingen verbringen kann und will. Es gibt ein Leben abseits von sozialen Medien und Bibliotheksfragen. Diese andere Seite hat in meinem Blog bisher kaum Spuren hinterlassen, ausser die Fotostrecke meiner Alpenwanderung im letzten Jahr. Ich neige dazu, mich nicht allzu zu sehr in persönlichen Angelegenheiten in sozialen Medien zu äussern. Mein Blog dient eher der persönlichen Meinungsäusserung in beruflichen Fragen (auch auf den anderen sozialen Medien bin ich da zurückhaltend und beschränke mich auch auf Facebook auf sporadische Veröffentlichung von Fotos). Dabei werde ich auch im neuen Jahr bleiben: im Blog konzentriere ich mich auf fachliche Beiträge, die aber durchaus öfter auch in Form von Meinungen und Kommentaren publiziert werden sollen.

Ein weiterer Grund für eine gewisse Absenz auf dem eigenen Blog sehe ich in anderen Publikationskanälen, die ich dafür intensiver nutze: da sind doch einige Fachbeiträge, zu denen mich mein Bürokollege gerne animiert. Darunter sind Beiträge in Fachzeitschriften wie LIBREAS, 027.7 oder Informationspraxis, die bereits veröffentlicht wurden oder kurz davor stehen. Weiter gibt es auch mehrere Blogs, in denen ich mich äussern darf oder für die ich Beiträge verfasse: das Blog Informationswissenschaft (http://blog.informationswissenschaft.ch/), das Blog des Infocamps (www.infocamp.ch), das Blog oder die Website der Informationspraxis (www.informationspraxis.de) oder des Network on Libraries in Urban Space (www.nlus.eu). Diese Beiträge wiederhole ich nicht im eigenen Blog, sorge aber für eine Verbreitung auch über meinen Twitter-Account. Tatsächlich haben sich meine fachlichen Aktivitäten kaum im eigenen Blog niedergeschlagen – es gibt keine Einträge zur Informationspraxis, zum Infocamp, zum Horizon Report Library Edition, zur Zukunftswerkstatt oder zum NLUS. Auch die Publikationen finden sich nur in der Bibliografieliste wieder. Da könnte ich vermutlich noch etwas mehr Bezug nehmen ohne den Eindruck von Aufdringlichkeit oder Selbstplagiat zu erwecken. Also: Vorsatz Nummer 2 für 2015: eigene Publikationen und Aktivitäten vermehrt im eigenen Blog reflektieren – aber nicht übertreiben.

Das Blog soll weiterhin einen eigenständigen Charakter behalten und vorwiegend dem fachlichen Diskurs dienen.

Hey – and I started with most blogs in English. The idea was that also colleagues, friends and followers in other countries can follow my postings. That would be another thing I can keep in mind. I will try to publish posts also in English.

And now I start this year with a first posting – even if it contains not very important news. But it reflects my thoughts for the moment. This should be enough – for a blog.

 

Weiterverkauf von E-Books – zwei gegensätzlich Gerichtsurteile

In den letzten Monaten sind zwei widersprüchliche Urteile in Bezug auf den Weiterverkauf von E-Books gefällt worden. Zunächst hat Ende Juli ein Amsterdamer Gericht eine Klage des Verlegerverbands gegen die Plattform Tom Kabinet, auf der E-Books weiterverkauft werden, abgelehnt. Mehr dazu auf Lesen.net. Das holländische Gericht sieht offenbar eine Parallele zum EU-Urteil von 2012, wonach gebrauchte Software weiterverkauft werden darf.

In die entgegengesetzte Richtung deutet die Situation in Deutschland: Hier hat das Oberlandsgericht Hamm den Anbietern von E-Book- und Hörbuch-Downloads das Recht zugesprochen, den Weiterverkauf der Dateien zu untersagen. Ein entsprechendes Urteil des OLG Hamm aus dem Mai dieses Jahres ist Ende August rechtskräftig geworden, nachdem die Verbraucherzentrale das Urteil nicht mehr weiterziehen wollte. Mehr dazu auf heise.de.

Mein Kollege hat mich heute Mittag gefragt, was ich dazu meine… Ich bin der Meinung, dass man ein Produkt, das man kauft, auch weiterverkaufen darf. Und wenn ich ein Produkt nicht kaufe, sondern nur lizenziere, müsste es deutlich billiger zu haben sein. Entsprechend sehe ich hier die Zukunft eher bei den Flatrates für Plattformen, auf denen die NutzerInnen gegen eine Monatsgebühr nach Lust und Laune E-Books lesen dürfen. Wenn jemand das Werk besitzen will, wird er/sie es dann in gedruckter Form kaufen.

Und für Bibliotheken müsste für die Zurverfügungstellung (ich sage nicht Ausleihe…) von E-Books das gleiche Recht gelten wie für gedruckte Bücher. The right to e-read! Und in der Weiterführung des oben skizzierten Szenarios könnten Bibliotheken ebenfalls ihren NutzerInnen einen Zugang zu einer Plattform mit E-Books bieten. Nur stehen sie da in direkter Konkurrenz zu den Verlagen, die z.B. mit Skoobe ein entsprechendes Angebot führen. Und zu den Aggregatoren, die wiederum in Konkurrenz zu den Verlagen stehen (wie z.B. Amazon mit zahlreichen Verlagen). Das wird nicht einfach sein für die Bibliotheken. Aber versuchen sollten wir es trotzdem!

 

 

 

 

Erster Horizon Report > 2014 Library Edition publiziert

Der erste Horizon Report > 2014 Library Edition, der sich mit Trends im Bereich der Wissenschaftlichen Bibliotheken weltweit befasst, ist veröffentlicht. Er wurde vom New Media Consortium (NMC) in Zusammenarbeit mit der HTW Chur, der ETH-Bibliothek Zürich und der TIB Hannover erstellt. Rund 50 internationale Experten haben die relevanten Themen ausgewählt, diskutiert und bewertet. Mich persönlich hat es sehr gefreut zusammen mit diesen Expertinnen und Experten sowie mit Larry Johnson, Andreas Kirstein und Lambert Heller als “Co-principal Investigators” an diesem spannenden Projekt mitzuwirken. Dem Team vom NMC um Samantha Adams Becker gebührt besonderer Dank für die grosse Arbeit, die sie im Hintergrund geleistet haben. Lanciert wurde der Horizon Report > 2014 Library Edition im Rahmen der IFLA-Konferenz 2014 in Lyon.

Es wurden folgende wichtige Trends ermittelt, die grossen Einfluss auf Wissenschaftliche Bibliotheken haben werden:

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • verstärkter Fokus auf Forschungsdatenmanagement
    • Priorisierung von mobiler Bereitstellung von Information
  • Zeithorizont von 2-3 Jahren:
    • Entwicklungen in der wissenschaftlichen Kommunikation
    • erleichterte Zugänglichkeit von Forschungsinhalten
  • Zeithorizont von 4-5 Jahren:
    • kontinuierlicher Fortschritt in Technologie, Standards und Infrastruktur
    • neue Formen der multidisziplinären Forschung

Bei den für Bibliotheken wichtigsten Technologien wurden je zwei Themen definiert.

  • Zeithorizont 1 Jahr:
    • elektronisches Publizieren (E-Publishing)
    • mobile Apps
  • Zeithorizont 2-3 Jahre:
    • Bibliometrie und Zitationstechnologien
    • offene Inhalte (open content)
  • Zeithorizont 4-5 Jahre:
    • Internet der Dinge (Internet of Things)
    • Semantisches Web und Linked Data

Die Expertinnen und Experten definierten zudem sechs Herausforderungen, vor denen Wissenschaftliche Bibliotheken stehen:

  • Lösbare Herausforderungen:
    • Die Integration der Bibliotheken in die Curricula der Universitäten
    • Neue Aufgaben und Rollen für Bibliothekare
  • Herausforderungen, deren Lösungen bekannt sind:
    • Die Erfassung und Archivierung des digitalen Outputs von Forschung
    • Die Entwicklung und Anwendung alternativer Suchtechnologien
  • Komplexe Herausforderungen, deren Lösung noch unbekannt ist:
    • Die Notwendigkeit zu radikalem Wandel aufgrund technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche
    • Die zunehmende bibliotheksübergreifende Interoperabilität und Zusammenarbeit in Projekten

Im Report wurden diese Themen vom Team des NMC auf der Grundlage  der von den Experten im Wiki geführten Diskussionen vertieft analysiert und mit zahlreichen Beispielen dokumentiert.

Download

Der NMC Horizon Report > 2014 Library Edition ist online via go.nmc.org/2014-arl zugänglich, kostenlos und unter einer Creative Commons Lizenz publiziert, um die breite Verwendung, einfaches Kopieren und breite Streuung zu erleichtern.

Was ist der Horizon Report?

Im Horizon Report werden von internationalen Expertinnen und Experten jeweils neue Technologien, Trends und Herausforderungen identifiziert und beschrieben, die grossen Einfluss auf Lehre und Forschung an Hochschulen haben. Es wurden je sechs Schlüsseltrends, aufkommende Technologien und bedeutende Herausforderungen in Bibliotheken für Zeithorizonte von einem bis fünf Jahren ermittelt. Der Bericht soll Bibliotheksleitungen und den Mitarbeitenden als wertvoller Wegweiser für die strategische Technologieplanung dienen. Dabei werden die Auswirkungen auf die Strategie, das Management und die Praxis von Bibliotheken vertieft analysiert.

 

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Wanderung auf dem Alpenpässe-Weg

Mitte Juli bin ich fünfeinhalb Tage entlang des Alpenpässe-Wegs gewandert – einige Bilder der wunderbaren Landschaften möche ich euch nicht vorenthalten… Gestartet bin ich bei der Station Versam, von wo aus ich noch etwas zurück zum Ende der Rheinschlucht/Ruinalta (bei Chrummwag, 626 m) gegangen und dann dem Rhein entlang hoch bis Luven ob Ilanz gewandert bin. Die zweite Etappe führte auf und ab durchs Val Lumnezia bis nach Sogn Giusep oberhalb Vrin. Am dritten Tag wanderte ich über den Pass Diesrut (2428 m) zur Greina-Hochebene, über den Passo della Greina (2357 m) zur Scaletta-Hütte. Anschliessend ging es hinunter ins Val Camadra nach Olivone (889 m) und dann wieder hoch auf die blumenreiche Ebene bei Dötra (1749 m) zur gemütlichen SAC-Hütte. Am fünften Tag ging es weiter zum Lukmanier-Pass (bei Acquacalda) und wieder hoch zum Passo del Sole (2376 m) und dann weiter durchs etwas übernutzte Val Piora in Richtung Lago Ritom. Allerdings beschloss ich beim Lago Cadagno, dem Rummel beim Lago Ritom auszuweichen und stieg noch 150 m hoch zum Lago di Tom (2022 m). Ich wurde belohnt mit einer der schönsten Landschaften: weisser Sandstrand inmitten eines komplett ruhigen Talkessels. Am folgenden Tag stieg ich zum Lago Ritom hinunter und verliess die offizielle Route, um via Ce nach Airolo zu gelangen. Hier war die Tour dann nach ca. 110 km zu Ende. Und hier also die versprochenen Bilder:

Beitrag Bibliotheksverbünde: fehlender Text in der Einleitung

Eben haben wir bemerkt, dass in der HTML- und EPUB-Version des Beitrags der einleitende Text verloren gegangen ist. Die Kollegen von 027.7 werden dies sicher bald beheben. In der PDF-Version ist der Text enthalten.

Nach 1. Einleitung sollte folgender Text erscheinen:

Die Landschaft der schweizerischen Bibliotheksverbünde steht offenbar vor einem Umbruch. In den letzten Monaten verdichten sich in der Bibliotheksszene die Gerüchte, dass der IDS Basel und der IDS Bern den Beitritt zum NEBIS-Verbund beziehungsweise zu einem gemeinsamen Verbund mit dem NEBIS beschlossen hätten, zudem hat der Grand Conseil des Kanton Waadt den Austritt aus dem RERO beschlossen – ohne darüber offiziell zu informieren. Im Aargauer Bibliotheksnetz werden Grundsatzdiskussionen über die Zukunft des Verbundes geführt. Und dies sind nur die Entwicklungen, die (zumindest teilweise) öffentlich sichtbar sind. Die dabei gefällten oder sich noch in der Diskussion befindlichen Entscheidungen haben weitreichende Folgen für die Schweizer Verbundslandschaft in einer Zeit, in der sich im bibliothekarischen Umfeld tiefgreifende technische, gesellschaftliche und politische Veränderungen abspielen, die sich wiederum auf die Zusammenarbeit von Bibliotheken auswirken.

Dann geht es weiter im Text…

Zur Zukunft der Schweizer Bibliotheksverbünde

Für die vierte Ausgabe (Bd. 2, No.1) von 027.7, der Open Access-Zeitschrift für Bibliothekskultur, haben Karsten Schuldt und ich einen Beitrag verfasst, der die öffentliche Diskussion über die Zukunft von Bibliotheksverbünden auch in der Schweiz lancieren soll. Es freut mich, dass es somit zu einer Zusammenarbeit zwischen den OA-Journals 027.7, LIBREAS und der  Informationspraxis gekommen ist. Den Kollegen Bernhard Herrlich, Andreas Ledl und David Tréfás von der 027.7 danke ich für die Aufnahme unserer Publikation in das Themenheft zu Konsortien und wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit ihrer Zeitschrift! Karsten Schuldt, Bürokollege an der HTW Chur und Redaktor der LIBREAS, danke ich für die Idee zum Artikel und seinen massgeblichen Beitrag. Wir hoffen, dass es uns damit gelingt, die bisher hinter verschlossenen Türen im Kontext einzelner Verbünde geführten Diskussionen auf eine allgemeine Ebene und in die Community tragen zu können.

Karsten Schuldt, Rudolf Mumenthaler: Vor welchen Veränderungen steht die schweizerische Verbundslandschaft? In: 027.7 Zeitschrift für Bibliothekskultur 2,1 (2014): Konsortien & Konsorten, S. 5-11.

DOI: 10.12685/027.7-2-1-47

Abstract

Die schweizerische Verbundslandschaft steht vor Umbrüchen. Grund sind technische und politische Entwicklungen, Diskussionen und Entscheidungen in Bibliotheken und Bibliotheksverbünden sowie die Veränderungen im Umfeld von Bibliotheken im Allgemeinen. Dieser Text stellt Argumente zusammen und fordert zur Diskussion dieser Situation auf. Bibliotheken sollten sich darüber klar werden, welche Verbünde, mit welchen Aufgaben und welchen Steuerungsformen, sie in Zukunft haben wollen.

In Switzerland, the landscape of union catalogues and their hosting consortia has recently been in turmoil. Technical and political changes, discussions and decisions in libraries and library consortia, as well as the evolution of libraries at large have led to this situation. The following text summarizes arguments, but is also a call for discussion in which Swiss libraries should elaborate positions concerning future consortia and union catalogues, their responsibilities and governance.

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Projekt Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken kann starten

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: der Antrag für das Projekt Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken wurde von der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) genehmigt! Ich möchte hier im Blog für Aussenstehende etwas erläutern, wie Forschung an einer Schweizer Fachhochschule und speziell mit KTI-Förderung funktioniert. Mehr zum Inhalt des Projekts gibt es auf der Website der HTW Chur.

Forschung an einer Fachhochschule

Haben Sie sich das auch so vorgestellt, dass man als Professor an einer Fachhochschule einfach eine gute Idee für ein Forschungsprojekt braucht und diese dann nach wissenschaftlichen Kriterien umsetzt? Mir ging es jedenfalls so, als ich noch in der Bibliothekspraxis tätig war (beinahe hätte ich “Informationspraxis” geschrieben…). Doch die Forschungsrealität zumindest an Schweizer Fachhochschulen sieht anders aus (und heute soll sie auch an Universitäten nicht mehr dem oben beschriebenen Bild entsprechen). Forschung bedeutet in erster Linie Drittmittel einzuwerben. Aus eigenen Mitteln leisten Fachhochschulen vor allem die Anschubfinanzierung zur Ausarbeitung von Projektanträgen, die dann bei Förderorganisationen oder Stiftungen eingereicht werden. Oder für die ein konkreter Auftrag besteht. Für mich als Forschenden bedeutet dies, dass Ideen für Forschungsprojekte sehr früh schon nach dem Kriterium “Drittmittelperspektive” gefiltert werden (müssen). Wenn ich das nicht mache, dann wird das höchstwahrscheinlich die hochschulinterne Forschungskommission tun. Diese erste interne Hürde nahm die Projektidee Innovationsmonitor für Hochschulbibliotheken im zweiten Versuch, nachdem bei einem ersten Antrag die Drittmittelperspektive noch bemängelt worden war. Ich hatte dann die Idee, dieses Projekt über ein Crowdfunding durch interessierte Bibliotheken zu finanzieren. Schliesslich setzte ich aber doch auf die Karte KTI.

Der Schweizerische Nationalfonds und die Forschung an Fachhochschulen

Als Förderorganisationen und somit Adressat für Projektanträge kommen für Fachhochschulen die genannte KTI oder auch der Schweizerische Nationalfonds in Frage. Letzterer unterstützt mittlerweile nicht nur Grundlagenforschung sondern auch angewandte Forschung und steht offiziell auch Fachhochschulen offen. Aber in der Realität scheint das noch nicht wirklich zu passen: die Projektanträge der FHs sind aus Sicht des SNF oft noch zu wenig wissenschaftlich. Zudem finanziert der SNF grundsätzlich nicht das Salär der Gesuchstellenden (Link zu den Bedingungen der Projektförderung des SNF), was aus Sicht eines Forschenden an einer FH ziemlich absurd ist. Ich muss ja schliesslich auch meine eigene Forschung über Drittmittel finanzieren, was mit diesem Modell aber nicht möglich ist. Und in den FHs wird das wissenschaftliche Publizieren, das für die Bewertung der Leistung der Forschenden so wichtig ist, noch zu wenig als Teil der Forschungsaktivitäten anerkannt. So haben die Forschenden an FHs Mühe, sich gemäss den Kriterien der universitär ausgerichteten Förderorganisationen zu qualifizieren. Aber wir geben nicht so schnell auf: nach der Ablehnung eines Projektantrags durch den SNF im letzten Jahr haben wir einen neuen Antrag eingereicht und sind guten Mutes. Untersuchen wollen wir die vermutete und tatsächliche Wirkung von sog. Landmark Libraries im städtischen Raum. Wir haben uns mittlerweile international vernetzt (als Mitgründer des Network on Libraries in Urban Space), arbeiten mit der FH Potsdam zusammen (Prof. Hans-Christoph Hobohm)  und unser Forschungsprojekt fokussiert. Nur die Publikationen in high-impact Journals fehlen uns jetzt noch…

KTI als Förderorganisation

Für die Forschung an Fachhochschulen ist die KTI die wichtigste Förderorganisation. Sie hat zum Zweck, die praxisorientierte Forschung an (Fach)Hochschulen zu unterstützen sowie  – und dies in erster Linie – die Innovation in Schweizerischen Unternehmen zu fördern. Konkret heisst dies (auf der Website www.kti.admin.ch):

Die KTI unterstützt

  1. Marktorientierte F&E-Projekte;
  2. Die Gründung und den Aufbau von Start-ups;
  3. Den Wissens- und Technologietransfer.

Was bedeutet dies für die Forschung an FHs? Wir haben bei uns am Institut einen Kollegen, der als Ansprechperson und Berater für geplante KTI-Projekte zur Verfügung steht. Denn die Logik und Mechanismen eines KTI-Antrags sind nicht ganz einfach zu verstehen. Die Forschung muss  nicht nur praxis- sondern auch marktorientiert sein. Entsprechend werden nur Projekte unterstützt, bei denen ein Business Partner mindestens die Hälfte der Investitionen übernimmt. Dafür erhält dieser in der Regel die Rechte an dem Projektergebnis. Ein überzeugender Businessplan gilt als entscheidend für die positive Beurteilung eines Projektantrags. Die erste grosse Hürde auf dem Weg zu einem erfolgreichen Projektantrag besteht entsprechend darin, einen Geschäftspartner von der Projektidee zu überzeugen. Und dieser muss bereit sein, die Hälfte des Projektaufwands zu leisten. Im Bereich Bibliothekswissenschaft ist es nicht gerade einfach Geschäftspartner zu finden. Für das Projekt Innovationsmonitor haben wir in der Firma Berinfor AG, die auf Beratungen im Hochschulbereich spezialisiert ist, einen überzeugten Partner gefunden. Gemeinsam haben wir das Projekt so ausgerichtet, dass als Ergebnis eine neue Beratungsdienstleistung entwickelt wird, die von der Firma vermarktet werden kann. Ein erster Antrag an die KTI wurde dann aber trotzdem zurückgewiesen. Nach einer gründlichen Überarbeitung gemäss den Empfehlungen der Experten der KTI haben wir nun im zweiten Anlauf eine positive Antwort erhalten. Der offiziell mögliche direkte Kontakt zu den Experten der KTI war dafür sehr wichtig. Zusätzlich zum Umsetzungspartner konnten wir auch noch zwei Bibliotheken als Anwendungspartner gewinnen: Die ZHB Luzern und die UB Bern werden bei der Ausarbeitung der Kriterien und der Entwicklung der Methodik mitmachen und die zu entwickelnde Methodik testen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse konnten wir erfolgreich in die Projektziele integrieren, und auch für die Auswertung und Publikation sind genügend Ressourcen eingeplant. Nun können wir also mit dem frohen Forschen beginnen…

Und ein weiteres KTI-Projekt ist bereits in Planung: es geht dabei um eine Plattform für E-Books. Mehr sei aber an dieser Stelle noch nicht verraten…

weitere Förderinstrumente

Forschungsförderung ist auch über Stiftungen möglich. Doch es ist eine Wissenschaft für sich, die für sein Forschungsprojekt geeignete Stiftung zu finden. Bis jetzt ist mir dies und auch den meisten Kolleginnen und Kollegen noch nicht gelungen. Einer Schweizer Fachhochschule steht auch der Weg über ein EU gefördertes Projekt offen. Beraten werden wir dabei von der Stelle Euresearch, die auch eine Ansprechperson an der Fachhochschule Ostschweiz hat, zu der die HTW Chur gehört. Wobei die Beteiligung an einem EU-Projekt noch zu Jahresbeginn bei der Lancierung des Programms Horizon 2020 deutlich besser aussah als heute. Nach der Annahme der Initiative gegen die Masseneinwanderung können sich Schweizer Hochschulen zwar noch an einem EU-Projekt beteiligen, jedoch muss der Beitrag durch die Schweiz finanziert werden. Was das in der Praxis bedeutet, werden wir noch sehen. Die Projektleitung durch einen Schweizer Partner ist wohl kaum mehr möglich. Aber auch hier lassen wir uns nicht entmutigen und haben weiterhin vor, uns auch auf europäischem Level zu beteiligen. Im Rahmen des erwähnten Network on Libraries in Urban Space möchten wir ein gemeinsames Forschungsprojekt entwickeln. Ein erster Schritt besteht darin, dass wir einen gemeinsamen Workshop veranstalten, für den wir einen Antrag beim SNF als “International Exploratory Workshop” gestellt haben.

So sieht das also aus, wenn wir von der Fachhochschule sagen, wir würden forschen… Wir versuchen uns im Dschungel der Förderinstrumente und administrativen Abläufe zu orientieren, um einen Weg zu finden für die Umsetzung unserer wissenschaftlichen Forschungsinteressen. Wir, das sind die Mitglieder des Forschungsfelds Digitale Bibliotheken am Schweizerischen Institut für Informationswissenschaft: Karsten Schuldt, Bruno Wenk, Ekaterina Vardanyan, Brigitte Lutz und ich (Rudolf Mumenthaler).